Am Samstag gefallen, am Sonntag gefeiert: Julian Alaphilippe sprintete ins Gelbe Trikot

© APA/AFP/POOL/STEPHANE MAHE

Sport
08/30/2020

Die Tour der Schmerzen und der Einsamkeit

Ohne ein Trio ging die Frankreich-Rundfahrt am Sonntag in die zweite Etappe. Julian Alaphilippe siegte am Sonntag

Wenn Radprofis die Kollegen zum Bremsen auffordern, dann ist klar: Da läuft etwas ziemlich falsch. So geschehen am ersten Tag der 107. Tour de France, als Astanas Jon Izagirre auf nasser Fahrbahn das Rad ausbrach und der Spanier in ein Verkehrsschild flog. Primoz Roglic, der slowenische Tour-Dritte des vergangenen Jahres, zeigte daraufhin deutlich, dass er zwei Wochen nach seinem Sturz beim Critérium du Dauphiné nicht willens war, noch mehr Unfälle zu sehen.

Tatsächlich drosselten die Fahrer dann in der kurvigen letzten Abfahrt das Tempo, nachdem ja auch zuvor schon reihenweise die Kollegen auf dem Asphalt gelandet waren. „Das Glatteis des Sommers“, titelte die Sportzeitung L’Équipe am Tag danach.

Schmerzhafter Auftakt

Ein Trio konnte bei Sonnenschein am Sonntag nicht mehr mittun: Der Spanier Rafael Valls hat sich beim finalen Massensturz 2,9 Kilometer vor dem Ziel einen Oberschenkel gebrochen, der belgische Klassikerspezialist Philippe Gilbert rollte mit gebrochener Kniescheibe ins Ziel. Und der Deutsche John Degenkolb schaffte es nach einem Sturz nicht mehr innerhalb des Zeitlimits ins Ziel. Ein Mann weniger bei Bahrain-McLaren (dazu der Belgier Wout Poels mit Rippenbruch), schon zwei weniger bei Emirates, ein gewaltiger Aderlass am ersten Tag, das gab es zuletzt anno 1957.

Den Sieg nach den 186 Kilometern rund um Nizza samt zwei Bergwertungen der ersten Kategorie sicherte sich auch ein Sturzopfer vom Samstag: Der Franzose Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step) setzte sich im Zielsprint knapp gegen den Schweizer Marc Hirschi (Sunweb) durch und übernahm das Gelbe Trikot vom Norweger Alexander Kristoff.

Mit aller Vorsicht

Beachtlich ist die Disziplin der Fans: Start und Ziel sind abgeschottet, und auch entlang der Strecke wird bis auf wenige Ausnahmen Maske getragen. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sind bei Verstößen 135 Euro fällig, und zum anderen sind die Teams mit aller Dringlichkeit angehalten, sich isoliert und gesund zu halten. Die Zuschauer zeigen Respekt und halten Abstand.

Denn bei zwei positiven Tests innerhalb von sieben Tagen geht es für eine Mannschaft nicht zum Zielort Paris, sondern für alle umgehend nach Hause. Das gilt übrigens nicht nur für die Fahrer, sondern auch für Betreuer, Mechaniker und Physiotherapeuten. Um etwaige falsch positive Tests auszuschließen, wird jeweils doppelt getestet, was unter anderem Bora-hansgrohes Teamchef Ralph Denk gefordert hatte.

Ein Beispiel für die Welt

660 Menschen sind in einer Blase isoliert, überall hängen Piktogramme, die auf das Kontaktverbot hinweisen – das übrigens auch im Falle von Stürzen aufrecht bleibt.

„Wir wollen der Welt ein Beispiel geben. Wir wollen zeigen, dass auch unter den Bedingungen der Pandemie solche Veranstaltungen möglich sind“, erklärte Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi, der sich lange um einen Tour-Start in seiner Stadt beworben hatte. Nun freut er sich über 13.000 zusätzliche Übernachtungen in diesen Krisenzeiten, die dem Tourismus an der Côte d’Azur zumindest etwas aus der finanziellen Klemme helfen.

Am Montag rollt die Tour Richtung Norden, von Nizza geht es 198 Kilometer durchs Mittelgebirge nach Sisteron, eine Etappe mit Finale für die Sprinter. Am Dienstag gibt dann die erste Standortbestimmung in Sachen Gesamtklassement: bei der Bergankunft in Orcière-Merlette.

STEFAN SIGWARTH

Tour de France, 2. Etappe (Nizza-Nizza, 186 km): 1 .Alaphilippe (FRA) Deceuninck-Quick Step 4:55:27, 2. Hirschi (SUI) Sunweb gl. Zeit, 3. A. Yates (GBR) Mitchelton-Scott +1, 72. Großschartner  (AUT) +10:19, 73. Mühlberger (AUT) gl. Zeit, 103. Pöstlberger (AUT) alle Bora-hansgrohe +17:45, 107. Gogl (AUT) NTT gl. Zeit, 140. Haller (AUT) Bahrain-McLaren +28:15. - Gesamt: 1. Alaphilippe 8:41:35, 2. A. Yates +4, 3. Hirschi +7, 5. Pogacar (SLO) Emirates +17, 8. Bernal (COL) Ineos, 10. Dumoulin (NED), 11. Roglic (SLO) beide Jumbo-Visma, 13. N. Quintana (COL) Movistar, 15. Buchmann (GER) Bora-hansgrohe alle gl. Zeit, 69. Mühlberger +10:34, 70. Großschartner gl. Zeit, 95. Gogl +18:00, 106. Pöstlberger gl. Zeit, 135. Haller +28:30. - Bergwertung: 1. Cosnefroy (FRA) AG2R 18, 2. Perez (FRA) Cofidis 18, 3. Gogl 12.

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