Schräge Typen, edle Schweine
E s muss nicht immer die Südsteirische Weinstraße sein. Auch weiter östlich, im Raum Gleisdorf, wartet das "grüne Herz" Österreichs mit allerlei Genüssen auf. Die Winzerhöfe sind dort nicht so überlaufen, sie liegen auch nicht so aufgefädelt wie in der Nachbarregion, sondern idyllisch-versteckt im sanften Hügelland. Mit mehr Traktoren im Gegenverkehr als Weintouristen. Aber auch hier ist die Steiermark innovativ, wie ich beim Kurzbesuch feststellen konnte.
"Ab in den Saustall" heißt’s etwa seit voriger Woche auf einem sanften Hügel bei Auersbach: Schweinezüchter Franz Habel lockt stolz in seine neue "Vulcano Ursprung Schinkenwelt". Kernstück ist ein zweistöckiges Besucherzentrum mit Verkostungs- und Verkaufsräumen. Allzu viele "Erlebnisse" darf sich der Besucher freilich nicht erwarten: Zuerst verrät Märchenerzähler Folke Tegetthoff in einem aufwendig gemachten Trickfilm über mehrere Bildschirme die Geschichte des Schinkens, dann zeigen Schautafeln einiges über Schweinearten, Tierhaltung und Fütterung, ehe man einen Blick ins Freigelände des Saustalls werfen kann. "Wir halten hier etwa 200 Schweine", so Habel. Eine überdimensionale Schinken-Nachbildung aus Holzscheiben schaut weniger appetitanregend aus als die sauteuer produzierte Multimediashow unter dem Verkaufsraum. Gezeigt wird das steirische Vulkanland im Wandel der Jahreszeit zu stimmungsvoller Musik, immer wieder flattern Schinken ins Bild, endlich hebt sich die Leinwand und der Reiferaum mit den echten Vulcano-Schweineschinken wird sichtbar. Und dann geht’s zum Einkaufen: Schinken, Salami, Datteln mit Schinken ummantelt, Weine, ... Saugut, aber das war’s dann. Kein Kinderspielplatz, keine Action rund ums Schwein,
Sauteurer Apfelschnaps
Ganz und gar ohne moderne Technik kommt in der Apfelland-Gemeinde Puch das "Haus des Apfels" aus: Obstbauer Josef Kelz zeigt hier unter anderem alte Obstpressen, bietet diverse Apfelsorten zur Verkostung an – als Frucht oder Saft. Immer wieder schlüpft er in seine pseudo-mittelalterliche Apfelmann-Tracht und lädt als einer der 15 Apfelmänner zum Verkosten des sauteuren Apfelschnapses "Abakus" ein. Für 104,44 € pro Flasche kauft man aber nicht nur feinsten Edelbrand, sondern auch das Gefühl, Mitglied eines erlesenen Zirkels zu sein.
Ein solches Brimborium kostet den unkonventionellen Winzer Alfred Ploder ein müdes Lächeln. Er empfängt mich mit Glatze, Weinflaschen-Flinserl im Ohr und harschem Ton in seinem Weingut in St. Peter/Ottersbach: "Jetzt kommst, wo unser Wein in den Geburtswehen liegt?!!!! Besucht man eine werdende Mutter im Kreißsaal????" Das war wohl als Scherz gemeint. Ploder nimmt sich viel Zeit, seine Philosophie des biologisch-dynamischen Weinbaus zu erklären: Dass er immer mehr Mut zu alternativen Pflanz- und Verarbeitungsmethoden aufbringt – etwa durch den Anbau von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten. Fazit: Eine ungewöhnliche Weinverkostung mit schrägen Geschmackserlebnissen!
Klassisch geht’s beim Winzer Johann Lang zu. Er präsentiert beim Picknick in St. Johann/Herberstein in Römer-Kluft seine Römerstraßen-Weine mit dem Prädikat "Urbanus".
Neue Wege geht hier der experimentierfreudige Kochkünstler Felix Allmer in seinem Gasthof aus dem 17. Jahrhundert. Der 35-jährige serviert etwa Fisch, der im Speckmantel auf dem Teller steht oder eine elastische Feder aus Zucker zum Dessert.
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