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09/08/2012

Gegen alle Ängste: Wir verbessern Österreich

Gejammert wurde genug – ab sofort sammeln wir Vorschläge für Reformen.

von Helmut Brandstätter

Kann es sein, dass in Österreich das Leben der Menschen stärker von Angst bestimmt wird, als in anderen, vergleichbaren Ländern? Überall ist sie zu spüren, die Angst vor Veränderung, die Angst vor Fremden, die Angst vor Wohlstandsverlust, die Angst vor gesellschaftlichem Abstieg, die Angst der Politik vor ein paar Boulevardschreibern ...

Vielleicht sind diese Ängste mit Blick auf unsere Geschichte erklärbar. Kaiser Karl V. rühmte sich, in seinem Reich würde die Sonne nie untergehen. Das stimmte trotz der neuen Besitzungen auf dem amerikanischen Kontinent zwar nicht, aber die Ausdehnung des Habsburgerreiches hatte ihren zerbrechlichen Höhepunkt erreicht. Dann teilte sich das Herrscherhaus in zwei Linien und die Habsburger waren von allen Seiten bedrängt, von den Osmanen, den Franzosen und natürlich den Preußen. Nach dem ersten Weltkrieg waren wir dann ein "Rest", den keiner wollte. Und ein Staat, der nicht an sein Überleben glaubte.

Erst nach 1945, nach Weltenbrand und Holocaust entstand langsam ein Österreich-Bewusstsein, mit Zeichen und Symbolen, an die wir uns umso mehr klammern, umso weniger wir davon wissen. Die Neutralität haben wir zwar selbst beschlossen, obwohl sie keiner wollte. So wurden wir die Besatzungsmächte los. Heute hängt unser Herz an der Neutralität und wir haben Angst, dass sie uns jemand wegnimmt.

Obwohl die Verwaltung des kleinen Österreich nach dem verlorenen Krieg im Jahr 1918 nur noch wenige Beamte benötigte, bewahrte man Titel, Strukturen und Abläufe. Andere mögen Reformen machen, die Österreicher sind glücklich, wenn sich wenig verändert.

Besser machen

Aber die Globalisierung und die Verschiebung der wirtschaftlichen Macht aus dem Westen in den asiatischen Raum lassen keinen Platz für den Blick zurück. Noch haben wir in Europa die wertvollen Marken, nach denen die neuen Mittelschichten Chinas gieren, aber die Produktion wandert schon Richtung Osten. Umgekehrt gehen aufstrebende Asiaten in die USA, wo noch immer die besten Unis stehen. In Afrika investieren die Chinesen, bei der Energie sind wir im Würgegriff der Russen. Was bleibt für Europa?

Der Wohlstand in Österreich ist jedenfalls nicht mehr selbstverständlich. Aber mit Ängsten kommen wir nicht weiter. Mit neuen Ideen, besseren Schulen, eine effizienten Verwaltung aber schon. Darum geht es dem KURIER mit einer großen Aktion: "Wir verbessern Österreich." Wir – das sind nicht die Redakteure des KURIER – wir, das sind Sie, die Leserinnen und Leser. Ihre Ideen für Verbesserungen bei der Bildung, im Gesundheitssystem, in Wirtschaft und Politik wollen wir in den nächsten Monaten sammeln und mit Experten diskutieren. Am Ende wollen wir ein Papier erarbeiten, das wir der Bundesregierung und dem Parlament vorlegen wollen. Jammern war gestern – jetzt sind die Leserinnen und Leser am Wort. Gemeinsam verbessern wir Österreich.

Mehr Informationen unter https://kurier.at/leseramwort

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