Wiens gruseligste Spukhäuser

Eine Entdeckungsreise, die nichts für Weicheier ist: In einem neuen Buch werden die unheimlichsten Orte und schaurigsten Gestalten Wiens präsentiert. Hier ein Vorgeschmack.

Wien, auf der einen Seite für seinen Sissi-Charme bekannt, ist auf der anderen Seite auch eine Fundgrube für alles Dunkle und Mysteriöse. Auf die Spuren des Grusel-Wiens haben sich die Autoren Robert Bouchal und Gabriele Lukacs begeben. 
In ihrem neuen Buch (siehe Tipp am Ende der Galerie) berichten sie über Scheintote und Vampire, über unheimliche Begegnungen und legendäre Flüche oder über die finstere Unterwelt - und all das mitten in Wien. Eine Kostprobe gefällig? Hier sind die Spukhäuser und -orte der Bundeshauptstadt, beginnen wir mit dem Leopoldsberg ... Seinerzeit - so erzählt man sich - gab es in der verfallenen Burg auf dem 425 Meter hohen Gipfel nächtliche Lichter und Lärm, obwohl hier niemand wohnte. Auch die Tiere mieden das Schloss. So weit die Sage. Im vorigen Jahrhundert errichtete man auf den Gebäuderesten der Burg ein Gasthaus, auch dieses gehört inzwischen wieder der Vergangenheit an. Der aktuelle Spuk soll ein irdischer sein: In Vollmondnächten versammeln sich moderne Hexen auf dem Leopoldsberg und vollführen mystische Zeremonien.

TIPP
Leopoldsberg: erreichbar über die Höhenstraße oder Fußweg "Nasenweg" ab Kahlenbergdorf. Bus Linie 38 A ab U 4, Station Heiligenstadt. Spuk im Palais Clary, 1. Bezirk (Herrengasse 9)

Im Palais Clary ist die Britische Botschaft untergebracht - ein passenderes Gebäude hätte man für die geistergläubigen Briten in Wien kaum finden können. Denn: Im Palais gibt es immer wieder Menschen-Erscheinungen. So berichten verschiedene Zeugen über Begegnungen mit Geistern, etwa mit einem im Clary verstorbenen "Leibjäger". Nazispuk und Initiation

Ein - laut den Autoren - ebenfalls glaubhafter Zeuge erzählt hingegen vom Spuk in einem Gebäude in der Renngasse 14, 1. Bezirk. Dieser Zeuge bewohnte eine der Wohnungen im Haus; angeblich waren diese Räume während der Hitler-Ära das Atelier des Fotografen Strobl - ein Mitarbeiter von Heinrich Hoffmann - der als Hitler Leibfotograf bekannt wurde. Jedenfalls soll sich in dem Haus ein hallenähnlicher Raum ... ... befunden haben, der für geheime Kulte verwendet worden war. Der Zeuge konnte die früher beschworenen Kräfte immer noch fühlen. So quälten ihn oft Albträume, dann schreckte er aus dem Schlaf hoch und sah Geistergestalten im Raum. Etwa eine alte Frau, die ihn aber einfach nur ruhig zudeckte. 
Heute gibt es diese Wohnung nicht mehr - die Etage wurde umgebaut. Die weiße Frau in der Gruft des Schottenstifts

Die böhmische Adelige Bertha von Rosenberg, geboren 1425, wurde nach ihrem Tod zu einer "weißen Frau". Fast ihr ganzes Leben lang wurde Bertha von ihrem bösen Ehemann gequält. Als dieser endlich starb, zog sich die arme Frau weiße Kleider an und feierte fröhlich ihre Freiheit - anstatt seinen Tod zu bedauern. Die Strafe für diesen Frevel ist ewige Ruhelosigkeit - bis zum heutigen Tag geht die "weiße Frau" in der Gruft des Schottenstifts um. Besonders furchtbar soll der Blick ihrer großen, schwarzen Augen sein, wenn sie vorüber schreitet. Literarische Geister in der Hofburg

