Die langsame Eroberung des Chianti

Durch grüne Täler der Toskana zu historischen Städten und gutem Wein radeln.
Eine Gruppe von Radfahrern fährt auf einer Straße entlang eines Weinbergs.

Natur, Kultur und Chianti-Wein sind uns versprochen worden, viel Bewegung, aber auch jede Menge Genuss. Etwa 300 Kilometer, aufgeteilt auf sechs Etappen, gilt es zu bewältigen. Im Schnitt 50 Kilometer pro Tag, also eine bewältigbare Herausforderung für durchschnittliche Radfahrer.

Ein gelbes Gebäude mit einem Turm und Palmen an einer Promenade.
Ausgangspunkt ist Montecatini Terme, eine der elegantesten Kurstädte Italiens. Prendere l’acqua, also Kurwasser trinken, das hat schon Giuseppe Verdi in seiner Schaffenskrise geholfen. Feine Kuranstalten prägen das Stadtbild. Am Abend vor der Tour fassen wir Leih-Räder aus, abgestimmt auf Größe und Gewicht. Ein normales Rad für mich, ein E-Bike für meine Partnerin, die es bequemer mag. Um die Strecke möglichst problemlos zu bewältigen, bekommen wir eine präzise Routen-Beschreibung sowie eine detaillierte Karte. Zusätzlich habe ich mir die Rad- und Wander-App komoot besorgt. Deren Offline-Karten sind hilfreich, sollten wir uns verfahren.

Da Vinci Trail

Die erste Etappe führt uns auf den Spuren Leonardo da Vincis in den Geburtsort des Universalgenies. Auf Nebenstraßen fahren wir durch ein Naturschutzgebiet mit Tümpeln und Schilf-Gebieten. Dann beginnt die leichte Steigung. Im mittelalterlichen Vinci, malerisch auf einer Anhöhe gelegen, bestaunen wir eine originelle Sammlung von Maschinen und Modellen des Erfinders. Nach einer Stärkung geht es zurück nach Montecatini. Am nächsten Tag erkunden wir gleich zwei wunderbare Städte. Zuerst Lucca, mit großen Plätzen, romanischen Kirchen und mittelalterlichen Türmen einst Hauptstadt der Toskana. Auf der vier Kilometer langen Stadtmauer können wir sogar radeln.

In den Sand gesetzt

Der schiefe Turm von Pisa und die Kathedrale von Pisa unter blauem Himmel.
Weiter geht’s nach Pisa, wo wir bis zum berühmten Schiefen Turm in die Pedale treten. Dieser wurde 1173 vom Architekten Bonnano Pisano in den Sand gesetzt. Im Untergrund wurde ein nur drei Meter tiefer Sockel gesetzt. Viel zu gering. Um die Neigung auszugleichen, wurde gerade weitergebaut. Deswegen ist der Turm auch in sich schief. Durch Grabungen an einer Seite schuf man ein Gegengefälle, um den Turm langsam wieder aufzurichten. Gerade wird er allerdings nie werden.

Als wir am späten Nachmittag ins vorgebuchte Hotel kommen, sind die Koffer schon da. Jeden Tag stellen wir bis um 9 Uhr unser Gepäck zur Rezeption. Dann werden sie von Eurobike-Mitarbeiter Roberto mit dem Auto zum nächsten Etappen-Ziel transportiert. Das funktioniert perfekt. So haben wir genügend Wäsche zum Wechseln mit und müssen nur bei Bedarf die Rad-Klamotten waschen. Roberto gibt uns auch Tipps, wo wir fein essen können. Bei den Stadtspaziergängen kehren wir gern ein und genießen.

Ein Picknicktisch ist reichlich mit Speisen wie Wurst, Käse, Obst und Brot gedeckt.
Auf nach San Gimignano, wobei mir die Strecke dorthin wegen der Steigungen einiges abverlangt. Meine Freundin tut sich mit ihrem E-Bike dabei viel leichter. Etwa zehn Kilometer vor dem Ziel machen wir ein Picknick mit Weißbrot, Salami und Wasser. Der Rastplatz hoch droben ist ein weiterer guter Hinweis vom Veranstalter.
Menschen sitzen und gehen auf einem Platz in San Gimignano, Italien.
San Gimignano ist für mich der schönste Flecken unserer Rundfahrt. 72 Geschlechtertürme vermitteln heute noch von weitem den Eindruck eines großen Zaubers. Nächstes Ziel ist Siena, die Stadt der 17 Contraden, der traditionellen Stadtviertel-Gruppen. Der Palio, eines der härtesten Pferderennen der Welt, findet heuer übrigens am 2. Juli und am 16. August statt.

Durchs Chianti flitzen

Die Schlussetappe unserer Radtour führt ins Herz des Chianti und ist wegen der Steigungen im Hügelland rund um Greve noch einmal eine Herausforderung. Hier wächst dieser wunderbare Wein, geschützt durch das Emblem des "Gallo Nero", des Schwarzen Hahns. Die Etrusker hinterließen viele Spuren, auch den Weinbau betreffend.

In Greve schließlich hievt unser Betreuer Roberto unsere Räder auf den Trailer und es geht, wegen der stark befahrenen Straße, ganz bequem im Bus nach Florenz. Abends streunen wir durch die Stadt und landen in der umgebauten Markthalle in einem der vielen tollen Lokale. Wir haben die Strapazen der Tour gut überstanden, lassen noch einmal die Erlebnisse Revue passieren und feiern unsere Tour de Chianti ausgiebig mit Pasta und Rotwein.

Info

Eine Karte der Toskana, Italien, mit hervorgehobenen Städten wie Florenz, Pisa und Siena.
AnreiseZ. B. per Flug von Wien nach Florenz (NIKI, AUA, Alitalia). Bus vom Flughafen nach Montecatini. Oder mit Pkw, Bahn.

Tour-Details 300 Radkilometer, 7 Tage, Übernachtungen in 3*- und 4*-Hotels mit Frühstück, ausgiebige Reiseunterlagen, Kartenmaterial, Gepäcktransfer: ab 685 €/P/DZ, EZ-Zuschlag 219 €, Leih-Rad 75 €, Leih-Elektrorad: 170 €. Man kann aber auch sein eigenes Rad mitbringen.
– Termine: von April bis Oktober. Frühling und Herbst sind zum Radeln am besten geeignet. Für Notfälle und kostenlosen Pannendienst ist vor Ort eine Service-Hotline eingerichtet.

Details auch zu anderen Radreisen bei Eurofun-Touristik, Mühlstraße 20, 5162 Obertrum, Tel: 06219/ 7444, eurobike@eurobike.at, www.eurobike.at

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