Wilder Westen im Weinviertel

Mit der Kutsche zu Bier und Steaks. Die Firma Pferdefuhrwerk bietet spannende Touren durchs weite Land um Laa etwa zur BOA-Farm mit 700 Angus- und Galloway-Rindern.

Wenn Charles Bronson über die Steppe jagt, Planwagen durch die Prärie in den Sonnenuntergang rollen, Pferde wiehern und Cowboys am Feuer Steaks brutzeln – dann keimt auch im warmen Fernsehsessel die Lust auf Weite, Natur und Abenteuer auf. Steak- und Abenteuerhungrigen kann geholfen werden. Nur 80 km von Wien, dicht an der tschechischen Grenze im Weinviertel, beginnt der Wilde Westen. Bei Wildendürnbach nördlich von Laa an der Thaya endet plötzlich die gewohnte Zivilisation und aus ist’s mit der bekannten Weinviertel-Romantik – Schluss mit schnuckeligen Dörfern, Kellergassen, Weinrieden, sanft gewellten Hügeln. Im Schatten des einstigen Eisernen Vorhangs ist es bretteleben wie in der Prärie und in den Savannen Afrikas. Die Erde ist dort ein Teller mit einem Himmel bis zum Rand. Und darauf grasen, so weit man blicken kann, Angus-, Galloway- und Shorthorn-Rinder wie in Herrn Bronsons Film-Heimat. 700 auf 300 Hektar. Fred Zehetner und Dani Wintereder betreiben dort im dürren Grenzland mit nur 400 Millimeter Niederschlag im Jahr die BOA-Farm. Sie züchten, schlachten und erklären Interessierten wie man mit biologischer Freilandhaltung plus Know-how aus Amerika, Kanada und Australien das beste Rindfleisch Österreichs produziert. BOA steht für Best Of Austria. Feinspitze spitzen bei Angus und Galloway sowieso gleich die Ohren und beurteilen deren fein marmoriertes Fleisch so überschwänglich feierlich wie die Tiroler ihre Schützen. Für die film- und abenteuergerechte Anreise auf die BOA-Farm wählten wir nicht die Benzin- sondern die Pferdekutsche. Roman Haslinger, Nebenerwerbsbauer, Tischler und Pferdenarr – und gesegnet mit an g’sund’n Schmäh, kutschiert Weinviertel-Entdecker im Entschleunigungsgang durchs Land ob Wien. Seine Firma "Pferdefuhrwerk" bietet Fahrten zu Heurigen, ins Naturschutzgebiet Buschberg mit Besuch des „Wolf Forschungs Zentrum Ernstbrunn“ oder eben auch zur BOA-Farm an. Routen und Dauer der gemütlichen Ausfahrten schneidert er in Absprache mit seinen Kunden auch individuell nach Maß. Wir starten in der Kellergasse von Unterschoderlee. Ein Ort, bei dem sich selbst Google mit der Suche schwer tut, der sich hinter einem Wäldchen abseits der kaum befahrenen Landstraße zwischen Hollabrunn und Laa idyllisch vor der Welt versteckt. Dort also, in Unterschoderlee, wartet der Roman mit zwei Fuchs-Wallachen, grün gestrichenem alten Feuerwehrwagen und Bodenpersonal auf uns. Am Waldrand steht auf Heurigenbankerln mit Tischdecken und Blumenschmuck ein Frühstücksbuffett wie im Urlaubshotel an der Adria. Sogar Eierspeis mit Paprika und Speck brutzelt Romans Bodentruppe frisch für uns am Gasgriller. "I will, dass alle a Freud’ hab’n. Die Gäst’ und i", brummelt er zwischen Pferde einspannen und der Erklärung des Tagesprogramms. "Und i mag Eierspeis zum Frühstück!" Über stillen Wegen geht’s Richtung Laa an der Thaya – vorbei an Obstbäumen, Sonnenblumen- und Kornfeldern. Die Pferdeeisen klappern im Takt, es riecht nach Sommer, Ernte und Korn. Nur ab und zu macht sich ein Traktor breit und den Pferden das Vorbeikommen unnötig schwer. "Hier arbeiten die meisten in der Landwirtschaft, nach der 3. Klasse Hauptschule hört die Bildung auf", brummelt der Roman seinen Füchsen Mendel und Mozart zu, die das Hindernis dann unaufgeregt umrunden. Nach zwei Stunden kommt der Kirchturm der Thermenstadt Laa in Sicht. Ein Schmuckstück ist die Grenzstadt an der Thaya nicht, sehen wir einmal vom Hauptplatz mit dem alten und neuen Rathaus ab. Dankenswerterweise hat Ladislaus Postumus, Herzog von Österreich und König von Böhmen und Ungarn, der in wirtschaftliche Nöte geratenen Stadt 1554 das Braurecht verliehen – und so wird nun dort seit fast einem halben Jahrtausend das Hubertus Bier gebraut. Die Besichtigung der heutigen Privatbrauerei steht auch auf unserem "Pferdefuhrwerk"-Programm. Bier verkosten inbegriffen. Richtig spannend wird es eine gute Pferdefuhrwerk-Stunde nordwärts – im Wilden Westen des Weinviertels. Dort wartet Fred mit seinem Pick-up und ab geht’s auf Safari zu seinen 700 Rindern, die vom Frühjahr bis in den Spätherbst im Freien grasen. Unter anderem Sudan-Gras, das Fred seit Kurzem anbaut. Diese Sorte aus Afrika verträgt das immer trockener werdende Klima im Weinviertel besser. "Wenn kein Regen fällt, kapselt es sich ein", erklärt Fred. "Es geht sozusagen auf Stand-by und wächst, wenn es regnet, den Kühen wieder ins Maul." Im Winter beziehen die Rinder einen riesigen Offenstall, das "Kuhhotel" wie es Fred nennt. Mastfutter ist tabu. Die Rinder wachsen mit Gras und Heu zwar langsamer, das Fleisch hat aber Topqualität. Davon dürfen wir uns nach der Farmführung beim Barbecue überzeugen. Dani hat aufgetischt: feinsten Schinken und Pastrami als Vorspeise. Als Hauptgang Rippenfleisch vom Angus mit Bier bepinselt – saftig, weich und herzhaft kräftig. Die Sonne steht tief, von Weitem brüllen die Bullen, der Roman führt Schmäh, wir schleck’n die Rippen ab.
Das hätte wohl auch dem Herrn Bronson gefallen. BOA-Farm Führungen (1,5 Stunden) jeden Sa/So, 14 Uhr gegen Voranmeldung. 45 Euro inkl. Kaffee, Kuchen, Fleischverkostung im Rahmen eines kalten Buffets.  0664/1315961, www.beefcattle.at

BOA-Beef gibt es in der Fleischerei Pfennigbauer in Laa, beim Radatz am Rochusmarkt in Wien, im Gasthaus Weiler in Laa (www.weilerlaa.at) in Manfred Buchingers Restaurant "Alte Schule" in Riedenthal (www.buchingers.at) und in Markus Lindenthalers "Joseph’s" am Wolfgangsee (www.josephs.at)

Die Firma Pferdefuhrwerk bietet diverse Fahrten durchs Weinviertel. Anfragen: 0664/ 828 46 59, www.pferdefuhrwerk.at
(KURIER) Erstellt am
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