Waren Sie schon in Kirgisistan?

Ausflüge ins Gebirge, glasklare Luft und ein Naturschauspiel, wenn die Nomaden ihre Viehherden auf den Hochebenen weiden lassen. Ursprüngliche Orte und Zelt-Camps, das sind die Abenteuer Zentralasiens.
Eine Straße schlängelt sich durch eine goldene Hügellandschaft mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Die absolute Stille und die klare Luft wirken fast berauschend. Ebenso wie der Anblick eines von der Zivilisation unbeschadet leuchtenden Sternenhimmels. Das nächste Dorf ist auch weit weg, befinden wir uns doch mitten im gewaltigen Tienshan-(Himmels-)Gebirge, am Ufer des 3013 Meter hoch gelegenen Son Kul, dem zweitgrößten See Kirgisistans*.

Eine Reihe von Jurten in einer weiten Landschaft mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.
Der Genuss für Auge und Ohr ist aber zeitlich befristet, denn die Nächte hier oben sind auch im Sommer kalt, und Temperaturen unter null Grad nicht selten. Dafür gibt es rund um den See einige Yurten-Camps, die touristenfreundlich ausgestattet sind und dank Betten mit dicken Matratzen, Filzmatten und Decken für wohlige Wärme sorgen.
Ein blauer Lastwagen transportiert Holz und andere Materialien durch eine ländliche Gegend.
Je nach Camp wird sogar mehrmals pro Nacht der Holzofen nachgeheizt. Schlimm wird’s nur, wenn man ausgerechnet mitten in der Nacht auf ein Örtchen muss, das aus olfaktorischen Gründen in gewisser Distanz zu den Yurten errichtet wurde. Und frühmorgens, wenn nur die Mutigsten durch den Raureif zur Katzenwäsche im Freien antreten.

Nomaden

Zwei Kinder stehen in einer kargen Landschaft, ein Pferd ist im Hintergrund zu sehen.
Usbekistan, Kirgisien, Kirgistan, Zentralasien
Auch die Nomaden, die hier auf der Hochebene während des Sommers ihre riesigen Viehherden weiden lassen, ziehen Mitte September schon talwärts an uns vorbei, als wir über abenteuerliche Gebirgsstraßen aus der Hauptstadt Bischkek anreisen. Man spürt die dünne Luft, geht es doch etwa über den 3586 Meter hohen Too Ashu-Pass, wo es seit Kurzem sogar ein Skigebiet gibt.
Eine Gruppe von Reitern führt ihre Pferde durch eine hügelige Landschaft.
Usbekistan, Kirgisien, Kirgistan, Zentralasien
Ein Ausflug auf den fast ebenso hoch gelegenen Moldo-Pass führt zu einem der schönsten mit dem Auto erreichbaren Panoramen des Tienshan, das in Kirgisistan seine höchste Erhebung auf 7439 Metern hat.

Strandurlaub

Aufregend ist dann auch die Fahrt über Pässe und schroffe Täler in den Nordosten, zum größten See des Landes, das Meer der Sowjets. Auf klimatisch angenehmen 1600 Meter gelegen, ist der Issyk Kul (Kul=See) der zweitgrößte Gebirgssee der Welt nach dem südamerikanischen Titicaca. Sein leicht salzhaltiges Wasser und warme Quellen machten ihn einst zum zweitliebsten Sommerurlaubsziel der ehemaligen Sowjetunion, nach dem Schwarzen Meer. Davon zeugen noch zahlreiche Kurhäuser und Datschen, die schon ein wenig ramponiert sind, aber nach wie vor von vielen Russen und vor allem den unmittelbar benachbarten Kasachen aufgesucht werden.

Im Hotel Kapriz in Cholpon-Ata am Nordufer fühlen sich auch verwöhnte westliche Touristen wohl. Das Freizeitzentrum verfügt nicht nur über einen Strand mit Saunahütten, sondern auch über Hallenbad und ein gutes Restaurant, dazu komfortable Zimmer. Die Aussicht ist ein Hammer: Beim Sonnenuntergang leuchten die schneebedeckten Gipfel des Tienshan im See. Noch besser zu sehen auf einer Rundfahrt mit einem der zahlreichen Ausflugsboote.

