Tafeln wie einst Maria Theresia
Barockfeste waren so legendär wie üppig. Bescheidenheit war keine Zier: Beim Eingang erwarteten die Gäste kunstvolle Darstellungen der zwölf Sternzeichen aus Zuckerguss. Eine künstliche Insel im Schlossteich tauchte scheinbar aus dem Nichts auf und trieb auf die geladenen Adeligen – allen voran Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen – zu. Orangenbäumchen waren zu einem Zaun drapiert und die Früchte zwar Dekoration, aber mit Orangeneis und -konfekt gefüllt. "Man hat sich die Mühe gemacht, die Früchte auszuhöhlen, neu zu befüllen und wieder zu befestigen," erzählt die Historikerin Birgit Lindner.
Mit diesen in zeitgenössischen Berichten festgehaltenen Szenen des großen Barockfests auf Schloss Hof im Jahr 1754 wurde die Latte für die Wiederauflage anno 2012 hoch gelegt. Lindner: "Auch wenn wir das, was damals geboten wurde, trotz besserer technischer Möglichkeiten nicht umsetzen können." Das Barockfest sei die einmalige Gelegenheit, in die Opulenz barocker Inszenierungen einzutauchen: Reifröcke, Perücken, barocke Musikensembles, Menuett-Tänzer, Gaukler und ein großes Feuerwerk.
1754 war Prinz Joseph Friedrich von Preußen Eigentümer des Schlosses. Der Ex-Mann von Prinz Eugens Nichte, die Hof geerbt hatte, wollte das Schloss verkaufen und ließ es deshalb herausputzen: Für das viertägige Fest gab er die exorbitante Summe von 60.000 Gulden aus. Zum Vergleich: Das Jahresgehalt der höchsten Beamten des Reichs betrug 4000 Gulden. Die Rechnung ging auf. Kurz darauf kaufte Maria Theresia das Schloss. Lindner schmunzelt, während sie das erzählt. "Man könnte sagen: Es war das erste Verkaufsfest der Geschichte."
Die Tafel war einer der Hauptbestandteile eines barocken Fests. "Die überbordende Obst-Skulpturen waren nur zur Deko gedacht. Ebenso wie die Servietten. Äußerst kunstvoll gefaltet, wurden sie keinesfalls zum Abwischen benutzt. Alles war als Gesamtkunstwerk gedacht." Das betraf auch die Speisenfolge. "Pasteten wurden zu Figuren und Wappen geformt. Manchmal waren sie innen hohl und beim Öffnen flogen Tauben heraus oder Häschen hoppelten über die Tafel. Alles zur Belustigung der Gäste."
Das und die für unsere Gaumen wohl gewöhnungsbedürftige Überwürzung der Speisen wird Caterer Trabitsch den heutigen Gästen wohl ersparen. Die kredenzten Buffet-Variationen lassen die barocke Küche aber erahnen.
Manche Tafelbräuche werden beim Barock-Fest am 30. Juni allerdings nicht umgesetzt – auch wenn sie sich im Sprachgebrauch bis heute erhalten haben. Denn unser bekannter Begriff "die Tafel aufheben" kommt aus jener Zeit.
Lindner: "Die Tafel richtete sich nach der Anzahl der Gäste. Dafür wurden Tischplatten in der jeweiligen Größe auf Tischbeine gelegt. War das Essen vorbei, wurde die Tafel im wahrsten Wortsinn aufgehoben und weggebracht."
Was barocken Gaumen mundete
Das Barockzeitalter lässt sich auch am heimischen Herd erschmecken. Auffallend ist die Vorliebe für Suppen. "Maria Theresia war ein großer Suppenfan", erzählt Cornelia Fäth von Schloss Hof. "Bei jeder Mahlzeit mussten drei bis vier serviert werden." Dementsprechend groß ist die Rezeptsammlung. In einem der Kochbücher fanden Historiker kürzlich das Originalrezept einer "Chocolate-Suppe": Erstlich wird das Mehl schön braun in einer Rein gelind, treibe es mit kalter Milch ab. Alsdann bereite so viel siedende Milch, als man Suppen brauchet, nimm gefahten Zimmet, und Ciocolate, rühre es besonders mit siedender Milch ab, thue darein Zucker nach Belieben, auch frische Butter. Diese Suppen kan man auch ohne Cioccolate machen, es muss aber mehrer Zimmet genommen werden.
Einen Nachkoch-Versuch ist auch die Weinschaumsuppe wert, die Fäth für KURIER-Leser ausgegraben hat.
Zutaten (sechs Portionen 0,25 Liter Weißwein oder alkoholfreier Apfelwein, ein Esslöffel Kartoffelmehl oder Maizena, zwei frische Eier, 0,6 Liter ausgekühlte Fleischbouillon, 0,15 Liter aufgeschlagenes Schlagobers, Salz, Pfeffer, Schnittlauch (Garnitur).
Zubereitung Alle Zutaten der Reihe nach mit dem Schwingbesen des Mixers unter die Bouillon rühren. Bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren fast zum Kochen bringen. Topf vom Herd ziehen, eine Minute weiterrühren. Obers darunterziehen, leicht erwärmen, würzen und servieren.
Barockfest: Schloss Hof einst und jetzt
Geschichte
Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) kaufte Schloss Hof 1725 und ließ es zum Jagdschloss und zur Sommerresidenz ausbauen. Er vererbte es seiner Nichte Anna Victoria, die es ihrem 20 Jahre jüngeren Ehemann Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen als Morgengabe schenkte. Die Ehe scheiterte, der Prinz konnte sich das Schloss nicht mehr leisten und veranstaltete 1754 das große Barockfest, um es an den Mann zu bringen.
Gegenwart
Das große Barockfest "Im Rausch der Blüten" findet am 30. Juni 2012 ab 18 Uhr auf Schloss Hof ( Niederösterreich) statt. Eintritt in barocker Kostümierung: Abendkarte (inkl. Aperitif) 49 €, Gourmetkarte (inkl. Aperitif, Sitzplatzreservierung, Barockmenü, eine Flasche Wein und Mineralwasser) 99 €. Shuttlebus (ab Wien Schwedenplatz, 17 Uhr) Infos und Buchung: 01/798 29-00. www.schlosshof.at
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