Wein-Idylle im Südburgenland

Die Region Deutsch Schützen/Eisenberg besticht durch ihre fruchtig-gemütliche Magie. Neben Blaufränkisch und Uhudler locken exklusive Domänen und urige Kellerstöckl.


Kein Papierl, kein Mist. Blanke Sauberkeit. Als würden sie mit Staubsaugern ihre Ortschaften rein halten. Dabei leben sie nur ihr angeborenes G’spür für das Gepflegte aus. Jedenfalls im östlichen Südburgenland zwischen Oberwart und Güssing, an der Grenze zu Ungarn. Wer bewusst auf Entdeckungstour geht, staunt. Über eben diese herausgeputzten Dörfer und Marktflecken, aber noch viel mehr über das, was sich hinter den Fassaden so auftut. Aus einem einst schlichten Landstrich hart am ehemaligen Eisernen Vorhang ist rund um den Blaufränkischen eine leutselige und raffinierte Wein- und Genuss-Region ähnlich jener der Südsteiermark geworden – mit feiner Qualität zu guten Preisen. Aber doch mit einem Unterschied: Das Südburgenland gilt noch als Geheimtipp, obwohl’s z. B. am Ratschen, einem Bergerl in Deutsch Schützen/Eisenberg, kürzlich gar nicht geheim zugegangen ist. Im Gegenteil. "Hausherr" Beppo Wiesler und das Investorenteam zelebrierten die Einweihung ihrer "Wohnothek" mit einer feuchtfröhlichen Fete, und Tester durften auf 24 den unberührten, behaglichen Komfort in einem der Holz-Ökohäuser neben den üppig bestückten Weinstöcken auskosten. Ein exklusives Refugium aus zehn architektonisch gestylten Wohneinheiten und neuer Genuss-Ort im Zusammenspiel mit dem bewährten Ratschen-"Stammhaus", dem Weingut und Gourmet-Tempel Wachter-Wiesler, in dem Chefin Gerda ihre Kreativität am Herd auslebt. Künftig bietet dort die Weinakademie Österreich Seminare mit den Deutsch Schützener Spitzenwinzern an. Die jungen Rotwein-Barone machen  als  "Sixpackwinzer" auch am Ratschen gemeinsame Sache. Die Weinverkostung bei ihnen wird freilich auch zur Lektion. Typischer, unverwechselbarer Charakter. Volle Mineralik. Erdige Kraft. Solche Begriffe ranken sich um "Perwolff" oder "Kastellan". Doch das Wichtigste, ganz trivial – die südburgenländischen Roten schmecken fantastisch. Ein paar Minuten entfernt thront über dem Pinkatal eine Eisenberger Domäne – die 4*-Residenz "Koasa Schlössl" beim Weingut "Vinum Ferreum". Ein feines Haus mit 9 gemütliche Suiten (39–47 m²), alle mit separatem Schlafbereich. Ein stiller Ort zum Ausschau halten: Erst im Panorama fügen sich die Mosaike mit ihren sattgrünen, sanften Hügeln zur fast kitschigen "Weinidylle", die sich angenehm erwandern, genauso stressfrei aber auch erradeln lässt. Günstige E-Bikes gehören in guten Häusern zum Standard-Angebot. Etliche Kilometer südöstlich das Wein- und Museums-Dorf Bildein, ein Zentrum der "Kellerstöckl". Auf dem Wintener Weinberg gewährt Biobäuerin Angela Schrammel einen Blick in ihr putziges Ferienhäuschen. Schön restauriert, praktisch eingerichtet. Kellerstüberl, Terrasse, Griller, Liegewiese. Tiroler Gäste, die zum zweiten Mal Urlaub im südburgenländischen Kellerstöckl machen, bringen’s auf den Punkt: "Gemütlich, sauber. Ruhig, urig. Und zwei Wochen keine Alpen, das tut gut". Und die Kinder? "In der Gegend gibt’s so viel zu erleben, ihnen wird nicht fad. Man muss nur wollen". Richtung Süden auf der Pinkataler Weinstraße nach Heiligenbrunn. Dort treiben sich Wildkatzen herum, blühen die seltenen Schachblumen. Typisch und einzigartig aber sind die weiß gestrichenen Keller aus Holz und Lehm mit Dächern aus Roggenstroh. Manche 250 Jahre alt, mehr als 100 denkmalgeschützt, die meisten noch bewirtschaftet. Heiligenbrunn ist eine einzige Kellergasse mit unvergleichlichem Charme. Und vielleicht bald UNESCO-Welterbe. Am 24. September jedenfalls wieder Bühne für das Uhudler-Sturmfest. Zum Namen gibt’s lustige Geschichten. Sicher ist, der erdbeerfärbige Wein wird aus Direktträgerreben, aus unveredelten, gegen Reblaus resistenten Sorten, gekeltert. Es heißt, und deshalb stand Uhudler auch lange auf dem Index, er mache trotz geringen Alkoholgehalts (11 Prozent) rabiat. Ein Glas blieb ohne Folge. Machte sich aber als Aperitif gut für die abendliche Einkehr im Gasthaus Csencsits in Harmisch – voll mit burgenländischer Bodenständigkeit, wie etwa beim klassischen Backhendl. "Niemals abgehoben, aber stets gehoben" ist dort keine leere Phrase. Auf der Reise ins Südburgenland lohnt sich ein Umweg über Bernstein an der Schlösserstraße. Alte Burg, einladender Hof und außergewöhnliches Hotel mit original restaurierten Räumen und Möbeln. Exklusive Alternative für gestresste Individualisten, die in elitärem Ambiente Ruhe und Erholung suchen und feine Hausmannskost schätzen.
(KURIER) Erstellt am
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