Aug in Aug mit Adlern

Ein reißender Fluss fließt durch eine bewaldete Berglandschaft.
"Indian Summer", wie an der Ostküste Kanadas, erleben wir dann im kirgisischen Spätsommer bei einem Ausflug in den Grigorievka-Nationalpark, nah beim Nordufer. In schöneren Farben können Wälder und Pflanzen kaum leuchten. An den Ufern der Gebirgsbäche werden frische Forellen angeboten, entlang der Piste sitzen Imker gleich neben ihren Bienenstöcken und verkaufen köstlichen Honig. Einer von ihnen zeigt uns seinen prächtigen Jagd-Adler, der – gut abgerichtet und sehr freundlich – auch auf Touristenarmen kurz mal Platz nimmt. Für ein kleines Trinkgeld, versteht sich.
Zwei Soldaten in Uniform stehen Wache vor einem Denkmal.
Zurück in der Hauptstadt Bischkek fühlt man sich nach so viel Natur vom Beton der Sowjet-Architektur ein wenig erschlagen – obwohl sich zwischen den schachbrettartig angelegten Straßen viele Parks und sogar kleine Wälder ausbreiten. Während der Stadtrundfahrt sehen wir neben Präsidentenpalast, Parlament und Oper vor allem diverse Sieges-, Helden- und Revolutionsdenkmäler. Allerlei Kuriositäten und Souvenirs findet man am quirligen Osch-Markt, der allerdings nichts für Menschen mit Platzangst ist.

Orient im Ferganatal

Drei Frauen verkaufen Granatäpfel und grüne Trauben auf einem Markt.
Noch ursprünglicher und sehenswerter ist das Original, nämlich der größte offene Markt Zentralasiens in der südkirgisischen Grenzstadt Osch. Sie liegt am Rand des fruchtbaren, riesigen Fergana-Tals, eines der Zentren der Seidenstraße, und kann in einer Tagesreise von der usbekischen Hauptstadt Taschkent erreicht werden. Im Bazar kriegt man alles, was das Herz begehrt: Von wunderbarem Obst und Gemüse bis zum Schafskopf oder einem typisch kirgisischen, hohen und verzierten weißen Männerhut.

Die Einheimischen sind Touristen gegenüber meist offen und freundlich, obwohl Osch auch als wichtiger islamischer Pilgerort gilt. Gleich über der Sulejman-Moschee am Stadtrand liegt der gleichnamige, 1100 Meter hohe Berg, zu dessen Fuß Prophet Salomon begraben sein soll. Der Anstieg lohnt, in Höhlen und an Felswänden findet man antike Malereien, Kultstätten und kleinere Moscheen. Und die Aussicht am Gipfel über die ganze Stadt bis zu den Bergen am Horizont ist großartig.

* Seit der junge Staat entstanden ist, können sich viele Länder nicht auf eine genaue Übersetzung des Namens einigen. Das Original heißt "Kyrgyzstan", ausgesprochen " Kirgisistan". Diesem Naben geben wir deshalb auch den Vorzug gegenüber der verbreiteten Kurzform " Kirgistan" oder " Kirgisien".

Info

Eine Karte von Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und angrenzenden Ländern.
Anreise Am schnellsten mit Turkish Airlines, über Istanbul nach Bischkek oder Taschkent, tagesaktuelle Preise aufwww.turkishairlines.com. Keine Visumpflicht für Österreicher

Beste Reisezeit Juni bis September

Währung und Preise 1 € = ca. 70 Som. US-Dollar in bar mitnehmen. Essen und Trinken deutlich preiswerter als in Europa

Ernährung Aufpassen bei Teigtaschen mit Faschiertem sowie Salat, vor allem in wärmeren Gegenden und in Straßenküchen. Kein Leitungswasser trinken! In guten Hotels oder Yurten im Hochgebirge meistens kein Problem. Gemäßigter Islam, es wird auch gern Wodka getrunken

Gesundheit Magen-Darm-Medikamente mitnehmen. Reisende mit erhöhtem Blutdruck sollten für die Höhenlage vorsorgen. Warme Wäsche für kalte Nächte. Kopfbedeckung!

Sicherheit Von Reisen in den Süden des Landes rät das Außenministerium ab. Aufpassen im dichten Gedränge der Märkte

Souvenirs Gestickte Tücher, Filzteppiche, Honig, kirgisische Hüte

Pauschalreise Raiffeisen-Reisen bietet eine 17-tägige Rundreise UsbekistanKirgisistan „Im Herzen Zentralasiens “ mit allen hier beschriebenen Stationen ab 2995 € im Doppelzimmer mit Halbpension in guten Mittelklassehotels, inkl. Flügen mit Turkish Airlines, deutschsprachiger Reiseleitung, Reisehandbuch Zentralasien, an. Termine: 17. 9. 2016–3. 10. 2016 www.raiffeisen-reisen.at

Hotel Kapriz in Cholpon-Ata http://kapriz.kg/kapriz-issyk-kul

Infos Neu: deutschsprachiger Reiseführer „Kirgistan“, Drescher-Verlag, 19,50 €

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