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50 Jahre Help
11/09/2014

Jubiläumswinter mit vielen Beatles-Hits

Obertauern rüstet sich zum "Help"-Jubiläum: Zum Pistenspaß werden auch die großen Beatles-Hits serviert.

Help! I need somebody!" Ja, diese vier Engländer in ihren blauen Vogelscheuchen-Umhängen brauchen dringend Hilfe: Sie fuchteln planlos mit den Skistöcken in der Luft herum und plumpsen mit Zaunlatten an den Schnürstiefeln ungelenk in den Schnee. "Help me if you can, I’m feeling down!" John, Paul, George und Ringo sollen in Obertauern filmreif skifahren – für ihren zweiten Kino-Streifen "Help".

Bis auf John (eine Brettl-Fahrstunde) hat noch keiner von ihnen auf Skiern gestanden. Also müssen Doubles her – vier Skilehrer. Einer davon: Gerhard Krings, damals 24. Er mimt George Harrison. Vor der ersten Klappe gibt’s ’ne fesche Kappe: Beatles-Perücken für die Doubles, angefertigt von Beatles-Friseurin Betty Glasow.

Schneeschüssel

Was die "Help"-Filmcrew im März 1965 auf den 1740 Meter hohen, dünn besiedelten Pass, 90 Kilometer südlich von Salzburg-Stadt verschlägt, ist heute – in Zeiten warmer Winter – mehr denn je ein schlagendes Argument für den inzwischen ausgewachsenen Ski-Ort: Obertauern ist schneesicher bis Ende April, gilt als "Schneeschüssel" Österreichs. Mittendrin in dieser Schüssel der Ort, lang gestreckt wie ein Apfelstrudel, umgeben von einem Puderzuckerrand – den schneebedeckten Bergketten. Sie sind einmalige 360-Grad-Kulisse und Fundament der sogenannten Tauernrunde: Eine Art Zickzack-Muster aus unzähligen Pisten und 26 Liften auf dem Schneeschüsselrand – hoch bis 2526 Meter. Eine knappe Stunde dauert’s, den Ort einmal darauf zu "umcarven". Und weil der meist verschneit ist, endet die Schlussabfahrt nachmittags fast überall als Schussabfahrt im Skikeller. "In Obertauern trägt man Skier immer an den Füßen, nie auf der Schulter", verkünden die Hoteliers darum selbstbewusst.

Das gilt für jeden Gast, auch für ungeübte "Brettl-Beatles" mit hohem "Help-Bedarf". Denn Obertauerns 100 Pistenkilometer sind überwiegend blau und rot, vor allem aber breite "Autobahnen". Und weil das so ist, heißt eine der Pisten praktischerweise auch so. Die "Autobahnabfahrt" führt zum Seekarhaus, einem Vierstern-Hotel mit Beatles-Bar. Der Chef: Ex-Double Gerhard Krings, heute 74 Jahre alt, hat hier zwischen Barhockern und Clubsesseln den "Help"-Dreh konserviert – mit einer sehenswerten Fotogalerie und Vitrinen. Darin lehnen die "White Star"-Skier, auf denen er George Harrison mimte. Und das Mittagsmenü der Beatles vom 15. März 1965 – als Speisekarte mit Autogrammen. Ob ihnen "Hühnerbouillon mit Backerbsen" und "Brandtteigkrapferln in Creme" geschmeckt haben, ist leider nicht überliefert.

Kaiserschmarrn

Wer heute Hunger hat in der "Schneeschüssel", der landet in einer der 26 gemütlichen Almhütten. Niemand muss in klobigen Skischuhen Spaghetti Napoli (Geschmack pappig, Preis happig) von der SB-Kasse zum Tisch jonglieren. Stattdessen serviert Mutter Schilchegger im "Sonnenhof" eine XXL-Portion Kaiserschmarrn, hält vor der TV-Übertragung des Weltcup-Slaloms kurz inne und erzählt ein wenig von vergangenen Siegen ihres Sohnes Heinz. Das weckt den Ehrgeiz des Jungen am Nebentisch, der sich kurz darauf am Kirchbühellift, einer von vier Pisten in Obertauern mit Zeit- und Geschwindigkeitsmessung, der schnellen Gaudi hingibt.

Als die Beatles genau diese Piste im März 1965 runterrutschen, sieht das deutlich anders aus. "Die haben sich total tollpatschig angestellt", erzählt Herbert Lürzer, damals Double von Paul McCartney, "deshalb mussten wir in diesen Vogelscheuchen-Umhängen mit Fackeln den Hang runter, über Hügel springen und uns hinter Bäumen verstecken, denn in dem Film werden die Beatles ja von irgendwelchen Verrückten verfolgt." "Gut bezahltes Gehampel" nennt Lürzer das heute, denn es gab pro Tag 1000 Schilling. Dafür konnte man damals ein gutes Paar Skier und Skischuhe kaufen.Von allen Beatles sei Paul der bestgekleidete gewesen, erinnert sich sein Double und erzählt von der Jacke mit Nerzkragen, die er für die Drehs von McCartney bekam, ihm hinterher aber sofort wieder zurückgeben musste. Aber wenn Fans die Drehorte stürmten, ließ sich der Beatle gerne "vertreten": "Ich hab’ dann seine Autogrammkarten mit Herbert Lürzer unterschrieben, aber völlig unleserlich," erinnert sich das heute 71-jährige Ex-Double und grinst: "Da glauben heute einige bestimmt, sie hätten einen echten McCartney."

