Die Gewinner der ROMY-Akademiepreise

Bester TV-Film: "Die Auslöschung": Bei diesem Film bleiben einem Atem und Spucke weg. Dabei beginnt er so harmlos: Ein nicht mehr ganz junges Paar findet zueinander und entscheidet sich für ein gemeinsames Leben. Beide sind gebildet, gut situiert und sehr verliebt ineinander ... doch die Idylle hält nicht lange. Er verändert sich. Wirkt zerstreut, zieht sich zurück. Die Diagnose: Alzheimer. Nikolaus Leytner erzählt seine Liebesgeschichte ohne Schnörkel und konzentriert sich ganz auf die beiden Hauptdarsteller: Martina Gedeck und Klaus Maria Brandauer. Laudatorin Johanna Setzer lobte den Film, für den die  Produzenten Thomas Hroch und Gerald Podgornig (Bild) ausgezeichnet wurden, als „einen großen Film über eine große Liebe und eine tückische Krankheit“. Hroch: „Vor zehn Jahren haben wir noch eine ROMY für Karl Spiehs übernommen, jetzt erstmals für die Monafilm.“ "Spuren des Bösen: Racheengel": Es spricht für die besondere Qualität dieses Films, dass er gleich in zwei Kategorien gewürdigt wird: Andreas Prochaska erklärte die ROMY-Akademie zum Besten Regisseur eines TV-Films, Josef Aichholzer zum Besten Produzenten.
Bild: Heino Ferch als Verhörexperte Richard Brocks Der Schauspieler Juergen Maurer sagte in seiner Laudation auf Regisseur Andreas Prochaska (Bild), „dieser sei ein besonderes Talent mit herausragenden Begabungen und ein fabelhafter Kerl“. Und der Drehbuchautor Martin Ambrosch sagte über Josef Aichholzer (Bild): „Er hat langen Atem, wo anderen die Luft ausgeht. Beste Kino-Doku;  "More Than Honey": Dieser Film ist nicht nur gut, sondern auch populär: Etwa 200.000 Zuschauer sahen Markus Imhoofs Kinodoku in der Schweiz, in Österreich waren es 45.000. Und das bei einem Thema, das zunächst sperrig wirkt. Imhoof zeigt, wie eine Welt ohne Bienen aussehen würde– eine Horrorvision. „Die Bienen sterben am Erfolg der Zivilisation“, sagt er. Imhoof erhielt die ROMY für die beste Kino-Doku; Helmut Grasser („Eine Kämpfernatur mit Vorliebe für kämpferische Filme“) wurde als Bester Produzent ausgezeichnet. Helmut  Grasser (Bild): „Diesen Film zu machen, war ein großer Kampf. Ich bin total stolz und danke der Akademie.“ Regisseur Markus Imhoof bedankte sich per Zuspielung: „Ich habe diesen Film auf Anraten meiner Kinder gemacht – das nennt man Schwarm-Intelligenz". Die ROMY übernahm für ihn in Vertretung Nina Wilhelm (Bild). "Karajan – Das zweite Leben": Als diese Doku Ende 2012 auf Servus TV ausgestrahlt wurde, schrieb der KURIER von einem „sehr differenzierten Bild des Technik- und Kontrollfreaks Karajan“ und „einem vielschichtigen Porträt“: Für seinen Karajan-Film hat Eric Schulz bisher unveröffentlichtes Material ausgewertet.  ... Die ROMY für den Besten Produzenten einer TV-Doku geht an den Produzenten der Karajan-Doku, Frank Gerdes (Bild). – den  „Strippenzieher im Hintergrund dieser beachtlichen Dokumentation“, wie Laudatorin Isabel Karajan ihn würdigte. Bestes Buch Kinofilm: "Oh Boy": Eine kleine, melancholische Geschichte erzählt „Oh Boy“. Mal lustig, mal traurig, immer berührend: Tom Schilling spielt darin einen Studienabbrecher, der in Berlin in den Tag hineinlebt und innerhalb weniger Stunden auf einige sehr unterschiedliche Menschen (u. a. Friederike Kempter als ehemalige Schulkameradin) trifft. Jan-Ole Gersters Spielfilmdebüt wurde von der Kritik bejubelt , mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet – und nun mit der ROMY geehrt – Gerster wird speziell für das Drehbuch zu „Oh Boy“ gewürdigt. Jan-Ole Gerster in seiner Dankesrede: „Das ist mein erster Preis im Land der Oscar-Gewinner!“ Tom Schilling (rechts) sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass er das Drehbuch geschrieben habe. Die Laudatio auf den jungen Autor und Regisseur hielt ROMY-Erfinder Rudolf John: Gersters Film skizziere „auf pfiffige Weise das Schwarz-Weiß-Porträt eines letztlich liebenswerten, aber auch erbarmungswürdigen Taugenichts und Tagträumers“. Wie die lapidaren Dialoge die Persönlichkeit der Charaktere ausdrücke, sei „geradezu genial“: „Oft liegen die richtigen Antworten in den Gesprächspausen und verweigerten Wortspenden.