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Sport
08/03/2012

Aufregung in USA um verspätete Olympia-TV-Bilder

Eine Medaille nach der anderen haben die Sportler der USA bei den Olympischen Spielen in London bisher geholt - aber die US-Fans bekommen viele davon erst Stunden später zu sehen.

Der Fernsehsender NBC, der für mehr als eine Milliarde Dollar die US-Exklusivrechte an den Spielen gekauft hat, überträgt die meisten Top-Events zeitversetzt zur Primetime am Abend.

"An diesem Wochenende wird die Nasa einen Rover auf den Mars schicken und das wird mit weniger Verspätung übertragen als Olympia", kommentierte ein Fan beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich würde dem Schwimm-Helden Michael Phelps ja gerne zu seinen Medaillen gratulieren, aber ich habe leider noch nicht gesehen, dass er sie gewonnen hat", schrieb ein anderer. Rasch etablierte sich das Twitter-Stichwort #nbcfail (Versagen von NBC), unter dem tausende Zuschauer ihrem Ärger über den Fernsehsender Luft machten.

An die Spitze der Bewegung setzte sich der Journalismus-Dozent Jeff Jarvis. "Wir in den USA werden wie niemals zuvor der Möglichkeit beraubt, ein Ereignis mit dem Rest der Welt zu teilen", schrieb er in seinem Blog "BuzzMachine".

NBC verteidigte sich. Fünf Stunden beträgt die Zeitverschiebung zwischen London und der Ostküste der USA, an der Westküste sind es sogar acht. Steht also jemand in San Francisco gerade auf, sind die meisten Medaillen des Tages in London womöglich schon vergeben. Vieles müsse also zeitversetzt gesendet werden. Insgesamt seien aber rund zwei Drittel der Übertragungen live, sagte NBC-Sportchef Mark Lazarus am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Außerdem zeige NBC mehr als 5.500 Stunden Olympia live im Internet - soviel wie nie zuvor.

Kritiker monierten allerdings, dass im Internet ständig Werbung das Olympia-Schauen störe. Außerdem forderten sie, dass Top-Events zumindest tagsüber live gesendet und dann zur Primetime wiederholt werden sollten. Dann blieben NBC auch peinliche Fehler erspart, wie der, als ein Interview mit der Schwimm-Olympiasiegerin Missy Franklin angekündigt wurde, noch bevor ihr Triumph zu sehen gewesen war. NBC entschuldigte sich später dafür. "Wir werden unsere Übertragung immer weiter verbessern", sagte Sportchef Lazarus. "Seien Sie sich sicher, dass wir alles analysieren."

Und die Analyse bringt trotz - oder gerade wegen - all der Aufregung in erster Linie gute Nachrichten für den Fernsehsender: Im Vergleich zu Peking 2008 sind die Einschaltquoten um zehn Prozent gestiegen. Bis Anfang der Woche hatte die NBC Werbezeiten für mehr als eine Milliarde Dollar verkauft und zeigt sich optimistisch, dass die Olympia-Übertragung sich am Ende finanziell rechnen wird. "Wir könnten mit den Ergebnissen auf all unseren Plattformen nicht zufriedener sein", sagte Lazarus. Die Twitter-Kritiker seien wohl eine "laute Minderheit".

Umfragen von NBC hätten zudem ergeben, dass mehr als zwei Drittel der Zuschauer die Ergebnisse bereits kannten - und trotzdem die zeitversetzte Übertragung verfolgten. Auch der Wirbel im Internet könnte NBC letztlich nicht geschadet, sondern genutzt haben, sagte der Sportübertragungsexperte der Universität in Alabama, Andrew Billings, der "Los Angeles Times". "Wenn die Menschen die Olympia-Übertragung wirklich hassen, haben sie eine merkwürdige Art, das zu zeigen, denn die Quoten sind nach allen objektiven Maßstäben fantastisch."

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