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Sport
05/29/2019

Dominic Thiem, oder: Der Weltklassespieler zum Anfassen

Die lockere Nummer vier der Welt plauderte vor dem Donnerstag-Match nicht nur über Sport.

Er ist ja sehr geduldig. Denn die Fragen, die Dominic Thiem im Laufe des langen Turniers so beantworten muss, verlassen gelegentlich den sportlichen Rahmen. Der 25-Jährige ist irgendwie der Star zum Anfassen. Wenngleich es nicht unbedingt den Gemeinbürger interessieren muss, ob er abends selbst kocht und wer seine YouTube-Videos macht.

Wichtig ist, dass er überhaupt noch da ist bei den French Open in Paris. Dass er die brenzlige Situation in der ersten Runde gegen den Amerikaner Tommy Paul überstanden und den dritten Satz im Tiebreak nach 0:4-Rückstand sowie das ganze Match noch gewonnen hat.

Am Donnerstag darf er sich wieder als Favorit fühlen, wenn der Kasache Alexander Bublik sein Gegner ist. Thiem eröffnet den fünften Spieltag auf dem Centercourt, spielt bereits um 11 Uhr. 21 Jahre ist Bublik alt, er wird im Ranking auf Rang 91 geführt. Das sagt die Statistik.

Unentspannter Kerl

Andere sagen weniger Positives. Der Deutsche Rudi Molleker etwa, der gegen Bublik in der ersten Runde verloren hat: „Der hat überhaupt keinen Respekt.“ Ja, Bublik sorgt oft für Aufsehen. Und er erinnert dabei gelegentlich an einen anderen Rotzbuben. „Ja, er hat ein bisserl was von Kyrgios“, sagt Thiem.

Der Weltranglisten-Vierte geht nicht davon aus, dass er Paris bald verlassen muss. Immerhin hat er sich hier schon eingelebt. Und gemeinsam mit Freundin Kristina Mladenovic wohnen kann er abseits des Turniers auch nicht alle Tage – und das ganz in der Nähe der Anlage. Was nachts passiert, wurde Thiem gottlob nicht gefragt, aber er erzählt gerne, dass er schaut, dass er „jeden Tag auf neun, zehn Stunden Schlaf“ kommt. Der Tag geht mit Training drauf, auf dem Platz und im Fitnessstudio.

In einem etwas neuen Team. Nicolas Massu ist mittlerweile sein Haupttrainer, Physio Alex Stober ist schon mehrere Jahre im Team Thiem. Fitnesscoach Duglas Cordero ist derzeit nicht dabei, er musste unmittelbar vor Thiems erstem Auftritt wegen einer Blinddarm-Entzündung ins Krankenhaus.

French Open - Roland Garros

Entspanntes Training

Dafür waren alle anderen beim 80-minütigem Training auf Platz 26 der Anlage Jean Bouin gut aufgelegt. Dafür sorgt auch Student und Thiem-Freund Lucas Leitner (er ist der Mann für die YouTube-Videos).

Auch auf dem benachbarten Platz 29 war ein Österreicher zugegen, der Tiroler Gebhard Gritsch beobachtete seinen serbischen Schützling Novak Djokovic ganz genau und sagte: „Er ist sehr entspannt und gut drauf.“

Kristina Mladenovic ist beim Training selten Zaungast, schließlich muss sie ja auch arbeiten. Wenn Zeit ist, plaudert sie mit Thiem auch über ihren Bereich. Im Damen-Tennis kennt sich der Lichtenwörther deshalb aber nicht besser aus – die ersten Drei im Ranking konnte er nicht nennen. Eines weiß er jedoch: „Es können viel mehr Spielerinnen um die großen Titel spielen und Nummer 1 werden als bei den Männern. Was es auch in gewissem Maße interessant macht.“

Gespannter Thiem

Auf eines freut sich Österreichs Bester besonders: Seit einem halben Jahr wird akribisch festgehalten, was Thiem so treibt. Sein Sponsor Red Bull dreht nämlich eine Dokumentation. „Ich finde es cool, und ich glaube, dass die Doku mega wird. Für die Fans wird es ein unglaubliches Erlebnis, weil sie auch sehr viele Szenen gefilmt haben, wo die Fans sonst nie einen Einblick kriegen.“

Übrigens, um noch die letzte Frage zu beantworten: „Ich kann nicht kochen.“