Touristen-Nepp in Thailand

Schnellgerichte und Touristenpolizei sollen üble Tricks eindämmen.
Ein lächelnder Mann mit Hut sitzt vor einem Fahrradtaxi und hält eine Zeitung.

Es gibt sie, seit Touristen nach Thailand kommen: Die üblen Tricks, mit denen Besuchern das Geld aus der Tasche gezogen wird. Etwa zwanzig Millionen Menschen reisen jedes Jahr in das südostasiatische Urlaubsland. Und trotz aller Warnungen fallen viele auf die alten Maschen herein: Getränke, die auf einmal das Doppelte kosten, Ausflüge mit überraschenden Zusatzkosten - und sogar Drohungen.

Die Behörden haben für solche Fälle eigene Schnellgerichte geschaffen und Beamte der Touristenpolizei kümmern sich um Beschwerden der Betrogenen. "Wir informieren Einheimische und Touristen über die Vergehen und über ihre Rechte", erklärt Nattanan Jaisue vom Touristen-Gericht in der Stranddestination Pattaya. Trotzdem bekommt Thailand das Dauerproblem nicht in den Griff.

Zwei Touristinnen mit Rucksäcken suchen auf der Straße nach dem Weg, im Hintergrund Tuk-Tuks.
Tourists ask a "tuk tuk" taxi driver for directions along Khao San Road in Bangkok July 13, 2012. Last year Thailand saw a record 19.10 million tourists visiting the country and this year the Tourism Authority of Thailand is looking to break that record. But headlines over unsolved crimes against tourists, taxi scams and coastal pollution have left many wondering whether Thailand is neglecting its valuable tourism sector in exchange for short term gain. Picture taken July 13, 2012. REUTERS/Sukree Sukplang (THAILAND - Tags: CRIME LAW TRAVEL)
"Der Große Palast hat heute geschlossen": Das ist eine der ältesten und bekanntesten Nepp-Varianten in der Hauptstadt Bangkok. Ein wohlmeinender Tuk-Tuk-Fahrer oder Wachmann informiert den enttäuschten Besucher, dass das imposante Palastareal heute leider, leider nicht zugänglich sei. Aber wie wäre es mit einer Tour zu den anderen tollen Sehenswürdigkeiten? Diese endet unvermeidlich in einem Laden.

Was im Urlaub alles schiefgehen kann von A-Z

Eine Person hält eine goldene Armbanduhr und ein blau-weiß gestreiftes Tuch.

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Eine Bettwanze sitzt auf menschlicher Haut.

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Eine Frau mit Hut liegt am Strand auf einem Tuch.

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Eine Frau mit falschem Bart posiert mit einem Lauch in einer belebten Straße.

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Eine Hand hält ein kleines Buch mit dänisch-französischen Übersetzungen.

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Ein Palmenstrand mit weißem Sand und türkisfarbenem Wasser unter blauem Himmel mit Wolken.

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Eine Gruppe Männer springt ausgelassen in der Nähe eines Pools in die Luft.

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Ein junges Paar studiert eine Karte von Manhattan vor einem Gebäude.

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Die Vorderseite eines österreichischen Reisepasses.

Das Kreuzfahrtschiff „Delphin“ liegt vor der Küste einer Stadt mit einem markanten Kirchturm.

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Ein Reisender mit Gepäck steht vor einer Anzeigetafel mit Flugdaten auf einem Flughafen.

Warnstreiks bei Lufthansa
Ein Pool mit grünem Wasser in einer tropischen Ferienanlage.

Urlauber wählten die ekligsten Hotelpools
Eine Fußmatte mit der Aufschrift „Not Welcome!“.

Ein Eispickel liegt neben einem Fußabdruck im Schnee.

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Ein Universal-Reiseadapter mit verschiedenen Steckertypen.

Dort folgt Abzockerei Nummer zwei, das "Edelstein-Schnäppchen": Die exklusiven Stücke seien zu solch günstigen Preisen nie im Ausland erhältlich, versichern die Verkäufer. Das dumpfe Gefühl nach dem Kauf trügt selten: Die Steine sind oft minderwertig oder wertlos. Am Bangkoker Flughafen Suvarnabhumi sind Polizisten nur zu Bearbeitung von Edelstein-Beschwerden abgestellt, so weiteverbreitet ist dieser Betrug, sagt Kamol Chanpetch von der Touristenpolizei.

Will man ob dieser ärgerlichen Vorkommnisse Bangkok verlassen, droht der Besucher, am Hauptbahnhof Hua Lamphong in die "Alle Züge sind schon voll"-Falle zu tappen: Vermittler bieten ihre Hilfe beim Ticketkauf an, doch schnell erfährt der Reisende - die Züge seien alle ausgebucht. Aber zum Glück gäbe es ja Touristenbusse, die auch in die gewünschte Richtung fahren. Und da seien noch Plätze zu haben.

Reiseveranstalter und Diplomaten pochen seit Jahren auf härteres Durchgreifen der Polizei. Allerdings zeigt sich in vielen Fällen, dass einflussreiche Politiker oder sogar Polizisten mit den Banden unter einer Decke stecken. Die Militärjunta, die am 22. Mai die Macht übernommen hat, will rigoros dagegen vorgehen. "Wir wissen, dass es Polizisten gibt, die da mitmachen und Schmiergelder von solchen Banden nehmen", sagte ein Sprecher der Junta vor kurzem in Bangkok. "Es gab schon immer Programme, um gegen Korruption zu kämpfen. Aber wir gehen jetzt mit neuer Entschlossenheit dagegen vor." Auf der Ferieninsel Phuket laufen bereits Ermittlungen gegen einflussreiche Leute, darunter Politiker, wie der Polizeichef berichtete.

Erstmal am Strand in Pattaya oder Phuket anbekommen, droht Touristen Ärger wegen des "ruinierten Jet-Skis": Vermieter behaupten, der Tourist habe das Gerät beschädigt und verlangen oft exorbitanten Schadenersatz. Bei Nichtbezahlung wird mit der Polizei gedroht. Was der Tourist nicht weiß - den Schaden gab es schon. Touristen bezahlen, vor allem, weil sie ihre Reisepässe wiederhaben wollen. Diese mussten sie als Sicherheit hinterlegen.

Und noch besser aufpassen heißt im schwülen Nachtleben: Besuchern der Rotlichtviertel wird etwa der "Gratis Besuch einer Ping-Pong Show" angepriesen. Doch am Ende die böse Überraschung: Die Rechnung beträgt ein Vielfaches der Getränkepreise auf der Karte, die schlüpfrige Unterhaltung war wohl doch nicht so ganz kostenlos.

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