Sudan/Südsudan: Krieg um Öl-Reserven

Bei Luftangriffen der Nord-Armee starben angeblich 1200 Soldaten des Südens. Dieser spricht von einer "Kriegserklärung".
Ein Mann in Militärkleidung steht vor einem zerstörten und brennenden Dorf.

Im Vorjahr hatten sich die beiden Regionen friedlich voneinander getrennt: Der schwarzafrikanische Südsudan spaltete sich vom arabisch-dominierten Sudan ab. Doch jetzt bekriegen sich die zwei Staaten – wie so oft geht es um Bodenschätze, in diesem Fall um Ölfelder an der Grenze. Die UN und die Afrikanische Union sind äußerst besorgt.

Zur Vorgeschichte: Vor zwei Wochen hatten Soldaten des Südens das ertragreiche Ölfeld Heglig besetzt. Der Norden reagierte mit Bombenangriffen, weite Teile der Anlage wurden zerstört. Am Wochenende zog der Südsudan seine Truppen ab – angeblich fielen 1200 Uniformierte. Zugleich aber beansprucht der Süden das Gebiet weiterhin, obwohl 2009 ein internationales Schiedsgerichtsverfahren in Den Haag das Gebiet dem Norden zugeschlagen hat.

Kampfjets

"Die Regierung im Süden versteht keine andere Sprache als die der Waffen", sagte Sudans Staatschef Omar al-Bashir bei einem Besuch in Heglig. Weitere Verhandlungen über den noch strittigen Grenzverlauf lehnte er ab. Stattdessen schickte er zu Wochenbeginn Kampfjets, die eine Brücke bei der südsudanesischen Stadt Bentiu ins Visier nahmen und auch einen Markt in der Nähe bombardierten. Über Opferzahlen lagen zunächst keine Angaben vor.

Südsudans Präsident Sava Kiir, derzeit zu Besuch in Peking, sprach von einer "Kriegserklärung". Verkompliziert wird die Lage durch Rebellengruppen dies- und jenseits der Grenze, die gegen die jeweilige Regierung kämpfen und von der jeweils anderen unterstützt werden.

Nach der Abspaltung verfügt der neue Süd-Staat zwar über drei Viertel der Ölfelder, ist aber auf die Pipelines des Nordens angewiesen. Über diese wird das Rohöl zum Hafen Port Sudan gepumpt und exportiert. Diese Ausfuhren sind de facto die einzige Einkommensquelle des Südsudan.

Im vereinten Sudan hatten sich der Norden und der Süden über Jahrzehnte einen blutigen Bürgerkrieg geliefert. Zwei Millionen Menschen fielen den Kämpfen zum Opfer. 2005 wurde ein Friedensabkommen geschlossen. 2011 votierten 99 Prozent der Südsudanesen für die Unabhängigkeit.

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