Sport
24.04.2018

Boxer-Serie, Teil 1: "Dr. Faust" Stefan Nikolic

Der 23-jährige Student kam dank einer Begegnung mit Halbstarken zum Kampfsport.

„Einen Kampfnamen habe ich nicht“, sagt Stefan Nikolic. Dabei würde Stefan Nikolic  „Dr. Faust“ sehr gut zu Gesicht stehen. Immerhin studiert der HTL-Absolvent Geschichte, will Lehrer werden. Aber vorher will der Schwergewichtler noch den Gegnern das Fürchten lehren.

Wie viele Boxer hat auch der Wiener Migrationshintergrund. Auch, wenn er von der anderen Seite Europas kommt. 2006 zog der heute 23-Jährige mit seinen aus Serbien stammenden Eltern von Schweden nach  Wien. "Ich war zwölf als ich Schweden verlassen habe und habe seitdem kaum Schwedisch gesprochen. Hier in Österreich habe ich eine neue Heimat gefunden. Ich fühle mich also als Serbe und als Österreicher."

 

Wie alles begann

Die Geschichte, wie Nikolic zum Boxen kam, klingt irgendwie wie ein Märchen oder eine gut geschriebene Boxer-Story. „Ich bin zum Kampfsport gekommen nach dem ich von drei Halbstarken in der Schule verprügelt worden bin, die hatten auch Schlagringe", erinnert sich Nikolic. „Ich habe mich gewehrt, hatte aber dann keine Chance gegen drei Leute. Zunächst kam ich zum Thaiboxen, wo ich auch 2010 Staatsmeister wurde, 2011 stieg ich dann aufs Boxen um, da es mir mehr gefallen hat und strukturierter war.“

Dann ging es eigentlich Schlag auf Schlag. Nikolic nahm sich Anleitungen an seinen Idolen Evander HolyfieldLennox Lewis und Muhammad Ali und trainierte, trainierte, trainierte. Mittlerweile ist er dreifacher Staatsmeister, feierte internationale Turniersiege (drei Mal Gold beim Nationencup, Gold beim Israel Open Cup, ebenso Gold beim Cottbuser Nationen Turnier, Bronze beim prestigeträchtigen Chemiepokal).  „Mein größter Erfolg ist jedoch der fünfte Platz bei der EU-Meisterschaft in Sofia 2014 und die Teilnahme bei den European Games in Baku“, sagt der Bounce-Boxer.

Wie sich das alles vereinbaren lässt? „Einerseits hat mich die Schule daran gehindert, mehrmals am Tag zu trainieren,  jedoch habe ich gelernt durchzuhalten und zwei Belastungen gleichzeitig aushalten zu können."

Der Traum

Freilich hat er einen großen Traum."Bei den Olympischen Spielen eine Medaille zu holen, das ist der größte Traum eines Boxers. Danach kann man dann zu den Profis wechseln." Er weiß auch, dass es für Schwergewichtler und Superschwergewichtler weniger Quotenplätze gibt. 

Ob er heute für die Schlägertypen gerüstet ist? "Ich  würde nie zuerst auf jemanden los gehen und ihn schlagen, wenn es zu Problemen kommt." Denn er hat ja auch andere Möglichkeiten. "Ich versuche es verbal zu lösen."

KURIER.at bringt in periodischen Abständen Portraits von BoxerInnen.