Essen ohne Handicap

Wenn Schnitzel, Putenstreifensalat, Würstel und Clubsandwich im Golfclub-Restaurant einmal nicht genügen: eine kleine Auswahl von Lokalen, die gourmetmäßig besonders gut scoren.

Gut Essen in der Nachbarschaft von Österreichs Golfplätzen

Ob sich unter den österreichischen Hobby-Golfern mehr Feinschmecker befinden als unter den Fußballern oder Billiardspielern, ist empirisch nicht erwiesen. Fest steht aber, dass sich in der Nähe von Golfplätzen im schönen Österreich auffallend viele gute Restaurants aufhalten.

Wobei: Golf ist längst kein angestaubter Elite-Sport mehr, und immer mehr Menschen leisten sich zwischendurch ein gutes Essen im Haubenrestaurant. 

Im Bild: Forellengericht aus der Küche des Klosters Und in Krems. Kloster Und in Krems

Toni Mörwald hat ein Händchen für gute Köche und junge Talente. Dazu ist auch Roland Huber zu zählen, der im Kloster Und filigrane Köstlichkeiten von beträchtlicher Delikatesse schwungvoll und gekonnt einlocht. Das Kloster in seinen alten Gemäuern beherbergt ein Restaurant, dem man auf den ersten Blick gar nicht ansieht, dass hier mit einer der modernsten Küchen Niederösterreichs zu rechnen ist. 


www.moerwald.at Petit Tirolia in Kitzbühel

Chef de cuisine Bobby Bräuer wurde gerade als Koch des Jahres ausgezeichnet. Er wird trotzdem locker bescheiden bleiben und an seiner klassisch-modernen Linie weiterarbeiten, die dem Hummer die gleiche Sorgfalt angedeihen lässt wie der Beere aus dem Wald. Beim Mittagessen kann man Hansi Hinterseer beim Abschlagen zuschauen (Handicap 2!) und nachher eventuell die eigene Golfausrüstung verschrotten. Bräuers Handicap liegt übrigens etwas höher als das von Hansi. Er hat einfach zuwenig Zeit.

Im Bild: Bobby Bräuer, der Koch des Jahres, der dem Golfen in Kitzbühel kulinarischen Sinn gibt.

www.grand-tirolia.com Stefan Haas, Restaurant am Golfplatz in Badaussee

Stefan Haas kocht seit einiger Zeit in einer Gegend, die als kulinarisch „schwierig“ gilt. Das Ausseerland ist eine der schönsten Gegenden des Landes, aber hier ein Restaurant mit Anspruch zu führen ist so, wie wenn man bei Regen und Sturm auf den Golfplatz geht. Jetzt steht Herr Haas im Restaurant des Golfclubs in Aussee, also gibt es zum Loserblick jetzt auch wirklich ein gescheites Essen. Milchferkelsulz mit Traunkrebsen oder Ausseer Kasnudeln mit Zitronentopfen. 

Sommersbergseestraße 392
8990 Bad Aussee
Tel.: 0676 777 33 04

office@stefan-haas.at Schloss Fuschl in Hof

Thomas Walkensteiner, ehemals hochdekorierter Chef des Restaurants Imperial (1 Michelinstern, 18 Punkte im Gault Millau), bis es vom Hotelmanagement gestrichen wurde, schafft hier den Spagat zwischen Hochleistungsküche und gehobener Beliebigkeit. Die Fische aus der Schlosszucht bereitete er mit Kenntnis und Sensibilität zu (Lachsforelle mit Sommertrüffel), mit Flusskrebsen ist er auf Du und Du und wer Glück hat, kriegt Walkensteiners asiatische Aromenauszüge zu kosten. Was Besseres gibt es nicht. Der Ausblick von der Terrasse ist spektakulär. 

Im Bild: Thomas Walkensteiner, Küchenchef im Schloss Fuschl und Meister der asiatischen Aromen. Im Herbst sind einige kulinarische Events eingeplant. Die gute Neuigheit: Das Fuschl hat dieses Jahr keine Winterpaune. Das einzige Handicap des Hauses, das gleich neben dem Golfplatz liegt: Die Weine sind aberwitzig kalkuliert.


Im Bild: die letzten Sonnenstrahlen des Jahres wirken auf der Fuschlterrasse besonders angenehm.

www.luxurycollection.com/schlossfuschl Dolce Vita Klagenfurt

In Kärnten hat es ja die Gastronomie nicht so leicht, weil die Konkurrenz aus Friaul und Slowenien gemeinerweise so dicht vor der Haustür liegt. Manche Häuser sind aber so gut, dass die Gäste sogar über die Grenze ins Kärntnerische kommen. 

