Südstaaten-Trip: Elvis, Cola, schräge Vögel

Zwischen Memphis und Atlanta begegnen dem USA-Besucher jede Menge Amerika-Klischees und viele Musik-Stars. Auch ein Stück Pseudo-Bayern liegt auf dem Weg.

Elvis, The King. Der Blues der schwarzen Baumwollpflücker. Der Mississippi, dieser unbezähmbare Fluss, der Generationen von Afroafrikanern zugleich Lebensgrundlage und Verderben brachte. Country-Stars wie Dolly Parton und Johnny Cash. Baumwollfelder und putzige Holzhäuser wie im Film "Vom Winde verweht". Und jede Menge schräge Typen: Wer die amerikanischen Südstaaten von Atlanta nach New Orleans mit Mietauto erobert, erlebt amerikanische Klischees hautnah. Der KURIER hat sich auf der Etappe Memphis–Atlanta in den "American Dream" eingeklinkt. Küsserkönig Elvis lebt. Ich habe ihn gesehen. In der Bar 152 in der Beale Street in Memphis, Tennessee. Ziemlich blutleer, aber mit Schmalzlocke hat er sein "Love me Tender" zu Begleitmusik aus der Konserve heruntergespult. Dafür ist dieser Elvis der perfekte Küsserkönig: Seine etwas überwuzelten Fans stellen sich wie in der Kirche an, um sich küssen zu lassen. Schräge Elvis-Kopien wie diese trifft man in Memphis, der Hauptstadt des Blues, häufig. Wer, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit, durch die Beale Street schlendert, kann gar nicht anders als im Sound mitzuswingen. In fast jedem Lokal spielen Livebands, auch auf der Straße erklingen die guten alten Songs. Begnadete Streetdancer schlagen ihre Räder in der Fußgängerzone und sammeln mit Kübeln ihre Gage ab. Sweet Home, Alabama. Eine Sängerin mit ausladender Oberweite singt sich beim Nachtmarkt der Afroamerikaner ihre schwarze Seele aus dem Leib, während man bei den Standeln Klamotten und Souvenirs erstehen kann. In einem Laden neben B.B. King’s Blues Club kann man furchtbar hässliche Elvis-Porträts und Klobrillen in Gitarre-Form kaufen. Auf jeden Fall sollte man B.B. King’s Kneipe einen Besuch abstatten. Selten, aber doch kann man hier den Altmeister des Blues persönlich antreffen, jeden Abend aber sensationelle Musiker. Für nur 5 $ Eintritt. Abseits der Beale Street ist Memphis ein großes Kaff. Die Straßen sind menschenleer, die Nostalgie-Bim zuckelt durch die Main Street. Das Rock’n’Soul Museum verschafft Überblick über die Highlights der US-Musikgeschichte von den Songs der Baumwollpflücker bis zu Größen wie W.C. Handy, dem Father of Blues, und Elvis. Ein Muss für Memphis-Besucher ist Graceland, das Elvis-Anwesen, in dem man dem King berührend nahekommt – man blickt in seine Küche mit Spannteppich, sieht sein knallgelbes Fernsehzimmer mit drei TV-Geräten und seinen Jungle Room mit Gitarre und Riesen-Teddy, kann in seinen Privat-Jet steigen und sein Grab besuchen. Elvis-Fans sollten auch die Sun Studios besuchen, wo Presley für ein paar Dollar die erste Schallplatte aufgenommen hat – einen Geburtstags-Song für Mama. Tipp: Bei der letzten Tour des Tages um 17.30 Uhr ist der Andrang meist nicht ganz so groß. Einige Stunden später in Nashville im legendären Studio B, einem hässlichen Plattenbau. Keith Wright, Marketing-Direktor der Hall of Fame, sitzt am schwarzen Flügel, an dem Elvis viele seiner Welthits einspielte. Und Keith erzählt von jener April-Nacht des Jahres 1960, als Elvis hier bis drei Uhr Morgens sein "Are You Lonesome Tonight" aufnahm. Keith dreht das Licht ab wie damals Elvis, spielt den Song. Wir sitzen im Dunkeln, starren aufs Klavier. Ehrfürchtiges Lauschen. Ich kann Elvis fühlen. Der letzte Ton verklingt, Keith dreht das Licht wieder auf. Dann lädt er uns ein, selbst am Klavier zu klimpern. Aber die Ehrfurcht ist zu groß. 35.000 Songs wurden im Studio B zwischen 1957 und 1977 aufgenommen, rund tausend wurden Nummer-eins-Hits. Im Vergleich zu Memphis wirkt Nashville, die "Hauptstadt des Country", gerade zu großstädtisch. Auch hier dreht sich alles um Musik: Hunderte mehr oder weniger ambitionierte Musiker aus aller Welt versuchen hier täglich ihr Glück, ... ... treten in den Musiklokalen am Broadway von Nashville auf und verschenken ihre CDs, in der Hoffnung, entdeckt zu werden und irgendwann mal in der Grand Ole Opry Show aufzutreten oder gar in der "Country Music Hall of Fame" zu landen. Dieses Museum ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern beherbergt auch die Goldenen Schallplatten der wichtigsten Musikgrößen von Chat Atkins bis Dolly Parton sowie das größte Musikarchiv der Welt. Die Besucher bekommen nicht nur viele Musikbeispiele zu hören, sondern können sich auch in die Biografien der Stars vertiefen. Zu sehen gibt’s auch Luxuskarossen – etwa ein Pontiac des Honky-Tonk-Sängers Webb Pierce im Cowboy-Look samt Revolver und Sattel – oder auch das vergoldete Klavier, das Elvis Presley von seiner Frau zum Hochzeitstag geschenkt bekam. Nicht nur hochkarätige Musik, auch Hochprozentiges hat die Region zu bieten: Der Ort Lynchburg lebt von der "Jack Daniel’s"-Destillerie. Die Souvenirläden sind voll mit Gläsern, Möbeln, Christbaumkugeln und Schachfiguren mit Whiskey-Emblem. Doch weit und breit kein Whiskey! Lynchburg liegt in einem "dry county" (alkoholfreien Bezirk). Bei der Führung durch die gigantische Destillerie wächst der Gusto auf das unverwechselbar rauchige Aroma des Jack Daniel’s, aber am Ende wird nur Limonade serviert. Feuchtfröhlicher geht’s in Helen zu. Der Ort gibt sich als bayerisches Alpendorf – mit Fachwerkhäusern, die "Hansel und Gretel" oder "Loreley" heißen, mit Restaurants, die Weißbier und Würstel mit Sauerkraut auftischen, mit Volksmusik-Berieselung und einer Halle, in der von September bis November das längste Oktoberfest der Welt gefeiert wird. Da wünsche ich mir wieder echtes Amerika. Madison, das "schönste Dorf Amerikas", bietet Antebellum-Architektur: Südstaaten-Holzhäuser, die vor dem Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert errichtet wurden. Und in Atlanta erfahre ich, dass Coca-Cola nicht überall auf der Welt gleich schmeckt: In der World of Coca-Cola gibt’s 40 Sorten zu verkosten. Noch beeindruckender ist das Georgia Aquarium: Man streichelt Rochen, beobachtet Walhaie und kann mit Weißwalen schwimmen. Reiseplanung

