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Sport
08/01/2012

Badminton: 8 Spielerinnen disqualifiziert

Vier asiatische Teams werden wegen Matchabsprachen von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

Wir wollten Kraft für die K.-o.-Runden sparen", lautete die lapidare Begründung der chinesischen Badminton-Spielerin Yu Yang nach dem skandalösen "Auftritt" mit ihrer Partnerin Wang Xiaoli im abschließenden Vorrundenspiel gegen Jung und Kim aus Südkorea. 14:21, 11:21 ging die Partie aus Sicht der Chinesinnen letztlich verloren. Zuvor hatten sich beide Doppel in einem unfassbaren "Nichtangriffspakt" geübt, bei dem beide Teams fast ausschließlich ins Netz servierten. So erhofften sich alle Beteiligten leichtere Gegner in der K.O-Runde.

Zwischenzeitlich waren bereits alle erdenklichen Schiedsrichterinstanzen auf den Platz berufen worden, um die Teams dazu zu bringen, sich doch ihrer eigentlichen Aufgabe - einem Badmintonspiel - zu widmen. Bereits auf dem Platz war den Beteiligten mit einem Ausschluss gedroht worden.

Wenngleich ein offizielles IOC-Urteil noch aussteht, wurden die beiden Doppelteams - wie auch ein weiteres südkoreanisches und ein indonesisches Duo, die später am Dienstag-Abend ein ähnliches Schauspiel abgeliefert hatten - von ihren nationalen Verbänden mit sofortiger Wirkung von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Ihnen wird bewusste Spielmanipulation zur Last gelegt.

Die Partien waren vom Publikum in der Wembley Arena mit Pfiffen und „Betrug“-Rufen verfolgt worden, nachdem die Spielerinnen ihre Aufschläge minutenlang ins Netz schlugen. Erst als der dänische Oberschiedsrichter eingriff und mit einer Disqualifikation drohte, brachten die Spielerinnen zumindest den Aufschlag ins Feld, agierten aber sonst lustlos.

IOC-Unterstützung

"Wir unterstützen und begrüßen die Entscheidung des internationalen Verbandes. Für solch ein Verhalten ist bei Olympischen Spielen kein Platz", wird ein IOC-Funktionär zitiert, eine entsprechende Pressekonferenz des Internationalen Olympischen Komitees ist für den Nachmittag geplant.

Kritik kam aber selbst aus dem chinesischen Team und zwar vom in seiner Heimat als Superstar gefeierten Weltranglisten-Ersten Lin Dan. Der Olympiasieger von 2008 meinte, taktische Niederlagen, um bestimmten Gegnern auszuweichen, widersprächen dem Olympischen Geist. Gleichzeitig kritisierte er den Weltverband, da er mit dem Modus von Vorrunden-Gruppen den Raum für Manipulationen schaffe.

Auch der Chef der stärksten europäischen Equipe, jener der Dänen, sprach sich für Direktausscheidungen aus. "Wir wissen, dass die Chinesen alles tun, um das bestmögliche Resultat für ihr Land zu ermöglichen. Sie denken nicht als individuelle Spieler. So ist das Geschehene keine Überraschung."

Eine Reaktion der acht betroffenen Spielerinnen steht noch aus. Ebenfalls noch ungeklärt ist die Frage, inwieweit die Entscheidung sportrechtlich Bestand haben wird.

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