Im Bild: Keine Kärtner Kasnudeln, sondern stilechte italienische Ravioli werden hier zubereitet. Zum Beispiel ins Klagenfurter Dolce Vita, wo Küchenchef und Patron Stephan Vadnjal mit seinen Kreationen nur selten ins Rough trifft. Beste Produkte, vornehmlich aus dem Meer, in gekonnte Zubereitung machen das kleine Restaurant zu einem der besten Italiener nicht nur außerhalb Italiens.

Im Bild: Der Patron sieht sich als kulinarischer Botschafter Italiens.

www.dolce-vita.at Brunnwirt in Fuschl

Der Brunnwirt stand hier schon, da fuhr man ins Salzkammergut noch auf den Campingplatz und nicht auf den Golfplatz. Die Familie Brandstätter setzt auf bewährte Rezepte, hat viel Spaß an den Fischen aus den nahen See und dem Wild aus den Bergen. 

Im Bild: naturbelassene Stuben beim Brunnwirt in Fuschl Die werden naturnah zubereitet und präsentiert. Schäume und filigrane Hochgebäude aus Speisen sind hier fremd. Auch das kleine Restaurant blieb von peinlichen Redesignversuchen dankenswerter Weise verschont. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, dessen Bullen-Imperium nebenan residiert, soll hier gerne einkehren. 

Im Bild: Johann Brandstätter bei der Arbeit

www.brunnwirt.at Schloss Münichau in Reith

Kaum aufgesperrt und schon ein gutes Score in den Rezensionen: das Schloss Münichau wird von keinen Unbekannten geführt. Hier arbeitet das Team Theo Muntigl & Thomas Dreher, der eine als Leiter des Hotels, der andere als Chef de cuisine. Beide verstehen sich blendend mit der ländlichen Noblesse des Hauses. Dreher kocht den Gästen wunderbare Suppen mit Bergkäse und Trüffel und zaubert am Ende einen göttlichen Topfenschmarr‘n auf den Tisch. Die Weinkarte ist nicht groß, die Preise unkitzbühelmäßig günstig.

Im Bild: Sanfte Auffrischung tat dem alten Schloss gut. Saag in Techelsberg

Der Laufsteg der Eitelkeiten von Kärntens Promis ist auch ein Bootssteg. Er führt direkt ins Restaurant Saag, ein feines Stück Architektur, wo Küchenchef Hubert Wallner mit jugendlichem Schwung Kärnten und den Süden servieren lässt. Letztens gehabt: Spaghetti mit Tomaten und Langoustinos, wie sie besser nicht vorstallbar waren. Tolle Weinbetreuung.

Im Bild: Diesmal nicht die Aussicht, sondern Kasnudeln, wie der Kärnten-Experte unschwer erkennt.

www.saag-ja.at Romantikhotel Post in Kössen

Mit einem Einkehrschwung sitzt man hier in der alpinen Vergangenheit. Putzige Stuben, poliertes Holz, eine kleine Terrasse mit Blick auf das gemächliche Treiben des kleinen Ortes hinter (oder je nachdem, wie man es sehen will: vor ) dem Wilden Kaiser. Kaiserlich gut ist auch das Wiener Schnitzel, was wiederum bestätigt, dass sie in Tirol vielleicht wirklich die besten Kälber haben. An der Bar tischen die Gäste zu einem alten Brandy ein bißchen Jägerlatein oder Golfer-Englisch auf.

www.hotelgasthofpost.at Schlossstern in Velden

Mit dem Schlossstern unter Silvio Nickol (jetzt in Wien) erwarb ich das Schlosshotel Ruhm und Ehre bei den Feinschmeckern. Der neue Küchenchef Stefan Lasting schließt ans  Niveau  seines Vorgängers schon ziemlich gut an. Präzise wie der Abschlag von Tiger Woods legt er seine kulinarischen Vorschläge vor. Das Ambiente des Restaurants erinnert ein wenig an die Einrichtung der Patriziervillen im Veneto. Der Blick von der kleinen Terrasse auf See und Promenade  ist glamourös. Die Falkensteinergruppe plant allerdings eine Verschmälerung des Angebots im High End-Bereich. Besser, Sie gehen bald hin. 

www.schlossstern.at
(KURIER.at) Erstellt am
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