Low-Budget-Reisen in Europa: Pensionistin zeigt, wie es geht
Jobverlust mit 58 nach 20 Jahren in der Filmindustrie, spätestens mit 60 um die Erkenntnis reicher, dass der Arbeitsmarkt in Krisenzeiten für Ältere keine adäquaten Verdienstmöglichkeiten mehr bietet und man eigentlich als Frühpensionistin nicht schlechter dran ist. Die unternehmungslustige Amerikanerin Peri Kittell hat diese für sie neue Situation - wenig Geld, viel Zeit - auf ihre Art genützt und lebt seit Ende 2011 als Low-Budget-Touristin in Europa. Die heute 63-Jährige, die ihre Erfahrungen zu einem Buch verarbeitet, macht derzeit Station in Wien.
"Ich habe im Monat umgerechnet 1.325 Euro zur Verfügung. Das muss man seine Ausgaben sehr einschränken. Jeder Euro wird kostbar", sagte Peri Kittell im Gespräch mit der APA. Der größte Teil ihres Budgets geht für's Wohnen drauf. Sie mietet sich in jeder Stadt in einem möblierten Appartement ein. Dieses soll möglichst zentral gelegen sein, damit sie möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen kann. In Wien-Leopoldstadt lebt sie auf 80 Quadratmetern, in Paris musste sie sich für das ungefähr gleiche Geld mit 18 Quadratmetern zufriedengeben, Ausblick in einen Lichthof. Mindestens 15 Mal war sie dort im Louvre - angesichts der Tatsache, dass eine Jahreskarte für das vielleicht berühmteste Museum Europas ungleich günstiger kommt als ein Einmal-Ticket.
Wien ist nach London, Paris, Brüssel, Berlin und München die sechste Stadt, in der sich Peri Kittell für mehrere Monate aufhält. Auf ihrem weiteren Programm stehen Rom und Madrid. Auf rund drei Jahre hat sie ihre Tour angelegt, die Idee, einen Reiseführer zu schreiben, kam erst unterwegs. "Ich habe so viele Erfahrungen gemacht, davon können andere profitieren - und zwar nicht nur Pensionisten, sondern alle, die monatelang unterwegs sind, also zum Beispiel Studenten oder Lehrer." Peri hat Fallen bei der Wohnungssuche via Internet identifiziert, weiß, wo man günstig Lebensmittel kauft oder Handtücher und Klappsessel, falls diese im Mietappartement fehlen. "Ich war fast in jeder Stadt bei IKEA", berichtete die 63-Jährige. Die wichtigsten Kriterien bei der Wohnungssuche: Dusche, Waschmaschine und Internet-Anschluss.
Was sie bei der Abreise nicht braucht, wird verschenkt: Dinge wie Handtücher und Bettwäsche an Obdachlose, Tisch und Sessel gingen in Paris an den Hausbesorger. Sie selber besitzt nur das, was sie tragen kann - plus beim Nachbarn in den USA abgestelltes Auto. Ihre eigene Wohnung nahe der Kleinstadt Durango im Bundesstaat Colorado ist vermietet, von der Einrichtung hat sie sich ebenso radikal getrennt wie überhaupt vom Großteil ihrer persönlichen Besitztümer, inklusive rund 1.000 Büchern.
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