– Reise mindestens ein halbes Jahr vorher buchen, um günstige Flüge und Hotels zu bekommen.

– Tagesetappen nicht zu lange planen. Sie brauchen auch Zeit für Besichtigungen und Ruhepausen. Es lohnen sich auch Abstecher über landschaftlich interessante "Scenic Routes". – Wohnmobil oder Mietauto? Mietautos sind flexibler, Wohnmobile bieten mehr Abenteuer-Flair, sind aber kaum billiger, Campingplätze sind außerhalb der Stadt und oft ausgebucht. In jedem Fall sollten nicht zu kleine Fahrzeuge gebucht werden (Gepäck!). Reservierungen besser über österreichische Vermietungen, da die Autos in den USA oft nicht ausreichend versichert sind. Buchtipp 

Iwanowski’s "USA -Süden": Reiseführer mit vielen Tipps und 14 Routenvorschlägen für zwei- bis vierwöchige Trips. 
10. Auflage 2011, 26,70 Euro, 
www.iwanowski.de Lokal-Tipps

Memphis:
– Blues City Café: Rosa Luxus-Karosse an der Wand und die besten Ribs der Stadt am Teller. www.bluescitycafe.com
– The Arcade Restaurant: das älteste Café der Stadt wurde 1919 eröffnet, diente mehrfach als Filmkulisse. Feines amerikanisches Frühstück mit Eierspeise ab 7,50 USD. www.arcaderestaurant.com
– B.B. King’s Blues Club: Wer im Lokal der Blueslegende nicht zu den heißen Rhythmen der Livebands getanzt hat, ist nicht in Memphis gewesen!
www.bbkingclubs.com Nashville:
– Bluebird Café: Hier hoffen jeden Abend mehr oder
weniger große Musiktalente entdeckt zu werden. Reservierung nötig! www.bluebirdcafe.com

Helen:
– Hofer’s Bakery-Konditorei–Café: Essen wie bei den Bayern – z. B. Bratwurst und Bauernschmaus mit Sauerkraut. www.hofers.com
– Nacooche Grill: super Steaks vom offenen Feuer, romantisches Flair. www.nacoocheegrill.com Infos

www.visit-usa.at
www.georgia-usa.de
www.memphis-mississippi.de
www.tennessee.de

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