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Reise
09/03/2019

"Wundergarten": Graz stemmt neues Museum aus dem Schloßberg

Die steirische Landeshauptstadt wird um ein Ausflugsziel reicher. Die Eröffnung ist im Mai 2020 geplant.

Seit Juli wird gebaut - am Dienstag wurde zu einer ersten Baustellenbesichtigung in das künftige Schloßbergmuseum geladen. Dort wird fleißig gestemmt, gegraben und gebaut. Zu Muttertag 2020 soll das Museum in und um die Kanonenbastei fertig sein.

Bollwerk aus dem 16. Jahrhundert

Die Mauern aus den Jahren rund um 1555 waren ehemals die Verteidigungsanlage von Graz, ein Bollwerk gegen fremde Eindringlinge. Später wurden die Gemäuer auch als Staatsgefängnis genutzt, noch später wurde das Garnisonsmuseum daraus. Seit 2012 gibt es dieses aber auch nicht mehr. Seither fristeten die Kanonen in der Bastei zwar angesichts vieler Besucher kein einsames Dasein, doch bis heute fehlt dem Schloßberg ein eigenes Museum.

Das soll sich nun ändern. Die Stadt nimmt dafür rund 2,6 Millionen Euro in die Hand, wobei 1,1 Millionen Euro aus dem Erbe einer 2017 verstorbenen Grazerin kommen. Das Architekturstudio WG3 hat einen mit Glas verbauten Eingangsbereich konzipiert, dessen Vorplatz durch den Kassenbereich in den offenen Innenbereich übergeht. Dort soll der Boden entsiegelt und ein kleiner Hainbuchenhain entstehen - der "Wundergarten".

Barrierefrei und niederschwellig

In den alten Gebäuden sollen Touristen und Einheimische alles über die Geschichte der Festung und des Schloßbergs erfahren. Der Zugang zum Museum wird mittels Lift barrierefrei sein und die gebotenen Informationen sollen niederschwellig vermittelt werden. "Die Menschen kommen im Freizeitmodus", erklärte Otto Hochreiter, Direktor des GrazMuseums, das für die Planung verantwortlich zeichnet. "Es soll ein populäres Museum am richtigen Standort sein", sagte er weiter.

Rund 1,5 Millionen Menschen frequentieren jährlich den Schloßberg. Viele von ihnen sollen bei nur zwei Euro Eintritt das Museum besuchen und "das Bollwerk spüren". Die Bauarbeiten seien eine rechtliche Herausforderung, denn das historische Kanonenhaus und die Kasematten sind denkmalgeschützt. Hinzu kommen Zufahrtsbeschränkungen auf den Schloßberg. Die Arbeiten werden von Archäologen begleitet, die Funde dokumentieren.

Nachts keine Zugang zur Bastei

Das künftige Museum wird das ganze Jahr über geöffnet haben, allerdings wird es nachts keinen Zugang mehr zur Bastei geben. Wer ohne Eintrittskarte den "Wundergarten" und die Aussicht genießen möchte, wird künftig zwei Stunden vor und zwei Stunden nach den Museumsöffnungszeiten Einlass bekommen. Allerdings nicht zu den Räumlichkeiten und Kanonen, denn bei letzteren werden beispielsweise Augmented Reality-Stationen eingerichtet, die eine Zeitreise in 50-Jahre-Schritten ermöglichen. Diese Installationen sollen nur unter Aufsicht benützt werden.