Sport
11.01.2019

Becker: "Dominic kann auf allen Belägen ein Wörtchen mitreden"

Die deutsche Tennis-Legende analysiert die Chancen des Österreichers in Melbourne und erklärt, was er ihm langfristig zutraut.

Auch im neuen Jahr sind es die Altstars, die bei den am Montag beginnenden Australian Open in Melbourne (live auf ServusTV) die großen Favoriten sind. Novak Djokovic will nach den Triumphen in Wimbledon und bei den US Open ebenso den Major-Hattrick wie Roger Federer, der zuletzt 2017 und 2018 beim ersten Grand Slam des Jahres gewonnen hat. Der Serbe und der Schweizer könnten zudem mit dem siebenten Titel den alleinigen Rekord holen. Und dann gibt es noch den als Nummer zwei gesetzten Rafael Nadal, der auf der Jagd nach seinem bereits 18. Major-Titel ist. 

In einem Interview mit ServusTV sprach der zweifache Australian-Open-Champion Boris Becker über die Chancen von Österreichs Nummer eins Dominic Thiem in Melbourne, darüber was er dem 25-Jährigen langfristig zutraut und seine legendären Hitzeschlachten in Down Under.

Dominic Thiem stand bei den Australian Open zuletzt zwei Mal in Folge im Achtelfinale. Wie schätzen Sie seine Chancen diesmal ein?

Boris Becker: Ich glaube, dass er Vorteile bei Turnieren hat, die über Best-of-5 gehen, weil er physisch sehr stark ist. Wenn der Belag nicht allzu schnell ist, mag er das auch. Was ich so verfolgt habe, lief die Vorbereitung auf Teneriffa gut, ich glaube also, Dominic ist wieder in guter Verfassung. Er hat mehr Erfahrung als vergangenes Jahr, mehr Selbstvertrauen, weiß wo er auf dem Platz zu stehen hat. Das alles kommt ihm natürlich bei den Australian Open zugute.

Ein Kriterium in Melbourne ist stets die große Hitze. Wie kann man sich dagegen schützen, wie haben Sie das früher gemacht?

Früher war’s sogar brutaler, weil es damals keine Hitzeregel gab. Heute wird ja bei 40 Grad unterbrochen. Früher hieß es: "Du Weichling, warum ist dir warm?" Heute kommen die Ärzte und sagen: ,Leute, das ist gefährlich!' Gut für die Spieler, es soll ja nichts passieren auf dem Tennisplatz. Melbourne ist auch die Stadt mit den vier Jahreszeiten. Es kann am Montag 40 Grad haben und am Mittwoch 18 Grad und bewölkt sein. Das macht es so schwierig.

Gibt es spezielle Tricks gegen die Hitze?

Nichts Spezielles, außer immer ausreichend trinken und fit anzureisen. Man muss sich im Vorfeld schon geistig damit auseinandersetzen, dass es hart und heiß werden kann.

 

Der sechsfache Melbourne-Champ Roger Federer hat für die Australian Open den Begriff "Happy Slam" kreiert. Sie haben zwei Mal, 1991 und 1996, gewonnen - was macht das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres so besonders?

Man freut sich einfach darauf, nach einem langen Winter wieder in die Sonne zu kommen und an der frischen Luft Tennis zu spielen. Ja, die Reise nach Downunder ist lang, dazu kommt der Jetlag, es sind ja 10 Stunden Zeitunterschied - das muss man alles erst einmal schaffen. Aber die meisten Spieler kommen schon zwei, drei Wochen vorher, spielen als Vorbereitung in Sydney, Brisbane oder beim Hopman Cup in Perth. Diese Zeit braucht man einfach, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen. Dazu ist die Veranstaltung sehr gut und vor allem spielerfreundlich organisiert. Das Spielerhotel ist nicht weit entfernt von der Anlage, die Wege sind kurz, es gibt gute Trainingsmöglichkeiten in Melbourne. Also ideale Voraussetzungen für die Spieler.

Was trauen Sie Dominic Thiem in dieser Saison generell zu?

Ich glaube, dass er 2018 seine bisher beste Saison gespielt und daraus viel gelernt hat. Die großen Drei, Federer, Nadal, Djokovic, werden nicht jünger. Bitte nicht falsch verstehen, sie sind nach wie vor sehr gut, die musst du erst einmal schlagen. Und hinter Thiem kommt schon der eine oder andere jüngere Konkurrent nach. Ich bin aber überzeugt, dass er 2019 wieder ein tolles Jahr spielen wird. Der Sandplatz ist nach wie vor sein bester Belag, aber auch auf allen anderen Belägen kann er ein Wörtchen mitreden. Vor zwei Jahren hatte er dieses unglaubliche Spiel gegen del Portro, 2018 gegen Nadal – was ich übrigens als bestes Match der US Open empfunden habe. Er hat seine Klasse also auch auf Hartplatz gezeigt. Es gibt keinen Grund, warum Dominic dieses Jahr schlechter sein sollte.

Federer, Nadal, Djokovic sind jenseits der 30 - kann Thiem ähnlich lange erfolgreich sein?

Man sollte nicht den Fehler machen, sich mit Nadal oder Federer zu vergleichen. Das sind die vielleicht besten Spieler aller Zeiten. Es ist einmalig, was die geleistet haben. Dominic Thiem ist Dominic Thiem! Ich glaube aber schon, dass er mit einem guten Plan lange erfolgreich spielen kann. Günter Bresnik ist heute weiser als zu der Zeit, als er mein Trainer war. Er lässt seinen Schützling nicht jede Woche spielen, sondern gönnt ihm seine Regenerationspausen. Das ist wichtig, um eine lange Karriere zu haben und ein konstant gutes Jahr zu spielen.