Bruyneel droht im Armstrong-Sog TdF-Aus
Nach den schweren Doping-Anschuldigungen gegen Lance Armstrong steht sein früherer Mentor, der jetzige RadioShack-Nissan-Teamchef Johan Bruyneel im Bannstrahl der Vorwürfe von jahrelang organisiertem Doping. Sein Auftritt bei der am 30. Juni startenden Tour de France ist ungewiss.
"Ich hoffe, die Fahrer, die damit nichts zu tun haben, müssen das jetzt nicht ausbaden", sagte RadioShack-Routinier Jens Voigt der deutschen Nachrichtenagentur dpa. In Frankreich wird ein Tour-Ausschluss des gesamten Teams diskutiert. Bei RadioShack ist auch der Tiroler Thomas Rohregger unter Vertrag, er steht aber nicht im erweiterten Tour-Kader. Der Däne Bjarne Riis war nach seinem Doping-Geständnis 2007 bei der Tour unerwünscht, im Jahr darauf war er allerdings schon wieder dabei.
Der belgische Ex-Profi Bruyneel, der Armstrong und den noch bis August Doping-gesperrten Alberto Contador zu insgesamt neun Toursiegen führte, ist seit Jahren umstritten. Bei Zeugenaussagen im Fall Armstrong, der laut der US-Anti-Doping-Behörde (USADA) auch den Verlust seiner sieben Toursiege zwischen 1999 und 2005 riskiert, tauchte sein Name immer wieder auf. Die USADA droht Bruyneel nun mit lebenslanger Sperre, der Weltverband UCI forderte ihn zu einer Stellungnahme auf.
Noch am Freitag wies Bruyneel die Doping-Vorwürfe zurück. In einer auf seiner Homepage veröffentlichten Stellungnahme betonte der Belgier: "Ich bin unschuldig in allen Anklagepunkten." Er habe nie etwas mit Doping zu tun gehabt.
Auch Armstrong ging zum Gegenangriff auf die USADA über. Der Anwalt des unter Dopingverdacht stehenden 40-Jährigen fordert in einem Schreiben an USADA die klare Benennung der Zeugen, die den früheren Rad-Profi mit ihren Aussagen belastet haben. "Wir können die Rechte von Herrn Armstrong nicht schützen, wenn wir nicht wissen, wer was gesagt hat. Es ist unverschämt, sich bei solch vagen Anschuldigungen auf geheime Zeugen zu stützen", so Armstrongs Rechtsbeistand. Die USADA verweigert die Veröffentlichung der Zeugen, um diese vor dem Versuch der Einflussnahme zu schützen.
Die USADA hat Armstrong formal des Blutdopings angeklagt, ihm Handel und die Anweisung zum Dopinggebrauch vorgeworfen und ihn am Donnerstag vorläufig gesperrt. In einem 15-seitigen Schreiben an Armstrong und fünf weitere Personen - darunter Johan Bruyneel - machten mehr als zehn nicht genannte Fahrer und Teamangestellte der früheren Armstrong-Teams zu diesem Thema eine Aussage.
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