Ex-Generalsekretär Heinz Jungwirth soll Millionen an der offiziellen Buchhaltung des ÖOC vorbei geschleust haben.

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Ex-ÖOC-General Jungwirth vor Gericht
05/06/2012

Ex-ÖOC-General Jungwirth vor Gericht

Olympische Endspiele vor dem Schöffensenat: Die Anklage offenbart brisante Details zum Schwarzgeldkonto.

Er war der mächtigste Mann im österreichischen Sport. Gefeiert und gefürchtet, verehrt und verflucht. Mehr als 25 Jahre lenkte Heinz Jungwirth die operativen Geschäfte des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC). Doch am Ende des Aufstiegs stand sein tiefer Fall.Am Montag wird dem ehemaligen ÖOC-Generalsekretär der Prozess gemacht. Am Wiener Straflandesgericht geht es um den Vorwurf der Untreue, um ein Strafmaß von bis zu zehn Jahren Haft. Heinz Jungwirth, 60, steht im Verdacht, ÖOC-Gelder in der Höhe von 3,428 Millionen Euro abgezweigt und in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Der KURIER hatte im August 2008 finanzielle Ungereimtheiten in der Olympischen Bewegung enthüllt – Ende Februar 2009 musste Jungwirth weichen.In der 30-seitigen Anklage, die dem KURIER vorliegt, listet Ankläger Andreas Allex detailliert auf, was Jungwirth nach jahrelangen Ermittlungen zur Last gelegt wird. Am 8. Mai 2001 eröffnete der damalige Vorstand des ÖOC ein Girokonto, das der Verrechnung der Olympischen Spiele dienen und danach wieder geschlossen werden sollte. Der Staatsanwalt hält dazu fest: "Das (...) Konto wurde jedoch entgegen der sonstigen Usancen (...) nicht geschlossen, sondern von Mag. Dr. Heinz Jungwirth für Transaktionen, die nicht in die Buchhaltung des ÖOC Eingang fanden, genutzt. Für Geschäftspartner war dieses Konto auf Grund seiner auf den ÖOC lautenden Bezeichnung nicht als außerhalb der Buchhaltung geführtes bzw. inoffizielles Konto erkennbar."Alleine in den Jahren 2003 bis 2009 wurden laut Anklage von Jungwirth über dieses Schwarzgeldkonto 3,56 Millionen Euro an den offiziellen Büchern des ÖOC vorbei geschleust. Jungwirth soll sich mit einem Gutteil davon einen feudalen Lebensstil samt Herrschaftshaus, Reithalle und diverser Luxusautos geleistet haben. Der Staatsanwalt stieß auf Scheinrechnungen, mit denen das illegale Geldkarussell in Schwung gehalten worden sein soll.Zündstoff birgt auch, was in der Anklageschrift unter dem Punkt "Verantwortung des Angeklagten im Allgemeinen" vermerkt wird: "Konkret zum Konto Nr. 4.293.700, dem sogenannten `Schwarzgeldkonto`, befragt, meinte er (also Jungwirth, Anm.), dass dessen Verwendung "natürlich" nicht den Statuten des Vereins ÖOC entsprochen habe. Er gestand dabei zu, dass über die Bewegungen auf diesem Konto niemand außer ihm Kenntnis gehabt habe."Der Prozess am Straflandesgericht ist für drei Tage anberaumt. Danach fällt der Schöffensenat sein Urteil. Für Jungwirth geht es nicht nur um seine Freiheit, sondern auch um Haus und Hof. Im wahrsten Wortsinn. Der Staatsanwalt hat beantragt, "die von Mag. Dr. Heinz Jungwirth durch die Tat erlangten Vermögenswerte abzuschöpfen."

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