Wien anders: Lateinische Inschriften

Wien hat Geschichte. Auf jedem Spaziergang durch Wien stößt man auf viele lateinische Inschriften. Der KURIER bat Viktor Böhm, sie zu übersetzen.

Divo Nepomuceno Tutelari
Suo Instruxit Supplex
Apostelgasse 2, 1030 Wien

Deutsche Übersetzung (von Viktor Böhm):

Dem heiligen Nepomuk, seinem Beschützer, errichtete (diese Statue) ein Bittender. (1754) Aedes
dicundis et faciundis Hungariae rebus
magnoque regis sigillo
sacrae, quae modernam induere formam,
dum
salva Augusta regina Maria Theresia
suis restituta felix laetatur populus,
gaudet Hungaria.
Bankgasse 4-6, 1010 Wien

Das Gebäude, für die Beratungen und Beschlüsse der Angelegenheiten Ungarns und für das große Siegel des Königs
bestimmt, welches eine moderne Ausgestaltung erhielt, als
ihre Majestät, Königin Maria Theresia gesund den Ihren wiedergegeben. Es freut sich das glückliche Volk, es frohlockt Ungarn. Divi Francisci I. Romanorum imperatoris
statuae
Franciscus I. Austriae imperator
avi optimi maximi memoriam veneratus
hunc locum optavit,
ut in suorum conspectu semper esset
MDCCCXIX.
Burggarten, 1010 Wien

Für des verewigten Franz I., Kaiser der Römer, Standbild hat Franz I., Kaiser von Österreich, die Erinnerung an den besten, größten Großvater ehrend, diesen Aufstellungsort gewünscht,
dass er immer im Angesicht der Seinen sei, 1819. Taborinus Augusto sit hoc ex omine decor
Taborstraße, 1020 Wien

Es sei infolge dieses kaiserlichen Wunsches eine zum Tabor gehörende Zierde (1728) His aedibus
adhaeret concors
populorum amor
Burggarten, 1010 Wien

An diesem Gebäude haftet die einträchtige Liebe der Völker. Per legem timoris
Graben, 1010 Wien

Durch das Gesetz der Furcht. Mercatus sanus
felicitatis fundamentum
Herrengasse 12, 1010 Wien

Ein gesunder Handel (bildet) die Grundlage des Glücks. Virtute et exemplo
Hofburg Michaelertrakt, 1010 Wien

Durch Tugend und Beispiel (Wahlspruch von Kaiser Josef II.) Profectio Augusti
Hofburg Profectio, 1010 Wien

Auszug des Kaisers (Augustus). Amorem meum populis meis
testamenti caput XIIII
In der Burg, 1010 Wien

Meine Liebe meinen Völkern
des Testaments Kapitel 14 Virgo fidelis, ave, coelestis mater amoris!
Jodok-Fink-Platz, 1080 Wien

Treue Jungfrau, sei gegrüßt, himmlische Mutter der Liebe! Flúmine Iórdaní tergúntur lábe malísque – 30
córpora: cúm cedít, quód latet, ómne nefás,
síc flamma ássurgéns totám furibúnda per úrbem – 1421
Hébraeúm purgát crímina saéva canúm.
Deúcalióneís mundús purgátus ab úndis
sícque iterúm poenás ígne furiénte luét.
Judenplatz 2, 1010 Wien

Im Flusse Jordan werden die Körper von Verfall und Übeln gereinigt. – 30 Da entschwindet alles Frevlerische, das sich verborgen hält. Derartig steigt die Flamme über die ganze Stadt tobend empor – 1421 und säubert von den schrecklichen Verbrechen der Hebräischen Hunde. Die von Deukalionischen Wellen sauber gemachte Welt wird so im tosenden Feuer wieder Strafen büßen. Servare intaminatum
Lugeck 7, 1010 Wien

Unbefleckt bewahren. Post nubila phoebus
Lugeck, 1010 Wien

Nach Bewölktheit Sonnenlicht. Dúm frustr(a) óppugnát Solimánnus Túrca Viénnam,
áram Márgretaé déstruit átque domúm.
Gránae praéses Olaí restaúrat et índe Rudólphus
Schmídt baro dé Schwarzhórn aúget et órnat opús,
Caésaris óratór, cum dé Sultán Mehemétt Han
á port(a) Óttmanná pácifer ípse redít.
anno, quo
paCeM LegatIone Defert.
Margaretenplatz 3, 1050 Wien

Während der Türke Soliman vergeblich Wien belagert, zerstört er den Altar der Margaretha und auch das Haus.
Olahus, der Bischof von Gran (Esztergom), stellte es wieder her, und danach vergrößert und schmückt den Bau Rudolf Schmidt, Freiherr von Schwarzenhorn, der Gesandte des Kaisers, als er von Sultan Mohammed Khan von der ottomanischen Pforte als Friedensbringer selbst zurückkehrt.
Im Jahre, in dem er den Frieden durch die Gesandtschaft herbeibringt. (1651) Adhuc coelum volvitur:
1890
1711 ren(ovatum) 1794 1837
Michaelerplatz 1, 1010 Wien

Noch wird der Himmel weiter gedreht.
1890
1711 renoviert 1794 1837 In hac sacra domo orphani pia vota persoluum†
Rennweg 91, 1030 Wien

In diesem heiligen Haus verrichten die Waisenkinder ihre frommen Gebete. (1768) Ferdinandus, Romanorum
Germaniae Hungariae
Boemiae et cetera rex, infans
Hispaniae, archidux Austriae,
dux Burgundiae et cetera,
anno MDLII.
Hofburg Schweizertor, 1010 Wien

Ferdinand, der Römer, Germaniens, Ungarns, Böhmens usw. König, Infant von Spanien, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund usw., im Jahre 1552. Praéditus éximiá mentís virtúte benígnae
híc sua Zíeglerús bústa Philíppus habét.
cuíus opém promptaé benefáctaque mítia déxtrae
éx inopí novít plúrima plébe cohórs.
ínnumerís gratí meritís posuére nepótes
éxpressí vultús haéc monuménta suí.
fieri curarunt Damianus, Iustinus et Bernhardus Ziegleri nepotes
anno salutis MDXLVII die XV mensis Iulii.
Stephansplatz, 1010 Wien Deutsche Übersetzung:

Begabt mit hervorragender Tugend gütiger Gesinnung, hat Philipp Ziegler hier seine Grabstätte. Dessen Hilfe und die milden Wohltaten seiner bereitwilligen Rechten hat eine große Schar aus dem mittellosen Volk kennen gelernt. Für die unzähligen Verdienste haben die dankbaren Neffen dieses Denkmal seines ausdrucksvollen Antlitzes errichtet.
(Dieses Denkmal) ließen die Neffen Damian, Justin und Bernhard Ziegler errichten / im Jahre des Heils 1547, am 15. Tag des Monats Juli.

Buchtipp: Viktor Böhm. Bildlexikon lateinischer Inschriften in Wien, Verlag Freunde der Serviten Rossau. Zwei Bände, ein Band kostet 35,20 Euro.

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(KURIER.at; Viktor Böhm / anh, Viktor Böhm) Erstellt am
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