Sport
23.05.2018

Boxer-Serie, Teil 4: "Mr. Comeback" Howig Grigorian

Eine schwere Verletzung bremste den talentierten Amateurboxer - als Profi will er nun durchstarten.

Es waren einige harte Schläge, die Howig Grigorian einstecken musste. Nicht im Ring. Nicht durch eine knallharte Faust. Der gebürtige Armenier, der seit seinem vierten Lebensjahr in Österreich lebt, musste seinen größten Tiefschlag durch eine Verletzung hinnehmen. Ein Tiefschlag, der ihn mittlerweile das Boxerfach wechseln ließ.

„Ich wollte unbedingt als Amateur zu dem Olympischen Spielen in Rio“, erinnert sich der 25-Jährige an die verpasste Chance 2016. „Aber aufgrund einer Schulterverletzung konnte ich nicht an der Qualifikation teilnehmen.“ Auch an Teilnahmen bei der EM und am prestigeträchtigen Chemiepokal-Turnier war nicht zu denken. Dort, wo sich die besten Olympia-Boxer weltweit treffen, hatte er sich 2015 die Schulter verletzt – und war dennoch Dritter geworden.

 

Langer Weg zurück

So war er fast zwei Jahre weg. Weg von seinem Traum, weg von seiner Leidenschaft, dem Boxsport, in der er zuvor so erfolgreich war (70 Siege im 85 Kämpfen im olympischen Boxen). Mit der alten Boxerweisheit "They'll never come back“ konnte der Mittelgewichtsboxer nichts anfangen. „Seit dem vergangenen Jahr ist meine Schulter wieder in Ordnung“, verkündet er mit frischen Kräften, die er als Profi einsetzen will. Sein erster Profi-Kampf Ende des Vorjahres fiel ins Wasser, „weil mein Gegner aufgrund einer Verletzung nicht angetreten ist.“

Kein Grund die Handschuhe ins Korn zu werfen. Der Tag X, „für den ich trainiere“, der kommt. Am 13. Oktober wird er im Rahmen der „3. Bounce Fight Night“, bei der auch Marcos Nader wieder seine Fäuste sprechen lässt, sein Profi-Debüt geben. Er steht nicht alleine da bei seiner Premiere, die zur Feier werden soll. „Ich werde einerseits von meinem Boxteam Bounce und zugleich auch von meinem Arbeitgeber Joseph Brot in meinem Bestreben unterstützt.“

Die Zusammenarbeit mit dem Bounce hält seit 2009, auch nach seinem Umstieg zum Profi. „Daniel Nader hat in der Zeit unserer Zusammenarbeit vielleicht schon das eine oder andere graue Haar bekommen, aber er kennt ganz genau, in welchen Bereichen ich trainieren muss, damit ich im Oktober topfit und bereit bin.“ Daniel Nader, Capo des Bounce und als Bundestrainer für die olympischen Boxer zuständig, kennt Grigorian wie seine Boxhandschuhe. „Er ist einer der talentiertesten Boxer, die wir in Österreich haben. Und verfügt über eine enorme Explosivität und Schlagkraft. Er macht seinen Weg.“

Vielleicht träumt auch Grigorian, der seit 2014 Österreicher ist und jüngst auch Vater wurde, den großen Traum, einmal Weltmeister zu werden. „Aber das steht noch in ferner Zukunft. Zunächst möchte ich meinen Kampf im Oktober vor eigenem Publikum gewinnen“, sagt Grigorian, der Gennadi Golowkin oder Vasil Lomachenko als Vorbilder nennt. Und vor allem eines wünscht er sich: „Verletzungsfrei und gesund bleiben.“