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Sport
08/05/2012

Briten holten 6 Goldene in 24 Stunden

Historischer Tag für Großbritannien: Das vereinigte Königreich im Goldrausch.

Bei der Heimfahrt mit dem Zug vom Olympia-Park gratuliert sogar der Zugbegleiter via Lautsprecher: "Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Abend. An dem Tag, an dem Großbritannien olympische Geschichte geschrieben hat." Tatsächlich war der 4. August 2012 der erfolgreichste Tag für das Königreich seit 104 Jahren: sechs Mal Gold. Im Jahr 1908 hatte es acht Siege an einem Tag gegeben, unter anderem bei Bewerben, an denen ausschließlich Briten beteiligt waren.

Jubeltag

Gold durch die Ruder-Damen im Doppelzweier; Gold durch die Ruderer im Vierer ohne; Gold durch die Bahnradlerinnen in der Teamverfolgung; und natürlich drei Mal Gold in der Leichtathletik innerhalb von nur 47 Minuten im Olympiastadion vor 80.000 entfesselten Zuschauern.

"Hep, hep, Hooray“, titelte The Sun in Anspielung auf den Siebenkampf (Heptathlon). Die Sunday Times schrieb: "Die Athleten drückten einem der größten Tagen in der britischen Sportgeschichte ihr Siegel auf." Und weiter: "Die Fans haben einen exzentrischen neuen Patriotismus entdeckt und feuern jeden an – sogar Deutschland."

Glanzleistung

Für Euphorie und Staunen sorgte 10.000-Meter-Läufer Mo Farah. Mit einer unfassbaren letzten Runde holte der 29-Jährige das erste Langstrecken-Gold für Großbritannien seit 100 Jahren und ließ dabei den Stars aus Äthiopien und Kenia keine Chance. Im Ziel feierte er mit seiner siebenjährigen Stieftochter Rihanna und mit seiner Ehefrau, die im kommenden Monat Zwillinge erwartet. "Meine Beine waren schon so müde, aber das Publikum hat mich ins Ziel gebrüllt", sagte Farah. "Das ist bestimmt der beste Tag in meinem Leben."

Besonders in seiner Kindheit hatte Mo Farah wenige schöne Tage. Als er acht Jahre alt war, floh die Familie aus Mogadischu vor dem Bürgerkrieg in Somalia. Sein Vater baute mit Mo und dessen zwei jüngeren Brüdern in London ein neues Leben auf. Nun ist Mo Olympiasieger.

So wie Weitspringer Greg Rutherford. Der 25-Jährige bestätigte, dass er zu Recht als Favorit gehandelt worden war und gewann mit 8,31 Metern. "Ich dachte, ich kann noch weiter hüpfen. Aber ich bin Olympiasieger, also was soll’s", sagte der Mann aus Milton Keynes. Vielleicht macht er ja bei den Gugl Games am 20. August in Linz größere Sprünge, wo er für olympischen Glanz sorgen soll.

Liebling

Einer ehemaligen Pizzeria- Kellnerin flogen 80.000 Herzen zu, als Jessica Ennis im abschließenden 800-Meter-Rennen zur Goldmedaille im Siebenkampf lief. Der Lärmpegel stieg auf 110 Dezibel – wie bei einem startenden Hubschrauber. Der Ausnahmeathletin fiel alle Last von den Schultern, die ihr von Millionen Briten mit ihren Gold-Erwartungen aufgebürdet worden war.

"Es ist eine massive Erleichterung. Ich habe es geschafft", freute sich die 26-Jährige aus Sheffield, die auch den britischen Premierminister David Cameron vor dem Fernseher vom Sessel riss. "Das ist ein Ehrfurcht gebietender Sieg. Ich bin froh, mit ihr jubeln zu dürfen", twitterte er.

Nach dem Zieleinlauf wurde Ennis von sämtlichen Siebenkämpferinnen auf die Ehrenrunde begleitet. Eingehüllt in den Union Jack führte die Britin das Feld an. Als sie bei der Siegerehrung ganz oben auf dem Podest stand und die Zuschauer für sie "God save the Queen" sangen, liefen ihr die Tränen herunter. Vor vier Jahren hatte sie in Peking wegen einer Verletzung gefehlt.

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