FILE - This Dec. 8, 2011 file photo shows trainers tending to Cleveland Browns quarterback Colt McCoy (12) after he was hit by Pittsburgh Steelers outside linebacker James Harrison in the fourth quarter of an NFL football game in Pittsburgh. In a series of interviews with The Associated Press, 23 of 44 NFL players said they would try to hide a brain injury rather than leave a game. In addition, more than two-thirds of the group AP talked to wants independent neurologists on sidelines during games. (Foto:Gene J. Puskar, File/AP/dapd)

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US-Ligen
03/15/2013

Folgenschwere Kopfverletzungen

Experten warnen vor den Spätfolgen von Gehirnerschütterungen in NHL und NFL.

In Nordamerikas Sportarenen sind Stöße, Tackles, Checks oder Boxeinlagen populär, doch die Folgen davon sind mittlerweile offensichtlich. Experten warnen seit geraumer Zeit vor den möglichen Spätschäden von Gehirnerschütterungen - vor allem der Football-Liga NFL bereitet dieses Thema immer mehr Kopfschmerzen. Sie wird von knapp 3.500 ehemaligen Spielern auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt.

Lebenserwartung alarmierend niedrig

Alle betonen, dass sie seitens der NFL über die Gefahren von Gehirnerschütterungen nie richtig informiert worden seien. Die Lebenserwartung eines NFL-Spielers liegt zwischen 53 und 59 Jahren. Und die Chance, an neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer zu sterben, ist im American Football dreimal so hoch wie sonst.

"Ich habe vier Kinder, eine wunderschöne Frau - und ich habe Todesangst davor, was mit mir in 10 oder 15 Jahren passieren könnte", sagte der 40-jährige Rodney Harrison. Als "Safety" war er 15 Jahre in der NFL, gewann zweimal mit New England die Super Bowl und machte sich mit seinem kompromisslosen Spiel einen Namen. Zweimal wurde Harrison von seinen Kollegen zum "skrupellosesten Spieler der Liga" gewählt.

Heute hingegen leidet er. "Ich habe oft Kopfschmerzen sowie Symptome von Einsamkeit, Isolation und Beklemmung." Er wirft der NFL vor, die Spieler zu seiner aktiven Zeit nicht genug geschützt zu haben. "Wenn ich einen Gegner hart gestoßen habe und alles verschwommen sah, haben sie mich zur Seitenlinie geholt. Ich blieb einen Spielzug draußen, bekam zwei Schmerztabletten und dann hieß es: 'Weiter geht's!'"

Sicherheit steht im Vordergrund

Roger Goodell freilich betonte indes, dass die Sicherheit der Spieler oberste Priorität habe. Der allmächtige Ligaboss hat die Regeln verschärft, Stöße zum Kopf oder Nacken verboten und die Strafen für überharte Aktionen angezogen. Und er hat dem Nationalen Gesundheitsamt (NIH) 30 Millionen Dollar (23,19 Mio. Euro) für die Hirnforschung zugesichert.

"Unser Ziel ist es, mit den besten Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten, um mehr über das Hirn und Hirnverletzungen zu erfahren und so das Spiel für unsere Akteure sicherer zu machen", erklärte Goodell. In der Saison 2011 gab es offiziell 266 Gehirnerschütterungen - die Dunkelziffer liegt höher.

App soll helfen

Damit sie sinkt, bekommen ab der neuen Spielzeit alle Teams eine Applikation. Mittels der darin gespeicherten Daten soll noch am Spielfeldrand festgestellt werden, ob Symptome einer Gehirnerschütterung vorliegen und der Spieler ausgewechselt werden muss. Dies war bisher nur mit Fragen wie "Wo sind wir?" oder "Was für ein Datum ist heute?" festgestellt worden.

Die Ergebnisse werden mit denen eines in der Saisonvorbereitung durchgeführten Basistests abgeglichen. "So kennt man bereits während der Untersuchung den Normalzustand des Spielers", erläuterte Dr. Margot Putukian vom Gesundheitsamt der Princeton University. Sie gehört dem NFL-Komitee für Kopf-, Nacken- und Wirbelsäulen-Verletzungen an, warnt aber auch davor, die App zu überschätzen.

Prominente Opfer

In der NHL wird ein Akteur beim Verdacht auf Gehirnerschütterung seit zwei Jahren nicht mehr auf der Ersatzbank untersucht,sondern in einen Ruheraum gebracht. Dass wieder stärker über das Thema diskutiert wird, liegt an Sidney Crosby. Der Superstar von den Pittsburgh Penguins erlitt 2011 innerhalb von elf Monaten zwei Gehirnerschütterungen und verpasste 101 Vorrunden-Partien.

Nach Schätzungen des kanadischen TV-Senders "CBC" erlitten in der vergangenen Saison rund 90 Spieler, also 13 Prozent aller Profis, eine Gehirnerschütterung. Diese Saison war kaum einen Monat alt, da wurden bereits elf Gehirnerschütterungen vermeldet. Bekanntester Leidtragender war Jewgeni Malkin (Pittsburgh), der wertvollste Spieler ("MVP") des Vorjahres.

Die NHL hat zwar Stöße zum Kopf unter Strafe gestellt. Doch viele der Verletzungen in dieser Saison entsprangen gar nicht einem derartigen Regelverstoß. Malkin beispielsweise fiel nach einem Routine-Schubser eines Gegenspielers ungeschickt gegen die Bande.

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