Schneemangel: Skigebiete stehen "Kanone bei Fuß"
In Österreichs
Skigebieten kämpft man derzeit verzweifelt um jedes Flankerl Schnee. Sobald in der Nacht und in der Früh die Temperaturen tief genug sind, laufen die Schneekanonen auf Hochtouren. Und doch ziehen sich vielerorts nur mickrige weiße Bänder über die grünen Pisten. Erst zum Wochenende hin scheint eine Wetteränderung in Sicht.
Panik wegen verpatzter Ski-Openings scheint aber noch nicht ausgebrochen zu sein - selbst wenn die Webcams viele braune Wiesen zeigen. "Den Lift-Teilbetrieb konnten wir dieses Wochenende zwar noch nicht starten", sagt beispielsweise Mario Siedler, Touristiker in Obertauern in Salzburg. "Aber das offizielle Ski-Opening in einer Woche mit den Leningrad Cowboys (26. November) findet auf alle Fälle statt. Wir haben etwa alle zehn Jahre um diese Zeit zu wenig Schnee."
Skispaß in der Höhe
In Schladming, im Skigebiet Planai/ Dachstein, ist das offizielle Opening mit 3. Dezember geplant. Liftbetrieb gibt es aber schon jetzt. "Auf der Planai fährt ein Lift, am Dachsteingletscher laufen drei Schlepplifte", sagt Hermann Gruber vom Tourismusverband. Und vor einer Woche lockte das schöne Wetter sogar mehr als 2000 Snowboarder zum "Pleasure jam". "Sonst gibt es im November oft Schneestürme."
Über den Verlauf der Saison macht sich Gruber jedenfalls keine Sorgen. "Wir haben ab
Weihnachten so viele Vorreservierungen wie noch nie. Und die Grundbeschneiung der Pisten mit Kunstschnee müssen wir ohnehin machen."
Entspannt sieht man auch im Tiroler Paznaun dem Saisonauftakt am kommenden Wochenende entgegen: "Am 25. November sperren die Lifte auf, und am 26. findet das Konzert mit Roxette am Sportplatz in Ischgl statt", erklärt Josef Kurz vom Tourismusverband Paznaun-Ischgl. Dort präsentieren sich auch die Pisten übrigens bereits tief winterlich. "Unser Skigebiet liegt ja zu 90 Prozent über 2000 Metern, deshalb konnten wir mit unseren 1028
Kanonen schon fleißig beschneien."
Das große Zittern
Beim Tourismusverband Kitzbüheler Alpen hofft man hingegen ebenso auf ein Sinken der Temperaturen, um die noch aperen Pisten bald beschneien zu können, wie im Kühtai,
Österreichs höchstem Skiort auf 2020 Metern (und ab 13. Jänner einer der Schauplätze der ersten Olympischen
Jugendwinterspiele). "Derzeit ist noch offen, ob zwei bis drei Lifte zur Voreröffnung am Samstag in Betrieb gehen können", sagt Bergbahnen-Kühtai-Geschäftsführer Philip Haslwanter. Für die Eröffnung am 2. Dezember ist er aber guter Dinge.
Ähnlich sieht man auch bei den Kärntner Bergbahnen Nassfeld dem geplanten Saisonauftakt am 3. Dezember entgegen: "Derzeit ist es noch zu warm, wir haben ja nachts plus 2 Grad. Aber sobald die Temperaturen sinken, stehen wir Kanone bei Fuß", verspricht Christopher Gruber.
Prognose: Ungewöhnliche Trockenperiode
Einen Innsbruck-Rekord vermeldete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 100 Jahren gab es in mehr als 30 Tagen keinen Niederschlag. "Und aus heutiger Sicht ist es gut möglich, dass es in Nordtirol bis Ende November trocken bleibt", sagt
Susi Lentner von der ZAMG in Innsbruck. "Wir befinden uns mitten im Hoch, deshalb ist derzeit auch für die nächsten 14 Tage keine gravierende Wetterumstellung in Sicht." Mit ein wenig Schnee sei möglicherweise zum 1. Dezember zu rechnen.
So präsentiert sich Österreich auch in dieser Woche zweigeteilt - mit Nebel und Glättegefahr im Norden, Osten und Süden und strahlendem Sonnenschein im Westen. Lentner: "Die lange Trockenperiode ist außergewöhnlich, dass wir Ende November keinen Schnee haben, ist aber nichts Besonderes."
Die Durchschnittswerte an Neuschnee lägen laut den Aufzeichnungen der Wetterwarte am Sonnblick für die Jahreszeit bei 74 Zentimetern, heuer hat man 40 gemessen.
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