In der Nacht, wenn die vielen Touristen die bekannte Sehenswürdigkeit Wiens verlassen haben, soll in dem ehrwürdigen Gemäuer emsiges Treiben erwachen. Dann kommen ruhelose Seelen aus ihren Gräbern zurück, geistern durch die Hallen und Gänge und besuchen noch lebende Bewohner der Hofburg. Zum Beispiel erzählte der Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia - angeblich ein geheimer Sohn des Erzherzogs Karl Stephans - im Jahr 1974 von der mehrfachen geisterhaften Rückkehr seines verstorbenen Hundes Cinderella.  
Lernet lebte von 1952 bis zu seinem Tod im Jahre 1976 im zweiten Stock des Reichskanzleitrakts. Auch Kaiserin Sisi, die in der Hofburg (am Bild zu sehen ist die Stiege in der Hofburg) wohnte, hatte Kontakte zum Jenseits. Sie soll geglaubt haben, Heinrich Heine (1797-1856) führe ihre Hand aus dem Jenseits, wenn sie ihre Gedanken in ihrem Tagebuch niederschrieb oder ihre Gedichte verfasste. Schuberts Geburtshaus

Alljährlich am 19. November soll sich in Schuberts Geburtshaus in der Nußdorfer Straße 54 ein Poltergeist mit Klopfen und Raunen bemerkbar machen. Franz Schubert wurde dort am Himmelpfortgrund geboren und verstarb im Alter von nur 31 Jahren am 19. November 1828 in der Kettenbrückengasse. 

TIPP
9. Bezirk, Nußdorfer Straße 54, Schuberts Geburtshaus. Öffnungszeiten: täglich außer Montag 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr. Knochenfund im Ratzestadl

Für Gesprächsstoff sorgte 2009 ein unheimlicher Fund im sogenannten "Ratzenstadl" (6. Bezirk, am Bild zu sehen ist ein Modell im Bezirksmuseum Mariahilf). In einem Kellerabteil in dem Gebäude in der Magdalenenstraße fanden Arbeiter menschliche Knochen und Schädel - 60 bis 70 Jahre alt und in unleserliches Zeitungspapier gehüllt.

Möglicherweise war das Opfer während eines Luftangriffs im 2. Weltkrieg umgekommen. Wie die Knochen aber den Weg in das Papier fanden, bleibt rätselhaft. Übrigens: Wiens Häuser sind durchgehend unterkellert, viele davon harren noch ihrer Entrümpelung ... Spuk im Kaiserwalzer

Im Restaurant Kaiserwalzer, Esterházygasse 9, ereignen sich seit Jahren seltsame Vorkommnisse. So erzählen die Herren "Ober", dass ohne ihr Zutun immer wieder Gläser oder Geschirr zu Boden fällt. Unerklärliche Geräusche wie Möbelrücken sollen keine Seltenheit sein, auch Geistererscheinungen im hinteren Teil des Lokals sind möglich. Das Katzensteighaus

Manche Häuser wirken schon ohne Spuk-Geschichte finster und unheimlich, wie das Katzensteighaus (Seitenstettengasse 6/Rabensteig 3). Laut einer Legende schlich nächtens eine große, weiße Katze über die Dächer der Häuser. Jeder, der sie erblickte, wurde vom Pech verfolgt.

Damit nicht genug: Der Sage nach soll eine Ehebrecherin, die eigentlich die Frau ihres Geliebten umbringen wollte und dann selbst an dem Gift starb, nach ihrem Tod als räudige Katze über die Dächer streifen. Generell soll das Katzensteighaus (Bild: der wenig einladende Keller des Gebäudes) jedem seiner Besitzer Unglück gebracht haben. Unter den Besitzern Christoph und Dorothea Pempfling brach 1522 aus ungeklärter Ursache ein Feuer aus - das Haus brannte völlig ab. Bonifaz Wolgemut errichtete das Gebäude neu, jedoch stürzte es 1590 bei einem Erdbeben in sich zusammen. Die Mieter wechselten häufig, offenbar bis zum heutigen Tag, denn das Haus scheint seit Jahren unbewohnt zu sein. Eine düstere, unheimliche Stimmung geht von dem Gebäude mit dem gruseligen Kellergewölbe aus. Kein Geschäft, kein Lokal hält sich für längere Zeit. Diese und viele weitere Spuk-Geschichten aus Wien finden Sie in dem Buch: 

Robert Bouchal und Gabriele Lukacs
Unheimliches Wien
Gruselige Orte. Schaurige Gestalten.Okkulte Experimente.
Pichler Verlag, 205 Seiten
24,95 Euro
(KURIER.at) Erstellt am
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