Trotz "Costa Concordia" hält der Kreuzfahrt-Boom an
Der KURIER hat sich bezüglich aktueller Buchungslage und neuer Sicherheitsbestimmungen bei den in Österreich beliebtesten Reedereien sowie Experten umgehört und Freizeitforscher Peter Zellmann um seine Einschätzung der Auswirkungen nach dem "Costa-Concordia"-Unglück gebeten.
Viele Buchungen
"Die Nachfrage nach Kreuzfahrten ist ungebrochen. Es buchen meist Wiederholungstäter, Erstkreuzfahrer seltener", sagt Manfred Jägersberger von Caravelle Seereisen. Helmut Maurerbauer von Gulliver’s Reisen verzeichnet ein stärkeres Interesse an qualitätsbetonten Kreuzfahrten: "Kleinere Boutiqueschiffe mit hohem Service-Standard verkaufen sich nach wie vor sehr gut." Auch Martin Bachlechner, Vorstandsdirektor der Verkehrsbüro Group, sieht derzeit bei fast allen Reedereien Buchungszuwächse, "diese sind aber geringer als in den Vorjahren. Der durchschnittliche Reisepreis liegt bei 1500 Euro für zehn Tage."
Mit großen Rabatten ist heuer nicht zu rechnen. "Preisnachlässe im Qualitätssegment sind nicht zu erwarten", stellt Sebastian Ahrens, Sprecher der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten, klar. Das sieht Alexander Gessl von FTI differenzierter: "Da die FTI Berlin, die ab Mai im Mittelmeer kreuzen wird, nur 206 Kabinen hat, können wir uns keine großen Preisnachlässe leisten. Um die Auslastung zu optimieren, wird es aber immer wieder zusätzliche Anreize wie z. B. Gutscheine für Getränke, günstige Anreisepackages oder ermäßigte Ausflüge geben."
Bezüglich neuer Sicherheitsstandards an Bord haben die Verantwortlichen bereits reagiert. "Das European Cruise Council, die Cruise Lines International Association und die Passenger Shipping Association haben mit sofortiger Wirkung eine neue Vorschrift für Seenotrettungsübungen in Kraft gesetzt", so Thomas Böhm, Geschäftsführer von MSC Kreuzfahrten in Österreich. Heißt, dass diese Übung noch VOR dem ersten Auslaufen des Schiffes und nicht wie bisher irgendwann innerhalb von 24 Stunden gemacht werden muss. Sollten Passagiere nach der Rettungsübung einschiffen, werden sie individuell oder in Gruppen über die Sicherheitsvorkehrungen informiert.
Kathrin Heitmann von Aida Cruises fügt zum Thema Sicherheit hinzu: "Jedes unserer Crewmitglieder durchläuft vor seinem Bord-Einsatz ein gründliches Training an Land, das mit einer Prüfung abgeschlossen wird. An Bord unserer Schiffe finden wöchentlich extrem sorgfältige Übungen statt. Jedes Crewmitglied hat seine feste Aufgabe während eines Notfalls – egal, welche Jobposition es am Schiff ausfüllt ."
Rosige Zeiten
Prof. Peter Zellmann vom Wiener Institut für Freizeit- und Tourismusforschung prognostiziert den Reedereien weiterhin rosige Zeiten: "In zwei bis drei Monaten werden die Leute das Costa-Concordia-Unglück vergessen haben. Selbst jene, die das erste Mal eine Kreuzfahrt planen, werden zwar kurz überlegen – und dann doch eine Kreuzfahrt im Herbst oder im kommenden Jahr buchen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Kreuzfahrten sind ein Trend, der nicht zu stoppen ist. Die Leute bekommen dabei genau das, was sie zunehmend wollen: in möglichst kurzer Zeit viel erleben, mobil und doch stationär sein. Entscheidend für das Buchungsverhalten ist, was Urlauber sagen, wenn sie von einer Kreuzfahrt zurückkommen – positive Erinnerungen sind immer stärker als negative."
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