© Stefan Sigwarth

Sport
05/01/2012

Beate Schrott, die Schnellste im Lande

Am 6. August vertritt die Hürdensprinterin Österreich bei den Olympischen Spielen. KURIER schaute ihr beim Training zu.

Düster ist das Licht, stickig die Luft. Ein wenig trostlos wirkt die Indoor-Laufbahn in der Südstadt. Mit anderen Leichtathleten und verletzten Handballerinnen muss sich Beate Schrott die zwei Bahnen teilen. Immer wieder sprintet sie los, 30 Meter bis auf Höchsttempo, dann läuft sie locker aus. Anschließend wechselt sie in die Kraftkammer. Neben ihr spulen die Fußballer der Admira ihr Trainingsprogramm herunter. Der Schmäh rennt.

Tief geht die 24-Jährige in die Knie, dann schnellt sie in die Höhe – bis auf die Zehenspitzen. 150 kg hat sie dabei auf den Schultern – und ein Ziel vor Augen: den Hürdensprint in London am 6. August. "Wenn ich meine Bestleistung abrufe, dann kann ich bei Olympia ins Semifinale kommen", sagt sie während einer Verschnaufpause. "Aber es ist schwer, bei so einem Ereignis die Bestleistung abzurufen. Ich werde sicher nervös sein."

Beate Schrott ist die beste Sprinterin Österreichs. Doch richtig schnell wird sie erst, wenn sich auf der 100-Meter-Strecke noch zehn Hürden von je 84 Zentimeter Höhe aufbauen. Über diese Distanz hat sie sich für Olympia qualifiziert.

Den Sport hat sie im Blut. Die Mutter war Fünfkämpferin, bis zum Alter von 15 Jahren war Beate Schrott Kunstturnerin, dann wechselte sie – so wie der ältere Bruder – zur Leichtathletik. "Ich habe mit dem Siebenkampf begonnen und daneben noch weitere Disziplinen versucht", sagt sie. "Aber relativ schnell hat sich gezeigt, dass der Weitsprung und vor allem der Hürdenlauf meine stärksten Disziplinen sind."

Es ist die technische Komponente im Hürdensprint, die ihr entgegenkommt. "Da hilft mir sicher meine Vergangenheit als Turnerin. Ich tue mich leicht, neue Bewegungsmuster zu erlernen." Im Flachsprint sind vor allem die körperlichen Anlagen entscheidend, an den farbigen Athleten führe da kaum ein Weg vorbei, sagt sie. "Beim Hürdensprint aber kannst du mit der Technik sehr viel bewirken. Wenn ich bei jeder Hürde auch nur eine Hundertstel finde, habe ich mich über 100 Meter um eine Zehntel verbessert."

Gewissenhaft

Mit Akribie bereitet sie sich auf Olympia vor. Immer wieder wirft sie einen Blick in ihren Trainingsplan, den sie exakt einhält. Die Admira-Kicker haben ihr Training beendet, verabschieden sich. Schrott quält sich weiter, noch immer mit 150 kg auf den Schultern. Doch Neid kennt sie nicht. "Ich mache das, was ich tue, sehr gerne." Trotzdem: "Wenn man die internationalen Erfolge der Fußballer anschaut, verdienen sie schon zu viel."

Sie selbst studiert nebenbei Medizin – für die Karriere nach der Karriere. Als Orthopädin oder Sportmedizinerin möchte sie einmal arbeiten. Doch noch steht einzig und allein der Sport im Mittelpunkt. Neun Mal pro Woche trainiert sie. "Natürlich denke ich mir manchmal: Jetzt reicht’s. Aber ich stelle mir nie die Sinnfrage."

Kritisch

So richtig gut läuft’s im Hürdensprint seit dem vergangenen Jahr. Doch verbessert habe sie ihre Zeiten nicht wegen der Strukturen im Leichtathletik-Verband, eher trotz dieser Strukturen. "Ich habe viel kämpfen müssen", sagt sie. "Um richtig schnell zu werden, brauchst du internationale Kontakte. Erst von denen kannst du wirklich viel lernen, da bekommst du die technischen Inputs." Im amerikanischen System etwa sei die Leichtathletik im College fix verankert, in Österreich hingegen in der Schule praktisch nicht vorhanden. "Bei uns wird deshalb keine Breite geschaffen." Trotzdem sieht sie die österreichische Leichtathletik im Aufstieg: "Wir sind auf dem besten Weg, dass die Durststrecke beendet wird."

Der 6. August in London ist vorläufiger Höhepunkt in der Karriere von Beate Schrott, aber nicht das größte Ziel: "Ich erhoffe mir einmal eine Medaille bei einer EM. Und dann gibt es ja noch die Spiele 2016 in Rio. Dort will ich ins Finale."

Zur Person: Platz 7 bei der WM 2012

Beate Schrott (1,77 m/66 kg) wurde am 15. April 1988 in St. Pölten geboren. Sie wohnt in St. Pölten und Wien und trainiert auf der Schmelz, im Dusika-Stadion, in der Südstadt und in St. Pölten. Die Medizin-Studentin ist österreichische Meisterin über 100 Meter und über 100 Meter Hürden (12,95 Sekunden). Vom 24 Jahre alten Weltrekord (Jordanka Donkowa/Bul, 12,21 Sek) trennen sie 74 Hundertstel. Ihr international größter Erfolg war Platz 7 bei der Hallen-WM im März in Istanbul. Seit neun Jahren ist Philipp Unfried ihr Trainer.

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