Sport
09/11/2012

Blinder Bergsteiger Holzer feiert bei WM Premiere

Mit einer Premiere wartet das rot-weiß-rote Aufgebot für die am Mittwoch in Paris beginnende Kletter-Weltmeisterschaft auf.

Mit Andreas Holzer stellt Österreich erstmals einen Starter im Paraclimbing. Im Gegensatz zu den Titelverteidigern Angela Eiter und Anna Stöhr sowie den Favoriten Kilian Fischhuber und Jakob Schubert geht es für Holzer eher darum, die Atmosphäre erleben und genießen.

Paraclimbing ist seit der WM im Vorjahr in Arco (ITA) eine eigene Disziplin der Sportkletterer. "Wir sind froh, dass wir jetzt heuer auch einen eigenen Starter haben. Und noch dazu eine echte Stimmungskanone", betonte ÖWK-Generalsekretär Michael Schöpf. Der 46-jährige Osttiroler Holzer, der seit seiner Geburt komplett blind ist, lebt seit drei Jahren vom Bergsteigen. Der verheiratete Lienzer ist durch Vorträge und sein Buch "Balanceakt - Blind auf die Gipfel der Welt" bekannt geworden.

"Irgendwie bin ich da rein gekugelt, als wäre ich nicht gesichert gewesen", schilderte Holzer seine erste Berührung mit dem Sportklettern. Auf der Durchreise zu einer Vortragsreihe in der Schweiz machte er im Sommer Halt in Imst und vertrieb sich die Zeit im dortigen Kletterzentrum. Holzer wurde sofort überredet für den ÖWK zu starten.

"In Paris will ich schauen, was los ist und die Atmosphäre in mich aufnehmen", hat sich Holzer zum Ziel gesetzt. Als behinderter Mensch sieht er sich nicht. "In meinem Sport sind ja alles Versehrte. Normale Menschen machen ja so was nicht und klettern auf die steilsten Berge", sagte er. Er habe am meisten Angst vor dem Gang zur Kletterwand: "Das ist Neuland für mich. Wenn ich dann die Wand mit den Händen berühre, habe ich wieder Boden unter den Füßen."

Das Sportklettern sei für ihn schwieriger, als das Klettern in der freien Natur. "Weil die Tritte und Griffe von Menschen gesetzt sind, das ist willkürlich. Wenn ich aber zum Beispiel die 800 Meter hohe Südwand der Marmolata in den Dolomiten besteige, dann weiß ich jeden Griff. In der Natur ist alles logisch und wiederholt sich. Das können sehende Menschen nur nicht erkennen", erläutert Holzer den Unterschied.

Auch ärgert sich der Neo-Sportkletterer, dass bei der WM nicht Vorstieg, sondern im gesicherten "Nachstieg" geklettert werden muss. "Da muss ich nicht so viel Verantwortung übernehmen, da kann ich mich aber auch nicht so konzentrieren", sagte Holzer. "Normale Menschen und besonders die Behörden haben Angst, dass uns etwas passieren könnte."

Da kommt wieder durch, dass sich Holzer trotz seiner Blindheit nicht als behinderter Mensch sieht. Immerhin ist er schon zweimal nur knapp unter den Gipfeln an 8.000ern im Himalaya gescheitert. Er bestieg 7.000er mit seinem versehrten Bergkumpel Peter Mair in Südamerika oder bezwang den höchsten Berg der Antarktis und sechs der "Seven Summits" schon auf Anhieb. "Die Kälte und die Stürme dort waren wirklich hart", erinnerte sich Holzer und freut sich auf sein nächstes Abenteuer: Die Sportkletter-WM in Paris.

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