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Sport
03/17/2019

„Es gibt bei einem Fußballspiel drei Deppen“

Sky-Moderator Thomas Trukesitz über Liga-Modus, Trainer-Leid und Kritik an Kommentatoren

Der 46-jährige Thomas Trukesitz ist „Head of Livesport“ bei Sky Österreich. Seit 2004 kommentiert und moderiert er Fußballsendungen, erst bei Premiere, dann bei Sky. Seit Sommer ist die Bundesliga nur noch auf Sky zu sehen, seit Sommer wird die Liga auch in einem neuen Modus gespielt.

KURIER: Wie gefällt Ihnen die neue Liga?

Thomas Trukesitz: Ich war ehrlich gesagt skeptisch. Aber die Ligareform bringt unglaublich viel Spannung, es geht sehr früh in der Saison um sehr viel. Die Leidtragenden sind die Trainer.

Es gibt Kritik, dass es keinen Bundesliga-Fußball mehr im Free-TV gibt.

Der Trend geht dahin, dass man zahlen muss, wenn man gewisse Inhalte sehen will. Das Pay-TV finanziert weltweit den Fußball. Aber egal: Unser Job ist es, zu berichten und zu versuchen, ein gutes Produkt zu machen.

Für das man aber extra bezahlen muss.

Ja, aber um ORF sehen zu können, zahl’ ich auch, und zwar sehr gerne. Von der Umsetzung her sind wir vielleicht öffentlich-rechtlicher als andere. Vereine und Zuschauer honorieren die Qualität unserer Berichterstattung. Und in den Stadien sind nicht weniger Zuschauer als vorher.

Die Zuschauerzahlen bei Ihren Übertragungen sollen aber sehr überschaubar sein.

Ich bekomme sehr viel Resonanz, also werden unsere Sendungen nicht so wenige sehen, wie manche meinen. Mit den Zahlen, die wir haben, sind wir zufrieden. Die Diskussion darüber ist künstlich.

Wenn viel für die Rechte bezahlt wird, verleitet das nicht dazu, dass man das Produkt schönreden muss?

Ich bin stolz, dass wir die Balance finden, dem Fußball eine große Bühne zu bieten und gleichzeitig kritische Berichterstattung machen. Wir haben uns in 15 Jahren vor keinem Thema gedrückt.

Gibt es keine Einflussnahme der Liga oder der Klubs?

Natürlich gibt es ab und zu Begehrlichkeiten, aber ich hatte immer Chefs, die mich nicht beeinflussen wollten.

Sie sind für die KURIER ROMY nominiert worden.

Das freut mich sehr, denn ich sehe das als Auszeichnung für die ganze Redaktion, wo viele gute Journalisten mit viel Herzblut und hoher Professionalität an der Arbeit sind.

Moderator oder Kommentator: Sie machen beides, was ist Ihnen lieber?

Mir taugt beides. Das hat sich so entwickelt, weil wir 2004 mit einem kleinen Team begonnen haben und beides machen mussten.

Hat Sie das geprägt?

Natürlich. Ich war früher bei Gratkorn gegen Lustenau mit derselben Begeisterung dabei wie jetzt bei Salzburg gegen Lazio Rom.

Austria oder Rapid?

Ganz ehrlich, weder noch. Diese Frage hat sich für mich nie gestellt, weil ich beim SC Eisenstadt fußballerisch sozialisiert worden bin, als der noch in der Bundesliga gespielt hat. Aber egal: Für die einen bist du Austria-Fan, für die anderen Rapid-Fan. Und für Fans aus den Bundesländern bist du manchmal eben einfach ein Wiener, obwohl ich das nachweislich nicht bin.

An Kritik mangelt es also nicht.

Kritik ist okay, wenn sie ein gewisses Niveau behält. Zum Glück stehe ich heute drüber. Wenn es vor 20 Jahren das Internet schon in dieser Form gegeben hätte, weiß ich nicht, ob ich damit hätte umgehen können.

Diese Saison mussten schon acht Trainer gehen.

Schlimm. Aber es gibt bei einem Fußballspiel eben drei Deppen: Die zwei Trainer und den Kommentator.