Neue Hotel-Idee: Schlafen im Shop

Drei Nachwuchs-Architekten machen aus leeren Gassenlokalen "All-exclusive"- Appartements. Der Prototyp hat in Wien geöffnet.
Eine Frau sitzt am Fenster, liest eine Zeitschrift und hört Musik über Kopfhörer.

Weg mit der Tristesse leer stehender Gassenlokale, her mit zahlenden Touristen! Das junge Nachwuchs-Architektentrio Kohlmayer/Lutter/Knapp verwandelt Geschäftslokale in einzelne Hotelzimmer – ohne Rezeption, ohne Personal, ohne Frühstücksraum und ohne Restaurant. Name des "All-exklusive"-Hotels: Urbanauts. Geboten werden 4*-Komfort mit Bett und Bad, Minibar, Computer, Internet & TV-Kombination sowie gratis Wireless-Lan und zwei Mietfahrräder. Preis für das Doppelzimmer: 120 Euro pro Nacht.

Man bucht per Internet und bekommt umgehend einen Nummern-Code, mit dem man Zutritt zum Appartement bekommt.

Ein modernes Schlafzimmer mit einem Holzbett und weißer Bettwäsche.

Der Prototyp dieser neuen Hotelidee hat in der Theresianumgasse im vierten Wiener Gemeindebezirk geöffnet, bis zum Jahresende sollen in der Wiener Innenstadt weitere neun Standorte entstehen. "Wenn alles klappt, wollen wir unser Konzept auch in anderen Städten realisieren", so Architekturstudentin Theresia Kohlmayer. "Die ganze Stadt wird zur Hotellobby, wir informieren die Gäste, in welchen umliegenden Betrieben sie jene Leistungen konsumieren können, die normalerweise in einem Hotel angeboten werden – vom Kaffeehaus fürs Frühstück bis zum Wellness-Tempel, etwa einem Hamam, ein paar Schritte vom Hotelzimmer entfernt." Auf Wunsch wird das Frühstück ins Zimmer gebracht – zum Preis von 12 Euro pro Person.

Der Name Urbanauts ist ein Wortspiel aus urban und nauticus (lateinischen für Seemann). "Wir möchten die Gäste wie einen Seemann durch die Stadt navigieren", so Kohlmayer.

Ein Zimmer mit einem eingebauten Sitzbereich und einem Blick auf ein Schlafzimmer mit roter Bettwäsche.

Ganz neu ist die Idee, aus Geschäftslokalen Hotelzimmer zu machen, freilich nicht. In Linz hat ein Team um den Architekten Richard Steger bereits 2009 im Zuge des Kulturhauptstadt-Jahres mit den "Pixelhotels" ein ganz ähnliches Konzept umgesetzt. An fünf dezentralen Standorten wurden originelle Hotelzimmer eingerichtet – etwa in einem Geschäftslokal, in einer Kunsttischlerei, auf einem alten Industrieschiff und in einer ehemaligen Volksküche. Anders als bei "Urbanauts" bieten die Pixelhotels auch Zimmer mit Frühstück – in Form von Gutscheinen, die in verschiedenen Linzer Kaffeehäusern eingelöst werden können. Preis pro Nacht: 118 Euro, Frühstücksgutschein 5 Euro (im Wert von 7 Euro).

Auch die Pixelhotels wollen expandieren. Architekt Steger: "Mitte des Jahres möchten wir in anderen Städten Österreichs und Europas neue Standorte eröffnen, die Detailverhandlungen laufen allerdings noch. Aber mit weiteren Pixelhotels ist fix zu rechnen."

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