© Geiler Christoph

RADSPORT
09/26/2018

Didi Senft: Auf Teufel komm raus

Die Straßenranderscheinung: Der Berliner Didi Senft ist der berühmteste Fan bei der Rad-WM in Innsbruck.

Didi Senft hat kaum einen Fuß auf die Straße gesetzt, da ist er auch schon in Teufels Küche. Aufgeregte Autofahrer bremsen seinetwegen ab, von der anderen Straßenseite grölt ihm eine Gruppe Jugendlicher zu, so schnell kann er gar nicht schauen, da kommen auch schon die ersten angerannt und wollen ein Selfie mit ihm.

„So ist das immer, wenn ich irgendwo auftauche“, erzählt Didi Senft, den alle nur Didi, den Tourteufel nennen. Wie auf Knopfdruck fuchtelt er wild mit seinem Dreizack durch die Luft und springt herum wie das Rumpelstilzchen höchstpersönlich. Dabei wackeln seine Hörner und der weiße Rauschebart, der Gott eigentlich besser zu Gesicht stehen würde als dem Leibhaftigen.

Wer zum Teufel steckt nur hinter diesem Kostüm? Was treibt einen Menschen dazu, tagaus und tagein in diesem Outfit herumzulaufen? Wer ist dieser Mann, den vermutlich jeder schon einmal gesehen hat, der sich im TV ein Radrennen angeschaut hat?

Fahrbare Kaffeemühle

Als Didi Senft vor einem Vierteljahrhundert das erste Mal bei einer Radtour auftauchte, da hatte ihn noch nicht der Teufel geritten. „Da war ich normal angezogen und wollte nur Werbung für meine Räder machen“, sagt der Berliner, der von Beruf Schlosser, Künstler und Erfinder ist. Daheim in Storkow sind all seine Prototypen ausgestellt, Didi Senft hält 20 Weltrekorde: für das kleinste und das größte Fahrrad, er ist der Erfinder der größten Hochzeitsrikscha und hat auch einmal eine fahrbare Kaffeemühle gebaut, die selbstverständlich auch die größte der Welt ist.

Irgendwann war’s Didi Senft mit seinen Vehikeln zu mühsam geworden, also wurde der Ostdeutsche zum Teufel. „Wegen des berühmten Teufelslappens, so hat man früher die Flamme Rouge genannt, die Markierung beim letzten Kilometer.“

Seither reist er quer über den Globus von Radrennen zu Radrennen und treibt kamerawirksam sein Unwesen. Die Bilder von seinen Auftritten bei der Tour de France gingen um die Welt, wenn man vom Teufel spricht, dann weiß heute im Radsport jeder, mit wem er es zu tun hat. „Ich gehöre dazu, jeder will ein Foto mit mir“, sagt der 66-Jährige, der längst von den Veranstaltern eingeladen wird und ein Leben als hauptamtlicher Teufel führt. „Ich komme in der ganzen Welt herum“, sagt Senft. Vor der WM in Innsbruck war er bei einem Radrennen in Kolumbien, davor in Norwegen und in der Schweiz, „für die Vuelta hatte ich keine Zeit.“

Nur mit Rucksack

Man möchte aber gar nicht meinen, wie anstrengend das alles ist. Der Tourteufel lebt beileibe nicht wie Gott in Frankreich, in Innsbruck steht er von der Früh weg bei jedem Rennen und jedem Wetter an der Strecke, abends treibt er sich bei Empfängen und in Bars herum. „Ich komme nicht dazu, mein Kostüm auszuziehen“, sagt Senft, der ohne Ersatzrobe und nur mit einem kleinen Rucksack nach Tirol gekommen ist.

Das sieht man dem Kostüm inzwischen auch an: Der Teufel trägt keineswegs Prada, sondern einen rot-schwarzen Fetzen, der längst in die Schneiderei müsste. Auch mit den Hörnern gibt’s Probleme, „die werden nicht mehr produziert“, sagt der 66-Jährige. Immerhin durfte er nach Innsbruck seinen echten Alu-Dreizack mitnehmen. Wenn Senft in den Flieger steigt, hat er immer eine Plastik-Variante dabei.

An der Strecke sucht sich der Deutsche meist ein ruhiges Platzerl abseits der Fanmassen. „Mit dem Dreizack brauche ich Bewegungsfreiheit“, sagt Senft, der schon weiß, wo er am Sonntag den Herren zujubeln wird: in der Höll, dem teuflischen Anstieg (28 Prozent) vor dem Ziel.

„Da muss ich hin.“

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