Thema: Gulbis (li.) kommt heute zu seinem Team, Thiem nicht.

© APA/EPA/JASON SZENES

Tennis
09/10/2014

Daviscup: Nationalstolz vs. Karriereplanung

ÖTV-Präsident Leitgeb und Thiem-Coach Bresnik sind im Clinch.

von Harald Ottawa

Schon vor dem ersten Aufschlag am Freitag beherrschen Rundumschläge das Daviscup-Länderspiel der Österreicher in Lettland. Vor einer Woche sagte Dominic Thiem für das Länderspiel ab. Sein Trainer Günter Bresnik erklärt: "Er braucht eine Pause, immerhin zählt er zu den Spielern mit den meisten Matches in diesem Jahr. Jetzt ist dringend Aufbauarbeit für die Herbst-Turniere angesagt." Verbandspräsident Ronnie Leitgeb sieht dies nicht ein und fragt: "Warum zeigt Dominic Nationalstolz beim Fußballteam (Thiem war wie Leitgeb beim Ländermatch, Anm.) und nicht beim Tennisteam?" Bresnik: "Dominic zeigt mit seinen Leistungen das ganze Jahr Nationalstolz. Vor allem auch, weil er als Sportler in seinem Land bleibt und Steuern zahlt." Außerdem absolviere er im November den Bundesheer-Dienst.

Nun sieht es so aus, dass wider Bresniks Ankündigung Lettlands Nummer eins Ernests Gulbis doch ab Freitag beim Europa-Afrika-Spiel aufschlagen wird. Die Gastgeber hätten sonst keinen Top-700-Spieler in ihren Reihen gehabt. Bresnik vermutet: "Hier geht es wohl um halbpolitische Interessen. Ernests hat mir von einem Gespräch mit dem Staatspräsidenten berichtet." Leitgebs ironischer Konter: "Dann wäre es doch zu begrüßen, wenn Dr. Heinz Fischer mit Thiem sprechen würde." Der Präsident glaubt, dass Bresnik alles gewusst habe. "Ich habe vor Zeugen schon vor Monaten gesagt, dass Gulbis spielt. Bresnik dominiert alle Spieler, die er betreut, und soll davon nichts gewusst haben? Er stößt Österreichs Nationalstolz vor den Kopf."

Bresnik entgegnet: "Ich bin keinem Rechenschaft schuldig. Aber ich habe erst am Sonntagabend erfahren, was Sache ist." Bresnik hätte Gulbis lieber beim Training in der Südstadt gehabt. "Er hat auch zwei Wochen keinen Schläger in der Hand gehabt und brauche ebenso Aufbautraining."

Fix ist: Spielt Gulbis, sollte Österreich rund um den treuen Rekordspieler Jürgen Melzer (29. Teilnahme) beide Einzel-Punkte gegen Lettlands Nummer zwei machen. Und man ist auch im Doppel Favorit – drei Punkte reichen, um ein Abstiegsspiel (aller Voraussicht nach gegen Schweden) im Oktober zu verhindern.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.