Snowkite

Außer auf Skiern sind die Pilzköpfe auch auf Rodeln und Skibobs in den Schnee gesegelt. Wirklich durch den Schnee segeln jedoch können Wintersportler hier erst heute – per Snowkite, der Attraktion in Obertauern. Der Schnupperkurs bei Fred beginnt mit der Erkenntnis, dass man an einer Bar nicht nur trinken, sondern auch steuern kann, denn Bar heißt die Lenkstange des Snowkite. Nach einer Stunde Luv- und Lee-Theorie dürfen wir endlich in Schnee stechen und ziehen dafür eine Art schwarze Windel mit Haltebügel an. Daran eingehakt zieht uns das Segel übers Übungsplateau, zunächst sicherheitshalber auf dem Pampers-Hosenboden und dann aufrecht mit untergeschnallten Skiern. Mit Windstärke 4 durch den Schnee kreuzen – ein Temporausch der besonderen Art.

Ein paar Meter weiter beginnt Obertauerns Après-Ski-Rummel. Ohne Obstler-Druckbetankung und Sangria-Eimer. "Wir wollen keinen Ballermann im Schnee", sagt Herbert Lürzer, langjähriger Betreiber der Lürzer Alm. Musikalisch haben hier Udo Jürgens und DJ Ötzi die Lufthoheit. Aber so richtig Stimmung kommt erst bei einem Oldie auf, den grölen alle zwischen 17 und 70 mit: "Help, I need somebody, heeeeeelp!"

Als der dazugehörige Film entsteht, müssen die Beatles in Ermangelung von angesagten Bars in Obertauern noch selbst für Après-Ski-Stimmung sorgen. Sie tun es im Hotel Marietta – mit ihrem ersten und einzigen Konzert in Österreich. John, Paul, George und Ringo spielen so laut und lange, dass gegen Mitternacht Hotelgäste im Nachthemd erscheinen und sich über den Lärm beklagen. Marietta Mackh, die Chefin, versucht die Gäste zu besänftigen und erreicht tatsächlich, dass eine ältere Dame sich im überfüllten Saal von der Begeisterung mitreißen lässt und bis vier Uhr morgens mitfeiert. Dann sind Schlagzeug, Klavier und Soundanlage ramponiert. Am nächsten Tag verlangt der Hotelbesitzer Schadensersatz. "Okay", willigt Pilzkopf-Manager Brian Epstein ein – "dann zahlen Sie aber für zwei Stunden Beatles-Auftritt." Damit ist die Sache für beide im Nu erledigt.

Von der Abbey Road zur Penny Lane

Angebote

Anreise Z. B. mit dem Auto über Tauernautobahn SalzburgVillach, Abzweigung Graz, von Bundesstraße B99 bis Radstadt und weiter nach Obertauern.

Unterkunft Pauschalen gibt’s z. B. für eine Woche in einem 3-Sterne-Hotel mit Frühstück und Skipass ab 573 €/Person. In einem 4-Sterne-Hotel kostet eine Woche mit Halbpension und Skipass 771 €/Person.
– Schöne Doppelzimmer mit Halbpension bietet z. B. das Hotel Enzian ab 119 € p.P./Nacht. Eine Woche inklusive Sechs-Tage-Liftpass kostet ab 918 €/P. www.enzian.net
– Vier besondere Zimmer bietet das Sporthotel Edelweiß mit den Nummern 502, 504, 506 und 507: In diesen Räumen haben die Beatles während ihres „Help“-Filmdrehs 1965 in Obertauern gewohnt. Doppelzimmer mit Frühstück ab 77 €/P. www.luerzer.at
– Unterkünfte in allen Kategorien auf www.obertauern.com

Skipass Erwachsene zahlen für sechs Tage ab 191,50 €, Jugendliche (17 bis 19 Jahre) 143,50 €, Kinder (16 Jahre und jünger) 105,50 €.

Snowkiting Schnupperkurse ab 48 €, Vierstundenkurs ab zwei Teilnehmern 148 € pro Person in der Snow-Kite-Schule „Hang on“. 0699/146 126 66, www.kiteschule.at

Beatles-Jubiläum
Andreas Gabalier und die Cover-Band „The Backwards“ bestreiten am 29. November den Winter-Auftakt unter dem Titel „A Tribute to the Beatles“. Tickets in den Hotels in Obertauern, Untertauern und Tweng, sowie beim TVB Obertauern.
– Beatles-Jubiläumswoche, 14.–21. März 2015: Das Beatles-Musical „All you need is love“ gastiert am 17. März in Obertauern. Am 19. März macht die Magical History Tour in Obertauern Station. Die Multimediashow lässt den Zeitgeist der Swinging Sixties wieder auferstehen. Special Guests: Angie und Ruth McCartney, Stiefmutter und Stiefschwester von Paul McCartney, beide erzählen aus ihren Erinnerungen. „The Original Cavern Club Beatles“ aus Liverpool erwecken mit mehr als 35 der größten Hits den Sound eines echten Beatles-Konzerts.

Hütteneinkehr Unbedingt probieren: Gamsmilch ist Obertauerns Antwort auf Jagertee und Glühwein. Ihr Erfinder Walter, der verrückte Kulthüttenwirt bei der Bergstation der Zehnerkar-Bahn, stand schon im Guinness-Buch der Rekorde, weil er die gesamte Zehnerkar-Abfahrt rückwärts am schnellsten runtergedüst ist. Wer so etwas hinkriegt, der komponiert auch problemlos einen Drink aus Kakaopulver, aufgeschäumter Milch, vermutlich ziemlich viel Rum und serviert diesen mit der Behauptung: „Gamsmilch macht die Buckelpisten flach ...“

Allgemeine Auskünfte Tourismusverband Obertauern, 06456 / 7252, www.obertauern.com, info@obertauern.com

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