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Sport
01/29/2021

Angezählt: Schatten über Österreichs Boxsport

Ring frei: Drei Athleten wurden gesperrt und wollen Nationaltrainer Nader klagen – der weist die Vorwürfe zurück.

von Harald Ottawa

Österreichs Boxsport ist schwer angezählt, hängt in den Seilen. Droht das k. o.?

Zahlreiche Boxer traten medial gegen Nationaltrainer Daniel Nader auf – und müssen nun den Ring verlassen. Die Boxerin Deshire Kurtaj sowie die Tokio-Hoffnungen Umar Dzambekov und Marcel Rumpler wurden bei einer Vorstandssitzung am Dienstag vom Österreichischen Boxverband (OBV) lebenslang gesperrt.

Die Vorgeschichte

Vier Boxer waren bereits im Oktober nach interner Kritik suspendiert worden. „Sie sind nicht wie wir gesperrt, stehen aber dennoch hinter uns“, sagt Dzambekow. Mitte Jänner gingen die Boxer gemeinsam mit einer sechsseitigen Auflistung von Kritikpunkten und Vorwürfen unter dem Titel „Die Zerstörung junger Sportler und des gesamten olympischen Boxsports durch Daniel Nader“ an die Öffentlichkeit. Von Drohungen, Mobbing, Manipulation, oder Diskriminierung ist die Rede. Sechs Seiten umfasst das Konvolut. „Da hat sich viel gesammelt“, sagt Dzambekov. „In der Hölle ist der Teufel ein Held“, legt Rumpler nach.

 

 

Der Ausschluss

„Praktisch ist der gesamte A-Kader gegangen“ sagt Dzambekov. „Wie wenn bei einem Fußballteam die Spieler gehen und der Trainer bleibt“, vergleicht Rumpler. Nader sieht’s anders. „Ein paar Spieler sind weg. Der ÖBV-Kader umfasst nach wie vor 26 Sportler.“

Die Gründe für die Offensive

„Wir sind vergeblich ständig die Hierarchien beim Verband rauf- und runtergegangen, um auf die massiven Probleme rund um Nader aufmerksam zu machen. Jetzt reicht’s“, sagt Rumpler. ÖBV-Präsident Daniel Fleissner sieht dies nicht so. „Wir haben sie im Oktober in einer Vorstandssitzung aufgefordert, Beweise zu bringen, was bis heute nicht geschah.“ Danach hätten die Boxer „unerfüllbare Forderungen gestellt.“

Die Reaktion

„Das ist eine gezielte Schmutzkübelkampagne beruhend auf persönlichen Befindlichkeiten. Ich verstehe, dass die Frustration groß ist, wenn man jahrelang hart trainiert und auf viele Vergnügungen verzichtet, um festzustellen, dass es doch für den großen Erfolg vermutlich nicht reicht, das muss ich offen kommunizieren“, sagt Daniel Nader. Zur Kritik, dass viele nichts verdienten? „Unser Sport bekommt von der Bundes-Sport GmbH nur eine Projekt-und Maßnahmenförderung. Es gibt keine Einzelförderung.“ Kritik kam auch, weil Nader neben seiner Tätigkeit als Nationaltrainer auch

Die Zukunft der Boxer

Dzambekov und Rumpler sind noch im Rennen um Olympia-Tickets. „Wir haben durch die Streiterein viel verloren, an Kraft und Substanz. Aber die Hoffnung lebt, Olympia ist mein Traum“, sagt Rumpler, der hofft, über den ÖOC nach Tokio zu kommen. Fleissner trübt die Hoffnung. „Der Verband muss auch für die Olympia-Qualifikationen die Kampf-Pässe ausstellen, trägt das Risiko.“

Die Anzeige

Die Boxer wollen gegen Daniel Nader Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft einreichen. Heute folgt eine anwaltliche Besprechung mit den Boxern. „Danach werden wir an die Öffentlichkeit gehen“, sagt Dzambekov ohne Details nennen zu wollen. „Bis jetzt wurden mir noch keine Vorwürfe, die auch rechtlich relevant wären vorgelegt, ich stehe dem gelassen gegenüber“, sagt Nader.

Ring frei für die nächste Runde.

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