New Orleans swingt wieder

Die Musik-Metropole im Bundesstaat Louisiana hat sich vom Hurrikan Katrina erholt. Nur noch Randgebiete sind von der Katastrophe gezeichnet. Jetzt hofft man auf Touristen.

"Down by the riverside, down by the riverside ... “ Ein schwarzer Sänger brüllt sich den uralten Gospelsong aus dem Leib, klatscht dazu den Rhythmus. Kaum ist der Mann verstummt, swingt sich ein Duo mit Trompete und Sousafon weg. Am Jackson Square im French Quarter, dem französisch angehauchten Altstadt-Viertel von New Orleans, ist fast alles wie früher. Mit einem Schönheitsfehler: Nur sehr spärlich lauschen Touristen den mitreißenden Rhythmen. Drum haben der Trompetenspieler Mario und Julius, sein Kumpel mit der Riesen-Tuba, auch den Blues: "Wir brauchen dringend mehr Touristen in der Stadt, damit wir von unserer Musik leben können." Mario erzählt, dass Katrina sein Heim vernichtet hat und er weggezogen ist. "Aber wegen der Musik bin ich wieder da." Tagsüber zieht er mit Julius swingend durch die Straßen, abends spielen sie für ein paar Dollar in einem der Jazz-Schuppen im Nachtschwärmer-Viertel rund um die Bourbon Street. Die Bourbon Street ist das pulsierende Herz des French Quarters. Abends verwandelt sie sich unter dezenter Polizeibewachung in eine sündige Meile, wo mehr oder weniger hübsche Damen die Besucher in ihre Gogo-Bars ziehen wollen oder "Shots", in Eprouvetten gefüllte Mini-Cocktails, verscherbeln. Auch sie haben schon mehr Geschäft gemacht. Am Tag zieht das French Quarter schräge Vögel an: begnadete Musiker ebenso wie schrille Straßen- und Lebenskünstler. In unzähligen Galerien bieten Maler ihre bunten Bilder feil, in den Souvenirläden hängen Dutzende Plastik-Boas und die bunten Ketten, um die man besonders zum Karneval Mardi Gras nicht herumkommt. Vereinzelt führen Pferdekutschen Touristen durch die Straßen. Die adretten Häuser mit ihren verschnörkelten, schmiedeeisernen und Blumen geschmückten Balkonen erstrahlen in altem Glanz, als ob hier nichts geschehen wäre. Ein ähnliches Bild bekommt der Tourist, wenn er an einem Bus-Trip durch die reichen Stadtvierteln von New Orleans teilnimmt: Im Garden District etwa übertrumpft eine Luxusvilla die andere. Etliche stehen zum Verkauf. Auch die Prytania Street erstrahlt in altem Glanz: Hier lässt eine viktorianische Villa neben der anderen "Vom Winde verweht"-Romantik aufkommen. Der Schmacht-Streifen mit Vivien Leigh und Clarke Gable wurde hier 1939 gedreht. "Das Wasser ist hier meterhoch gestanden", erzählt unser Guide Angel und zeigt auf einen Strommast, auf dem Katrina eine Markierung hinterlassen hat. "Die Leute haben längst wieder alles repariert. Wenn du viel Geld und eine gute Versicherung hast, ist das kein Problem." Viel Geld hatten auch jene Bürger, die in den vornehmen Grabmälern der "City of Dead" zur letzten Ruhe gebettet wurden. Die Namen auf den Grabsteinen zeugen davon, dass New Orleans schon immer multikulti war: Deutsche, Franzosen und Engländer liegen hier begraben. Wer New Orleans auf eigene Faust erkunden will, nimmt am besten die Red Lady im French Quarter. So nennen die Einheimischen ihre nostalgische Bim, die auch zur Totenstadt fährt.

Aber auch eine Fahrt mit einem Mississippi-Dampfer gehört zu den Highlights eines New-Orleans-Besuches. Wir fahren mit Angel und seinem Bus zu jenen Stadtvierteln weit außerhalb der schmucken Reichenviertel, in denen der Hurrikan am meisten angerichtet hat: Im Bezirk Upper 9th Ward hat Katrina am heftigsten gewütet. Das Viertel gleicht nach wie vor einer gespenstischen Totenstadt: eingedepschte Holzhäuser sind verriegelt, von einigen sind nur noch ein paar Planken über. "No Bulldozing" steht auf einem Schild. "Nicht abreißen." Leute wie der Trompeter Mario wollen wiederkommen, sobald sie sich das Zusammenflicken leisten können. Ein paar Familien sind schon wieder heimgekehrt, ihre Kinder spielen in den sonst verlassenen Straßen. "New Orleans for ever" – der Slogan der Musikstadt – ist für sie zur trotzigen Durchhalteparole geworden. Hurrikan als Cocktail

Hurricane als Cocktail, Kunst-Plakate, die an Katrina erinnern, Touristen-Trips durch jene Gebiete, die am ärgsten vom Hurrikan beeinträchtigt sind: Die Bewohner von New Orleans versuchen nach vorne zu blicken, ohne die größte Katastrophe des Jahrhunderts zu verdrängen. "Natürlich wollen die Leute auch sehen, was Katrina angerichtet hat", sagt Busfahrer und Touristen-Guide Angel. Der gebürtige Bolivianer führt auch zum Architektur gewordenen Hoffnungsschimmer der Überschwemmungsgebiete; "Make it right" heißt ein Siedlungsprojekt mit Öko-Design-Pfahlbauten, das Schauspieler Brad Pitt initiiert hat. 50 Häuser sind in Bau, die Regierung übernimmt die Hälfte der Kosten von 150.000 Dollar pro Haus. Auskünfte

Wiechmann Tourism Service Frankfurt,
Tel.: 0049/69/ 255 38 270,
www.neworleans.de
www.neworleanscvb.com

Österreichisches Komitee Visit USA, www.visit-usa.at

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