Sport
16.08.2018

Alles neu im Daviscup: "Die Seele des Wettbewerbs verkauft"

Der Traditionsbewerb der Nationen wird in Zukunft auf völlig neue Beine gestellt. Das gefällt nicht allen.

„Sorry, Mr. Davis“, sagt der ehemalige französische Weltklassespieler Yannick Noah. „Diese Leute verkaufen die Seele eines historischen Wettbewerbs.“ Der 118-jährige Daviscup wird komplett reformiert, oder wie es Österreichs langjähriger Teamspieler Alexander Antonitsch formuliert: „Der Daviscup wird umgebracht.“ Was passiert 2019?

Bei der Generalversammlung des internationalen Tennisverbandes ITF in Orlando haben sich die Mitglieder am Donnerstag mit 71 Prozent der Stimmen für eine revolutionäre Änderung entschieden. Größter Punkt ist die Modus-Änderung zu einem Finalturnier mit 18 Nationen, die in sechs Gruppen zu je drei Ländern aufgeteilt werden. Gespielt wird da nur noch auf zwei Gewinnsätze – und das mit zwei Einzeln und einem Doppel. Verbunden ist alles mit einer Geldflut, hinter der ein 25-Jahre-Deal mit der von Fußball-Star Gerard Piqué gegründeten Investment-Gruppe Kosmos steckt.

"Das Flair ist weg"

„Hier haben Leute entschieden, die keine Ahnung haben, was der Daviscup bedeutet. Der große Reiz waren vor allem die Heim- und Auswärtsspiele mit einer großen Atmosphäre, der Platzwahl oder Fünf-Satz-Marathons. Das Flair ist weg“, übt Antonitsch scharfe Kritik.

Nach einer Quali-Vorrunde im Februar wird das Weltgruppen-Finalturnier im November nach dem ATP-Finale austragen. Günter Bresnik ließ bereits anklingen, dass sein Schützling Dominic Thiem im Fall der Fälle nicht dabei ist, auch wenn er unmittelbar davor wieder im ATP-Finale aufschlagen würde. Doch für fast alle anderen Spieler ist die Saison bislang schon Ende Oktober vorbei.

„Danach machen die Spieler meist Urlaub, ehe Mitte, Ende November die Saisonvorbereitung startet“, sagt Antonitsch. Die großen Verbände haben sich ohnehin dagegen ausgesprochen, „für die kleinen Verbände ist es natürlich ein Geschäft“, sagt Antonitsch (der ÖTV enthielt sich der Stimme). Ein Geschäft, bei dem die besten Tennisspieler fehlen werden.