Per Hausboot zum Torf
Zu guten irischen Geschichten gehört schwarzes Bier. 1951 fuhr ein Frachtkahn, beladen mit 88 Fässern Guinness, auf dem Royal Canal von Dublin zum Shannon. Er war der letzte seiner Art. Bald darauf wurde der Kanal geschlossen.
Vor allem der westliche Teil durch die touristisch noch kaum erschlossenen, dünn besiedelten Midlands ist ein Stück uriges Irland. 46 Schleusen erwarten die Hausbootfahrer entlang der 146 Kilometer langen Strecke von der winzigen Bootsbasis Richmond Harbour Clondaara, wo maximal sechs Hausboote bereit stehen, nach Dublin.
Man fährt mitten durch Dörfer und kleine Städte, geht von Bord und die wenigen Schritte ins Pub oder in den Supermarkt, um die Vorräte zu ergänzen. In der kühleren Nebensaison hängt über jeder Siedlung der Geruch von Torffeuern. Fremden begegnet man hier noch neugierig und aufgeschlossen und so mancher Wirt nimmt es, anders als in den „ausgelatschten“ Tourismusregionen Irlands, mit der Sperrstunde nicht so genau. Warum auch? Die Garda, die irische Polizei, lässt sich nicht blicken, und die „Boat Guys“ unterstützen lieber zusammen mit dem halben Dorf nach Kräften die Band beim Musik machen. Jahrzehntelang war der Royal Canal geschlossen, ganze Abschnitte sind zu Kloaken verkommen oder verloren ihr Wasser an die angrenzenden Moore.
„Wir brauchten Geld, Geld und nochmals Geld. Wir borgten es, verschuldeten uns, kratzten jeden Penny zusammen, den wir bekommen konnten“, so der 87-jährige Noel McGeeney, Rebell der ersten Stunde. Freiwillige wie er säuberten und befestigten den Kanal in ihrer Freizeit, setzten Bürokratie und Politik unter Druck. So wurde Abschnitt für Abschnitt allmählich saniert, jede dieser kleinen Wiedereröffnungen mit rauschenden Festen begangen. Heute sind die Rebellen alte Männer, doch erzählen sie von ihrem Kampf, dann blitzen ihre Augen. Auch wenn der Royal Canal heute ökonomisch betrachtet sinnlos ist, ist er doch ein wertvolles historisches Erbe. Und darauf sind Rebellen wie Noel McGeeney stolz.
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