Reise
14.05.2018

Mein Schiff 1: Länger, höher, sportlicher

Nach der Schiffstaufe geht das neue Kreuzfahrtschiff auf große Ostseefahrt. Der KURIER fuhr schon vorab Probe.

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen. Die Ostsee meint es nicht so gut mit den ersten Probefahrten der neuen „Mein Schiff 1“. Es regnet. Heftig. Und trotzdem ist es wohlig warm: Wenn man in einer der fünf Saunen und Dampfbäder sitzt und schwitzt. Zwei davon geben mit bodenlangen Fenstern herrliche Blicke aufs Meer frei, auch wenn sich dieses wetterbedingt nur in fahlem Grau zeigt.

Mit ihrem traditionell dunkelblauen Rumpf zeigt sich die „1“ mit nun 315 Metern um rund 20 Meter länger und ein Deck höher als die bestehenden Neubauten der von „1“ bis „6“ durchnummerierten Schwesterschiffe. Für Kapitän Kjell Holm sind die neuen Maße unbedeutend – trotz tausend Quadratmeter mehr Angriffsfläche für den Wind. Holms Vize Georgios Alevropoulos gibt bei den ersten Fahrten aber „ein leicht mulmiges Gefühl in der Magengegend“ zu: „Das ist, wie wenn man ein neues Auto beim Händler abholt“.

Die beiden deutschen Olympiasiegerinnen im Beachvolleyball, Kira Walkenhorst und Laura Ludwig, die in Rio im Finale die Brasilianerinnen besiegten, wurden als Taufpatinnen auserwählt. Was Symbolcharakter hat: Das Schiff wird als Sport- und Wellnessschiff auf dem Markt platziert.

Ordentlich aufgerüstet

Im Kreuzfahrtgeschäft sind die Destinationen ja immer unwichtiger für die breite Masse. In den USA war das praktisch schon immer so. Viele Kreuzfahrtgäste treffen inzwischen aber auch in Europa ihre Reiseentscheidung mehr und mehr anhand der Angebote auf dem Schiff: Restaurants, Shows, Wellness und Sport. Da hat „ Tui Cruises“ mit seiner neuen „1“ ordentlich aufgerüstet und die Taufpatinnen weisen den Weg. Sport, Wellness und Erleben stehen im Vordergrund: In der Sauna mitten auf dem Meer oder im großzügigen 25-Meter-Schwimmbecken, eines von nur drei so langen Becken auf den Weltmeeren (die beiden anderen sind auf der „5“ und „6“), zumal ein kleinerer Lagunepool und vier Jacuzzis das Wasserangebot ergänzen.

Die Joggingstrecke ist mit 438 Metern nun fast doppelt so lang und verfügt am Schiffsheck sogar über eine 6,7 prozentige Steigung und eine geschwungene Außenbahn übers Meer. Auch das Fitnesscenter ist gut angewachsen und alle Laufbänder, Stepper oder Hometrainer weisen den Blick durch bodenlange Fenster zum Meer. Dort wird das Angebot ergänzt durch Neuheiten wie Flyletics, Gymanstik in einem an der Decke aufgehängten Tuch, oder Icaros, ein intensives Bewegungsprogramm mit 3-D-Animation. Die Arena ist nun geschlossen und dient für Basket-, Volley- oder Fußball, Spinning oder Übertragungen auf der großen LED-Leinwand. Neu ist die Kletterwand, neudeutsch Boulder, drei Meter hoch und auch für Anfänger ein netter Spaß.

Die Extrakosten

Das Premium-All-inclusive-Angebot ist immer noch sehr gut, wenngleich es durch mehr und mehr Extraleistungen, die bezahlt werden müssen, etwas undurchsichtiger wird. In der Bierbar „Ebbe und Flut“ sind zwar die Fish’n’Chips kostenfrei, das Bier dazu muss man aber zahlen.

Es gibt inzwischen auch Entspannungsloungen, abgeschlossene, nicht einsehbare Muscheln, zum Meer hin jedoch offen, in denen man ungestört sein kann – allerdings für zwölf Euro am Seetag oder neun, wenn das Schiff liegt, und zwar pro Stunde. Trotzdem gehen immer wieder viele Gäste von Bord, die nach Ende ihrer Kreuzfahrt tatsächlich keinen Euro zusätzlich bezahlt haben.

Nach der Jungfernfahrt am 13. Mai nach Norwegen, geht’s weiter bis zum Nordkap und dann wieder in die Ostsee mit Danzig, Stockholm und Klaipeda in Litauen, dem Tor zur Kurischen Nehrung. Das sind 98 Kilometer Strand mit weißem feinen Sand, soweit das Auge reicht. Gefolgt von Tallinn, wo im kleinen Estland Skype und Hotmail erfunden wurden. Das Land hat den Zugang zum Internet als ein Grundrecht erklärt und jeder Einwohner hat eine digitale Identität, mit der er wählen oder Behördengänge vom Computer aus tätigen kann.

Als Höhepunkt der Tour gilt St. Petersburg. Das Weltkulturerbe besteht zwar aus 5500 Bauten, doch die Gunst der Passagiere beschränkt sich in der Regel auf zwei: Ermitage und Katharinenpalast mit Bernsteinzimmer.

 

Info

 

An-/Abreise Wird meist von Tui Cruises organisiert.

Routing Die neue „Mein Schiff 1“ verkehrt noch bis August in der Nord- und Ostsee, im Herbst/Winter gefolgt von den Kanarischen Inseln, Madeira und Marokko.

 Das Schiff 1450 großzügig geschnittene Kabinen mit Dusche, WC und vorwiegend mit Balkon, 12 Restaurants und Bistros, 15 Bars und Lounges, 2 Theater, 1 kleines Casino, 2 Pools, einer mit 25 Metern Länge, 4 Whirlpools, knapp 2000 Liegestühle,  Spa mit Panorama- Saunen, eine Multifunktionsarena, etwa zum Basket- und Fußballspielen oder für Filme und Sportübertragung auf Großleinwand.

All inklusive Bis auf 3 Spezialitätenrestaurants, einigen ausgewiesenen Speisen auch in den anderen Restaurants sowie hochwertigen Getränken wie Champagner, Spa-Anwendungen, Ausflüge und Internet ist alles inklusive, was in dieser ausgeprägten Form keine andere Reederei anbietet.

 Angebot 10 Nächte an Bord mit Danzig, Klaipeda, Tallinn, St. Petersburg, Stockholm ab 1795 Euro.  

Auskunft  Informationen unter
  +49 40 600 01 51 11
 www.tuicruises.com

Autor: Jochen Müssig