“ Beste Kamera Kinofilm: "3096 Tage": Der Kinofilm über die Gefangenschaft Natascha Kampuschs wurde mit Spannung erwartet – und wohlwollend aufgenommen. Nicht zuletzt ein Verdienst von Star-Kameramann Michael Ballhaus, der den heiklen Stoff mit Bravour auf die Leinwand brachte, wie die ROMY-Akademie befand. Er habe von sich selbst gesagt, er hätte bei den Dreharbeiten oft weinen müssen aus Schmerz und Erschütterung, hieß es in der Laudation auf den 77-Jährigen. Michael Ballhaus (Bild) per Video-Botschaft: „Das war bestimmt mein letzter Film, ich bedanke mich sehr!“ Bester Produzent Kinofilm: "Kuma": Umut Dags Film über eine junge Türkin, die als Zweitfrau eines älteren Mannes nach Wien geholt wird, wurde bei der Berlinale uraufgeführt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Jetzt kommt ein weiterer dazu ... Eine goldene ROMY für Veit Heiduschka und Michael Katz (Bild), die Produzenten des großartigen Films (Wega-Film). Michael Katz’ schlagfertiger Kommentar in seiner Dankesrede: „ Ich danke der Familie, die mich anspornt, den Wahnsinn weiterzumachen und ich mache weiter!“ "Liebesg'schichten und Heiratssachen": Diese Sendung ist Kult – und hat die ROMY für die Beste Doku Soap mehr als verdient. Sommer für Sommer präsentiert Elizabeth T. Spira Singles auf Partnersuche und fährt damit Spitzenquoten ein. Und das mit großer Sensibilität und Menschenliebe. Autor Franzobel und Schauspielerin Maxi Blaha hielten in ihrer Laudatio alten Vorwürfen gegen Spira entgegen: "Sozialporno ist das, was seit geraumer Zeit in diversen Fernsehkanälen zu sehen ist", wo man Menschen dazu bringe, "so zu sein, wie man sie gern hätte." Spira erinnerte in ihrer Dankesrede an den Autor Thomas Pluch, der vor 21 Jahren als Preisträger auf der ROMY-Gala neben ihr einem Gehirnschlag erlag: „Lieber Thomas Pluch, ich hoffe, du suchst uns ein schönes Sitz-Wolkerl, wo wir in 21 Jahren die ROMY anschauen und auf begabte Preisträger-Enkel anstoßen können.“ Beste Kamera TV-Film: "Verfolgt – Der kleine Zeuge" : Das Œuvre des Peter Zeitlinger ist beeindruckend – und vielfach preisgekrönt. Jüngst sorgte der österreichische Star-Kameramann mit dem TV-Thriller „Verfolgt“ für Aufsehen. ... Die Geschichte von dem kleinen Tao, der Zeuge eines Gemetzels im Chinarestaurant wird, setzte er mit „düsteren Bildern voller Überraschungen“ um, wie Schauspielerin Marie Zielcke in ihrer Laudatio festhielt. „Seit vielen Jahren liefert dieser geniale Mann aufregende Sequenzen und Tableaus von bestechender Qualität.“ Beste TV-Doku: "Wunder Heilung": Es ist kein leichtes Thema, das sich Kurt Langbein in seine „kreuz&quer“-Doku „Wunder Heilung“ vorgenommen hat. Zudem er selbst ein Betroffener ist. Langbein erkrankte an Krebs. Und geht in seinem beeindruckenden Film auf die Suche nach den Faktoren, die das Immunsystem des Menschen mobilisieren und damit auch Krebs heilen können. Laudatorin Bettina Reiter, die selbst an Krebs erkrankt war, hob den Mut Langbeins hervor, "die persönlichste aller Geschichten, die der eigenen Krankheit" zu erzählen - und dabei "nicht auf die Tränendrüse zu drücken und kein 'Fishing for Mitleid' zu betreiben." Sein Streifzug durch die moderne Forschungsrichtung der Psycho-Neuro-Immunologie hat ein Happy End – durch die ROMY-Auszeichnung im doppelten Sinne. Bestes Buch TV-Film: "Tatort - Zwischen den Fronten": Ihr Name mag in Österreich nicht so bekannt sein, ihre Werke sind so gut wie allen Fernsehkonsumenten ein Begriff: Autorin Verena Kurth schrieb u. a. Drehbücher für „Schnell ermittelt“. Die ROMY für das Beste Drehbuch TV-Film brachte ihre der Austro-Tatort „Zwischen den Fronten“. Darin beschreibt sie eine Verschwörung in höchsten Regierungskreisen. Schauspieler Wolf Bachofner in seiner Laudatio auf Verena Kurth: „Kein zufälliger Quotenerfolg, sondern eine besondere Geschichte, ein außergewöhnliches Drehbuch.“ Alle Akademie-ROMY-Preisträger des Abends auf einem Bild. Am Samstag findet dann die große ROMY-Gala statt, wenn die begehrten Publikumspreise vergeben werden (ORF 2 überträgt live ab 21.10 Uhr). Nach dem Ende des Galadinners wurde am Albertina-Würstelstand noch eine ROMY gesichtet. Aber, keine Sorge: der stolze, soeben gekürte Besitzer der Statuette, nahm sie natürlich mit nach Hause.
(KURIER / tem) Erstellt am
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