Reise
03.02.2012

Rumkugeln auf der Party-Insel

Barbados. Das einst britische Karibik-Paradies lockt mit weißen Sandstränden, heißen Rhythmen, Gelassenheit der Einheimischen, farbenprächtiger Natur im Landesinneren und dem angeblich ältesten Zuckerrohrschnaps der Welt.

Die Fische fliegen gleichsam von selbst in die Pfanne, Rum-Punsch wird mitten am Tag zu jeder Gelegenheit getrunken, Musik wird rund um die Uhr gespielt und an den weißen Korallensand-Stränden weht immer eine kühle Brise, die auch Faulenzer zu einem Tänzchen ermuntert – willkommen auf der Party-Insel Barbados!

"Hi, Baby", tönt es hinter mir, und der, der mich anmacht, ist ein zahmer Papagei in einem farbenprächtigen Garten im Landesinneren. Er hört diese Worte wohl am häufigsten von den Bajans, den Einheimischen, meist Nachfahren afrikanischer Sklaven. Sie sind ausgesprochen fröhlich, freundlich und kontaktfreudig.

Das will uns auch George beweisen. Er ist unser Guide auf der Island Safari Tour an einem Sonntagmorgen. Auf Barbados sind das die ruhigsten Stunden der Woche, weil die Nacht davor durchgefeiert wird.

Little England

"Ab jetzt wird jeder laut gegrüßt", befiehlt er, und wir folgen ihm nur zögernd. Denn die Gegrüßten sind genau jene muskulösen Typen, die in der Nähe der unzähligen, kleinen Rum-Läden vor sich hindösen, und denen wir normalerweise in weitem Bogen ausweichen würden. Deren verblüffende Reaktion: Ein Augenlid hebt sich ebenso minimal wie ein Mundwinkel, aus Letzterem entfleucht ein freundlich gekrächztes "Heyyy". Unglaublich.

Auf dieser Tour lernt man die ursprüngliche Seite der dicht besiedelten Insel kennen. Die vom Sturm gepeitschte Felsküste im Norden, weite, einsame Sandstrände mit perfekten Surfbedingungen im Osten und die letzten Urwälder am Mt. Hillaby, mit 336 Metern der höchste "Berg". Das Landesinnere prägen Zuckerrohrplantagen, deren Endprodukt rinnt kaum vermeidbar allabendlich wie süß-aromatisches, samtiges Öl die Kehle hinunter. Rum und Barbados sind untrennbar miteinander verbunden, die Sorte "Mount Gay" wird sogar seit 1703 produziert und ist damit angeblich der älteste Rum der Welt.

Die östlichste Insel der Kleinen Antillen wird auch "Little England" genannt. An die ehemalige Kolonialmacht erinnern die allgegenwärtigen Schuluniformen der Kinder, Linksverkehr, Architektur, viele britische Ortsnamen und auch das Wetter. Wechselhaft, kaum vorhersehbar, plötzliche Regenfälle. Aber dank des südlichen Breitengrades ist es immer warm, meist sonnig und die kühle Brise vom Atlantik macht das Klima für uns viel erträglicher und die ungesunde Klimaanlage im Hotelzimmer verzichtbar.

Der klassische Urlaubstag auf Barbados spielt sich natürlich am Strand ab, und davon gibt es auf der windgeschützten Westseite reichlich. Feiner Sand, türkises Meer, Palmen, Bars sowie Boot- und Katamaran-Verleihe bilden das fertige Puzzle des Ferienparadieses. Eine geführte Katamaran-Tour kann einen besonderen Reiz erzeugen – wenn man neben, ja fast mit den streng geschützten Karett- und Lederschildkröten schwimmt. Die nehmen das ganz gelassen und gesellig hin. Wie Bajans.

Calypso & Soca

Wer die Einheimischen beobachten und kennenlernen will, der besuche abends den Fischmarkt von Oistins nahe der Hauptstadt Bridgetown. Dort fühlen sich die Bajans am wohlsten. Ohrenbetäubende Bässe aus zahllosen Lautsprechern mit einem Mix aus Calypso und der Trend-Musik Soca weisen den Weg. In mehreren Reihen braten und grillen Standler Fisch-Köstlichkeiten wie Marlin oder "Dolphin". Letzterer heißt aber nur bei den Bajans Delfin und ist in Wirklichkeit die Goldmakrelenart Mahi Mahi, klärt der Führer ob meines entsetzten Gesichtsausdrucks schmunzelnd auf.

Auch sonst haben die Insulaner ihre Hetz mit den Touristen, für die es in Oistins jede Menge Souvenirbuden zum Shoppen gibt. Wer nicht tanzt, wird aufgefordert, wer nichts trinkt, belächelt. Zartbesaitete Gemüter trollen sich nach dem leckeren Mahl ohnehin wieder, um ihre schmerzenden Ohren zu beruhigen.

Ruhe pur und trotzdem Karibik pur mit Traumstränden finden Erholungsuchende in Barbados aber auch. Ein besonderes Gustostück: Das alte Traditionshotel "The Crane" im Südosten. Die Wellen sind zwar rau hier, aber mehrere Pools in einer britisch-grünen Gartenanlage bieten genügend Schwimm-Alternativen. Und grandiosen Ausblick über die Felsküste bis zum Horizont.

Karibik pur

Zum Baden ideal ist die lang gestreckte Westküste mit breiten, feinsandigen Stränden und super Karibik-Atmosphäre. All inclusive zu buchen, ist auf Barbados empfehlenswert. Die Lebensqualität ist hoch, entsprechend sind auch die Restaurant-Preise. Dafür weht nicht nur der Wind, sondern auch ein Hauch der großen Welt. Die Bajans erwähnen mit Stolz, dass Promis wie Familie Blair, die Beckhams, Mick Jagger und Tiger Woods zu Stammgästen zählen.

Nicht nur Stammgast, sondern schon halber Bajan ist der Salzburger Herrmann, den wir in einem Supermarkt kennenlernen. Mit einer Strandbar hat er in den 1980er-Jahren begonnen, jetzt ist er Chef einer kleinen Baufirma. Auf Barbados hat er Hochkonjunktur, denn noch immer wollen viele betuchte Briten und Amerikaner hier ihren Alterssitz gründen. Das gilt auch für Herrmann selbst: "Ich könnte mir ein Leben woanders gar nicht mehr vorstellen."