Vordenker: Parick Riml

© KURIER/Stefan Sigwarth

Nachgefragt
02/03/2015

"Wir wollen die ,First Nation‘ bei der WM sein"

Der Tiroler Patrick Riml, Alpinchef des US-Teams, spricht über WM-Ziele und Herausforderungen.

Patrick Riml nimmt Platz am runden Tisch, auf dem sein Namensschild steht. Ein kritischer Blick über die Schulter, auf den Werbeaufsteller des US-Skiteams hinter ihm. Darauf ist Ted Ligety abgebildet, jener Technik-Spezialist, der den WM-Gastgebern in den vergangen fünf Jahren zwei Olympiasiege und vier Weltmeistertitel beschert hat. "Man kann aber nicht automatisch erwarten, dass jemand über so viele Jahre immer Topleistungen bringt. So ein Niveau ist schwer zu halten", sagt der Tiroler, der seit 2011 Alpinchef der US-Mannschaft ist, über seinen Schützling, der nach Jahren der Dominanz in der laufenden Saison noch seine Höchstform sucht. "Ted hat in den vergangenen Wochen hart am Material und an sich gearbeitet", sagt der 44-jährige Tiroler und wirkt dabei nachdenklich.

Für die Heim-WM des US-Teams in Vail und Beaver Creek hat sich der Söldener Riml große Ziele gesteckt. "Wir wollen die ,First Nation‘ sein, die stärkste Nation, das ist ganz klar. Da brauchen wir nicht lange herumreden." Fünf bis sieben Medaillen werde man für diese Vorgabe schon brauchen. Vor dem ersten Bewerb am Dienstag spricht der Chef von Lindsey Vonn, Mikaela Shiffrin, Bode Miller und Co. über ...

... das US-Team

"Das ist wahrscheinlich das bislang stärkste US-Team bei einem Großereignis. Bei den Damen ist mit Lindsey die Teamleaderin zurück, Mikaela fährt in beeindruckender Form und Julia (Anm.: Mancuso) ist bei einem Großereignis sowieso immer alles zuzutrauen. Jeder muss sein Bestes geben, das erwarte ich, dann kommt auch etwas heraus."

... den Druck bei einer Heim-WM

"Unsere Athleten sehen die Heim-WM nicht als Druck, sondern als Chance, ihren Sport zu pushen."

... den Stellenwert des Skisports in den USA

"Du kannst zehn Mal den Gesamtweltcup gewinnen, das interessiert die Leute nicht. Was zählt, sind Medaillen, vor allem bei Olympia. So ist das hier."

... Strukturunterschiede

"In Österreich kostet ein Jahr im Skigymnasium 4500 Euro, in den USA sind es 45.000 Euro. Auch die Wege sind weit. In Österreich fährt man einfach schnell zum Training auf einen Gletscher, in den USA muss man dafür fast immer ins Flugzeug steigen."

... seine Rolle als Cheftrainer

"Du musst eine Situation schaffen, in der sich die Athleten entwickeln können. Das ist nicht immer leicht, wenn es um Dinge geht, wie die Familien bei den Reisen zu integrieren, wie zum Beispiel bei Bode, der seinen Sohn dabei hat. Aber ihn macht das halt glücklich, und deshalb ist es wichtig. Sonst kann es passieren, dass er sagt: ,Dann bleibe ich auch daheim.‘"

... einen Wechsel nach Österreich

"Das war damals (Anm.: nach dem Rücktritt von Österreichs Herren-Chef Mathias Berthold im Frühjahr 2014) schon relativ konkret, das Angebot war reizvoll. Das war keine leichte Entscheidung für mich und meine Familie. Aber ich hatte das Gefühl, dass das Kapitel USA für mich noch nicht beendet ist."

... Heimatliebe

"Es taugt mir immer wieder wenn ich durch den Tunnel nach Sölden fahre und danach als Erstes den Nöderkogel sehe. Das Gipfelkreuz hat mein Opa aufgestellt."

Goldschmied aus dem Ötztal

Der Trainer

Patrick Riml (*13. Jänner 1971 ) musste seine Karriere als Rennläufer wegen einer Verletzung vorzeitig beenden und schlug deshalb früh die Trainerlaufbahn ein. Erstmals Aufsehen erregte der Ötztaler als Betreuer von Claudia Riegler, die in seiner Ära für Neuseeland vier Weltcupslaloms gewann. Später betreute Riml sieben Jahre lang erfolgreich die US-Ski-Damen. Nach einem dreijährigen Inter- mezzo beim kanadischen Team kehrte Riml 2011 als Alpinchef zum US-Verband zurück.

Der Mensch

Riml ist fast schon ein halber Amerikaner. Mit Frau Jodi und Tochter Reyna lebt er in Park City.

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