Sport
21.11.2018

Daviscup-Finale als Abschied vom Fünf-Satz-Format

Zum letzten Mal geht das Finale im altbekannten Format über die Bühne. Die Favoritenrolle hat Kroatien inne.

Das diesjährige Finale im Daviscup zwischen Frankreich und Kroatien von Freitag bis Sonntag in Lille wird auch ein Daviscup der Abschiede. Frankreichs Kapitän Yannick Noah sagt Adieu, hofft auf einen vierten (Rekord-)-Titel in dieser Funktion und überlässt den Posten kommendes Jahr Amelie Mauresmo. Und es ist auch das letzte Finale im alten Format, ehe 2019 das Finalturnier eingeführt wird.

Ein letztes Mal geht es wie im Vorjahr im Stade Pierre Mauroy in Lille über drei Tage und in jedem Match im "best of five"-Format um den Titel. Traditionalisten werden wohl sentimental werden, denn im kommenden Jahr wird im seit 1900 bestehenden Mannschaftsbewerb fast alles neu. In Lille wird wie im Vorjahr auch der Schlusspunkt hinter die Tennis-Saison gesetzt. Für einige Spieler, die beim Masters in London im Einsatz waren, wird es vor dem kurzen Urlaub noch einmal ernst.

Noah muss seine drei bestplatzierten Spieler mit Richard Gasquet (verletzt), Gael Monfils und Gilles Simon vorgeben. Die Gastgeber hoffen mit Lucas Pouille (ATP-32.), Jeremy Chardy (42.) sowie den Masters-Doppel-Finalisten Pierre-Hugues Herbert/Nicolas Mahut den Titel erfolgreich zu verteidigen. Es wäre der insgesamt elfte, der auch bedeuten würde, dass man Großbritannien überholen und alleiniger Dritter hinter den USA (32) und Australien (28) wäre. Als Jolly Joker mit im Team ist der von einer Verletzung zurückgekehrte Jo-Wilfried Tsonga.

Kroatien als Favorit

Aber Kroatien scheint für den zweiten Titel nach 2005 besser gerüstet: Der Weltranglisten-Siebente Marin Cilic und Borna Coric (ATP-12.) kommen ebenso aus London (Coric war als Ersatzmann dort) wie Oliver Marachs Doppelpartner Mate Pavic, der wohl wie beim 3:2-Halbfinalsieg in Zadar über die USA wieder mit Ivan Dodig zusammenspielen wird. Die Umstellung von zuletzt Hartplatz auf Indoor-Sand wird den Spielern dabei keine größeren Probleme bereiten. Im Head-to-Head der beiden Teams steht es 1:1, zuletzt hatte Cilic 2016 drei Punkte zum 3:2-Heim-Sieg im Halbfinale beigesteuert.

Doch ebendieser Cilic weist die Favoritenrolle zurück: "Es ist schwierig, ein Team zum Favoriten zu erklären. Beide Teams haben ihre Vorteile." Für den kroatischen Kapitän, Zeljko Krajan, ist es auch eine Chance, den 2016 im Finale vor eigenem Publikum versäumten Titel nachzuholen. Fast noch wichtiger scheint ihm die mögliche "Revanche", nach dem verlorenen Fußball-WM-Finale Mitte Juli. Zwar hat er keine Nachrichten der Fußballer erhalten, aber: "Ich weiß, dass sie glücklich wären, wenn uns die Revanche für das WM-Finale gelingt."

Den vierten Titel in seiner dritten Amtszeit will Frankreichs Tennis-Legende Noah zum Abschied holen. Damit wäre er gemeinsam mit Neale Fraser (AUS) und Niki Pilic (dreimal mit Deutschland, einmal mit Kroatien) seit einer Regeländerung 1972 erst der dritte Kapitän mit vier Triumphen. "Es ist schön, noch einmal die Möglichkeit auf noch einen großen Moment, noch eine große Erinnerung zu haben", meinte Noah, der sich nach dem Finale wieder vermehrt um seine in Frankreich sehr erfolgreiche Musik-Karriere kümmern will.

Familienangelegenheit

Das Multitalent Noah ist in Frankreich so beliebt, dass er schon zehnmal zum populärsten Franzosen überhaupt gewählt wurde. Er ist auch immer noch der bisher letzte Einzel-Spieler der Grande Nation, der in Roland Garros (1983) triumphiert hat. Seit 35 Jahren versuchen seine Nachfolger vergeblich, es ihm gleichzutun.

Für Noah ist der Daviscup und auch der Fed Cup, für den er zuletzt ebenfalls als Kapitän zur Verfügung stand, eine Familienangelegenheit. "Ich bin jetzt 58, und jetzt möchte ich meine Ideen an meine 'Kinder' weitergeben. Und das passiert jetzt: Amelie ist meine Freundin und sie wird unseren Erfolg fortsetzen und Julien wird ein großartiger Fed-Cup-Kapitän." 2019 übernehmen Amelie Mauresmo bzw. Julien Benneteau die Kapitäns-Ehren.

Für Mauresmo und ihre Männer wird es dann erst in einem Jahr im neuen Daviscup-Finalturnier mit 18 Nationen (6 Dreier-Gruppen, nur noch zwei Einzel, ein Doppel, "best of three"-Modus) ernst. Es geht vom 18. bis 24. November 2019 in Madrid in Szene.