Reise
05.04.2017

Wie fliegen wir künftig?

Wohlfühlsessel, Getränkebar, Surfen: Wie wird Holzklasse-Fliegen in Zukunft aussehen?

Wie fliegen wir künftig? Visionen gibt es auf der Hamburger Messe AIX, auf der sich alles um die Flugzeugkabine dreht. Ob bequeme Sitzmöbel und die coole Getränkebar wirklich für alle kommen, scheint angesichts des Preiskampfes in der Branche zumindest fraglich.

In den 1960er-Jahren war das Highlight für Erste-Klasse-Passagiere noch der frisch aufgeschnittene Schinken und Fassbier direkt am Sitz serviert. Heute muss es schon ein 70.000-Euro-teurer Sessel mit Sitzheizung und Massagefunktion sein. Doch der Kampf um die heuer wohl weltweit rund vier Milliarden Passagiere findet natürlich auch in der "Holzklasse" statt. Auf der Hamburger Leitmesse Aircraft Interiors Expo dreht sich alles um das Innenleben, das im Schnitt bei jedem Flugzeug fünfmal komplett ausgetauscht wird. Der allgemeine Trend ist erkennbar: Die Kabine wird individueller.

Noch ist es Zukunftsmusik: Der Passagier geht an Bord der nicht ausgebuchten Maschine, da hat die freundliche Crew die letzte Sitzreihe im Handumdrehen zusammengeklappt und verschiebt die Sitze davor, um so kurz vor Abflug für mehr Beinfreiheit zu sorgen. Das Konzept könnte den Fluggesellschaften zusätzlich Umsatz bringen, wenn eine Airline beim Einstieg für mehr Zentimeter die Hand offen hält. Die Idee stammt unter anderem vom Flugzeugbauer Airbus, der zudem auf der Messe verkündet, seinen Ladenhüter A380 jetzt mit noch mehr Sitzen attraktiver für die Airlines zu machen. Aber damit nicht auch unattraktiver für die Passagiere, wenn das Flaggschiff bis zu 575 Sitze in vier Klassen zählen könnte?

Dem Passagier ist der Sitzkomfort genauso wichtig die Hygiene an Bord: "Der antibakterielle Sitz ist an den Kunststoffteilen speziell beschichtet, so dass innerhalb von drei Stunden fast alle Bakterien verschwinden", sagt Mark Hiller zur Neuerfindung des schwäbischen Sitzherstellers Recaro Aircraft Seating. Und mit "iSeat" will man den Airlines den mit Sensoren vollgestopften gläsernen Sitz verkaufen.

Am Stand des deutschen Unternehmens Diehl gibt es eine hippe Getränke-Bar. So verwandelt sich die graue Küchenzeile schnell in eine Weinbar mit zollfreiem Einkauf. Fünf Schritte weiter gibt es Innenwände mit individuellem Muster und auch Kinofeeling an der Decke. Design-Manager Silvan Fiedler taucht die Ausstellungskabine per Knopfdruck in Farbwelten mit verschiedenen Motiven: Sushi, Unterwasser, Bergpanorama.

Ob alles kommt, was cool und hip ist, darf zumindest bezweifelt werden. Der Preisdruck sei nach wie vor enorm, betont der Hamburger Luftfahrt Experte Cord Schellenberg, selbst in der besser bezahlten Businessclass. "Aber gerade auf der Kurzstrecke zahlen die Passagiere zu wenig, die Airlines müssen also mehr Menschen transportieren, um wirtschaftlich zu fliegen und folglich noch mehr aus ihrer Economy-Class rausholen". Der Passagiere müsse allerdings nicht zwangsläufig merken, wenn es buchstäblich auf jeden Zentimeter ankommt. "Zum Beispiel wird auf einem kurzen Flug immer weniger Essen ausgegeben, dadurch kann man beim Platz in der Küche sparen." Vor einigen Jahren wurden Garderoben eingespart.

Nicht so ferne Zukunftsmusik dürfte das Thema Internet und Unterhaltung über den Wolken sein, dem eine ganze Messehalle gewidmet ist. Lufthansa stattet die Maschinen mit dem "Board Connect Portable" aus: "Der Fluggast streamt das Bordprogramm direkt auf sein Handy oder Tablet", so Ansgar Lübbenhusen von Lufthansa Systems. Displays an der Decke oder in der Rückenlehne ade - das spart wiederum Geld, nicht nur bei der Wartung der Technik.

Am Messestand einer japanischen Firma fährt nicht nur ein Getränkewägelchen automatisch über den Teppich, sondern begrüßt auch ein menschlicher Roboter den Besucher: Es sei ja nur eine Idee, meint der Vertreter. Aber theoretisch sei denkbar, dass sich irgendwann ein Roboter durch den Gang schiebe und Getränke serviere.