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Sport
08/01/2012

Dinko Jukic undankbarer Vierter

Österreich muss weiter auf die erste Medaille bei den Olympischen Spielen in London warten.

Dinko Jukic starrte ungläubig auf die Anzeigetafel. Der Wiener gab alles auf den letzten Metern im Finale über 200 Meter Delfin, unterbot mit 1:54,35 den österreichischen Rekord und wurde dennoch nur Vierter – 1,14 Sekunden hinter Takeshi Matsuda aus Japan (Bronze). Ganz vorne hatte der Südafrikaner Chad le Clos Michael Phelps um fünf Hundertstel besiegt.

"Ich hab mir nichts vorzuwerfen, hab in meinem ersten Olympia-Finale den Rekord unterboten und mein Bestes gegeben", strahlte Jukic, dessen Schwester Mirna, die in Peking Bronze gewonnen hatte, fürs Fernsehen kommentierte. Keine Spur von Frust über die so genannte Blechmedaille. "Das Erreichen des Finales war mein Ziel und mein Traum bei diesen Spielen. Dieser vierte Platz ist nur noch eine Draufgabe."

Und: "Jetzt brennt schon das Feuer für Rio – ich habe jetzt vier Jahre Zeit, auf diesem Riesenerfolg aufzubauen." Außerdem sei er stolz auf seine taktische Einteilung der Olympiasaison: "Alle, die mich bei der EM in Debrecen geschlagen haben, verpassten das Finale."

Und weil`s so schön war schmeißt er sein Programm um: "Jetzt schwimm ich auch die 100 Meter Delphin. Da ist das Semifinale mein Ziel, aber kein sehr realistisches."

Jukic habe zuerst seinen vierten Platz gar nicht wahrhaben wollen: "Weil ich doch mehr als eine Sekunde hinter dem Dritten war, dachte ich, dass das ein Fehler auf der Tafel sein muss."

Doch diese starke Leistung wird auch noch andere Feuer entfachen, oder besser gesagt: Am Lodern halten: "Wenn Funktionäre von mir verlangen, dass ich mich mit Phelps messe, dann sollen sie sich auch gefälligst an amerikanischen Funktionären messen."

Er wisse, dass er sich mit seinen Konfrontationen in letzter Zeit wenige Freunde gemacht hat. "Aber unter den Athleten sind es umso mehr. Ich will nichts anderes, als dass der Verband endlich zur Professionalität übergeht. Und das geht nur so. Der Landesverband-Funktionär, der gesagt hat: `schwimm daham, du Tschusch` ist noch immer im Amt. Und mir hängen sie ein Disziplinarverfahren an?"

Konflikte

Diplomatie ist das einzige deutsche Wort, das der gebürtige Kroate, der im Alter von zehn Jahren nach Österreich kam, nicht kennt. Trotzdem versuchte er schon mit gerade einmal 22 in die Politik zu gehen, doch da die Wiener ÖVP bei den Wahlen abstürzte, war für ihn dort kein Platz mehr.

Den Mund hielt er trotzdem nicht. Niemals. Auch nicht, als er sich im Stadionbad einer Doping-Kontrolle hätte stellen sollen. Er lehnte aus hygienischen Gründen ab, man warf ihm die bewusste Verweigerung des Tests vor, er musste sich der Kommission stellen, die ganz schön viel Steuergeld verbrannte in diesem Prozess, um Jukic schließlich freisprechen zu müssen.

Da das Ganze aber nicht als Freispruch, sondern als dubiose österreichische Lösung deklariert wurde, blieb Jukic auf seinem Teil der Prozesskosten sitzen. Und natürlich will er auch da noch einmal nachfassen: Er sei für sein Verhalten mehr oder weniger verurteilt worden. Doch deswegen sei er ja gar nicht angeklagt gewesen. Daher werde er restlose Wiedergutmachung fordern.

Nun werden ihm grobe Verfehlungen bei der EM in Debrecen vorgeworfen. Er habe dort ein paar Funktionäre verbal insultiert. "Sollen die doch machen, was sie wollen. Eine Sperre ist mir wurscht."

Der Streit und die Drohungen hätten ihn nicht im Geringsten belastet, aber auch nicht aufgeputscht: "Ich habe es diesmal perfekt geschafft, alle äußeren Einflüsse auszuschalten. Ich habe nicht einmal den Lärm in der Halle gehört. Ich war nur froh, dass ich auf dieser Seite geschwommen bin, weil ich so nicht gesehen haben, wie die liegen, die sich mit mir matchen."

Im Vorlauf hatte Jukic noch Phelps besiegt, im Semifinale qualifizierte er sich relativ sicher für das Finale der besten acht, da schlug er unmittelbar nach Phelps an. Dinko Jukic wurde somit plötzlich zu Österreichs aussichtsreichstem Medaillenkandidaten – ein bezeichnender Umstand, wenn einer Sechster im Semifinale wird.

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