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Sprachreise
08/19/2014

Italienisch lernen mit Puccini

Lucca bildet für Sprachreisende die perfekte Kulisse, um sich mit Land und Leuten rasch vertraut zu machen.

Umgeben von einer 4,2 Kilometer langen mittelalterlichen Stadtmauer zeigt sich Lucca zunächst einmal von seiner abgeschotteten Seite. Doch sobald man eines der vier Tore passiert und sich auf die Vielfalt von mittelalterlichen Gassen und wunderbaren Plätzen eingelassen hat, beginnt das Staunen.

Altes Kopfsteinpflaster und Vogelgezwitscher inmitten der Stadt, kein Autolärm hallt durch die Gassen, sie sind zu schmal dafür. Schlendern und schauen ist angesagt: Mehr als fünfzig meist romanische Kirchen laden zum Verweilen ein, manche davon dunkel und mystisch. Besonders beeindruckend die Basilika San Frediano. Die Statue von Giacomo Puccini auf der Piazza Cittadella ist ein beliebtes Fotomotiv. Gleich um die Ecke steht das Geburtshaus des berühmten Komponisten, im 2. Stock des Hauses ist ein Museum untergebracht.

An den Fassaden der meist ineinander verwachsenden Häuser mischen sich unterschiedliche Baustile. Dazwischen sind Elemente der ursprünglichen Stadtmauer zu sehen oder es lassen sich die Reste ehemaliger Türme – im Mittelalter gab es bis zu 130 davon – erkennen. Kleine Familienbetriebe und Boutiquen zeigen ihre individuelle Linie und mit Freude stellt man fest, dass es fernab der großen Modeketten doch noch so etwas wie typisch italienische Mode gibt.

Kulinarisch werden die Lucca-Besucher mit Gemüse- und Bohnen-dominierter Küche verwöhnt. Dazu frisch gepresstes Olivenöl und zum Nachtisch eine Tarta di verdura. Diese Torte aus Spinat und Nüssen verführt sogar die härtesten Verweigerer süßer Spezialitäten.

Sprachschule Koine

In einem antiken Palazzo in der Altstadt ist Pauken angesagt – hier befindet sich die Sprachschule Koine. Nach einem Einstufungsgespräch wird man der passenden Gruppe zugeteilt. Wir sind zu fünft, ein australisches Ehepaar, zwei Deutsche und eine Österreicherin. Land, Leute und die italienische Küche sind die wesentlichen Motivationen, um die Sprache zu erlernen. Zumindest in unserer Gruppe, die sich altersmäßig zwischen vierzig und sechzig Jahren bewegt. In der Nebengruppe befinden sich junge Spanierinnen, eine Französin und eine Schweizerin. Vor Kurzem haben sie ihr Studium beendet und nun nützen sie die Zeit, um sich eine zusätzliche Fremdsprache anzueignen.
Maddalena, unsere Lehrerin, erweitert mit einem guten Mix aus Theorie und praktischen Übungen und mit viel Charme das von uns mitgebrachte Vorwissen. Manchmal verlassen wir dafür die gut ausgestatteten Lehrräume, um ganz lebenspraktisch zu lernen. In einem Negozio werden wir in die unterschiedlichsten Weißbrotsorten eingeführt, in einer Marchelleria bestaunen wir die Riesenmordatella und auf dem alten Obst- und Gemüsemarkt wird ebenso das Lernen mit allen Sinnen angeregt. Der Unterricht findet von 9 bis 13 Uhr statt, an manchen Tagen gibt’s zusätzlich auch Nachmittagsangebote.

Wo es die besten Pizzaecken gibt und in welcher Bar sich die Studenten am Abend treffen, erfährt man bei einem von der Schule organisierten Stadt-Rundgang.

" Puccini und die Frauen" heißt ein Vortrag, der ebenfalls von der Sprachschule organisiert wird. Wunderbare Arien aus seinen Opern werden vorgespielt und die Position der Frauen in seinen Stücken erklärt. Selbst wenn das Verständnis für die italienische Sprache noch nicht für die Details reicht, die wesentlichen Punkte meint man mitzubekommen. Zumal sein Privatleben nicht minder spannend war. Da gab es die Ehefrau, die erst nach Jahren diese werden konnte, da sie bereits verheiratet war. Dann die vermeintliche Geliebte, die von der Ehefrau verjagt wurde und Selbstmord beging und den Maestro selbst, der sich in einem Brief an einen Freund beklagte, dass bei seiner Arbeit nichts weitergehe. "Un grande scandale", sagt die Frau im Museum. Neugierig geworden sitzt man mit dem Wörterbuch in einer der vielen kleinen Bars und versucht Puccinis Lebensgeschichte zu entschlüsseln. Es ist alles noch verworrener und mindestens so dramatisch wie ein Opernwerk.

Um nach soviel Spannung den Kopf wieder frei zu bekommen, empfiehlt es sich auf den Turm Guinigi zu steigen und einen wunderbaren Rundblick über die Stadt und das toskanische Hügelland zu genießen.

Anreise Z. B. mit dem Nachtzug von Wien nach Florenz (www.oebb.at), weiter mit Bus oder Bahn nach Lucca. Die Züge von Florenz nach Lucca fahren fast jede Stunde, Fahrtzeit ca. 1,5 Stunden. Schneller geht es mit dem Bus ab dem Busbahnhof nahe des Bahnhofs. Schneller geht es mit dem Bus ab dem Busbahnhof nahe des Bahnhofs.
– Flüge von Wien nach Florenz offerieren Austrian und Air Berlin. Weitere Möglichkeit: Flug über Rom nach Pisa. Der Flughafen von Pisa liegt ca. 20 km von Lucca entfernt. Von dort weiter mit Bus oder Bahn nach Lucca.

Sprachschule Das Koine Sprachcenter in Lucca wurde 1989 gegründet. Weitere Koine-Kursorte sind Bologna, Florenz und Camogli auf der Halbinsel Portofino. Das didaktische Konzept ist auf eine möglichst rasche und praktische Umsetzung des Gelernten ausgerichtet. Neben dem Standardkurs mit vier Unterrichtsstunden am Tag werden auch Gruppen- und Einzelunterricht offeriert. Zusätzlich bietet die Schule auch themengebundenen Unterricht (Kultur, Wein, Essen) sowie organisierte Freizeitprogramme (Vorträge, Ausflüge). Sprachkurse werden ganzjährig angeboten. Eine Kurswoche mit 20 Unterrichtsstunden kostet 230 €. www.koinecenter.com

Unterkunft Während der Sprachreise kann man bei einer Gastfamilie wohnen, in einem Appartement (alleine oder in Form einer Wohngemeinschaft) oder in einem Hotel. Die Schule ist bei der Suche behilflich. Wer sich für ein gemütliches Hotel in der Altstadt entscheidet, ist in dem familiär geführten Piccolo Hotel Puccini gut untergebracht. www.hotelpuccini.com

Aktivitäten Herbst & Frühling eigenen sich hervorragend, um einen Sprachkurs mit Wandern & Sightseeing zu verbinden. Im Sommer lohnt der Ausflug an das Tyrrhenische Meer. Das Seebad Viarregio liegt eine halbe Stunde von Lucca entfernt, ist gut per Bahn erreichbar.

Auskunft www.luccaonline.it/de/tourismus-lucca.html

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