Kroatien erwartet Tourismus-Hoch

Infrastruktur nach westlichen Standards und hohe Qualität zeichnen Kroatien aus und sollen 2011 zum Rekordjahr machen.


Während sich die Stadtzentren im Inneren Kroatiens langsam leeren, füllen sich die Küstenstädte. In Dubrovnik, dem Inbegriff des kroatischen Urlaubsortes, schieben sich die Touristenmassen durch die Gassen. Die kroatische Tourismusvereinigung (HTZ) erwartet ein erfolgreiches Jahr. "Wir rechnen heuer damit, dass wir vier bis fünf Prozent mehr Einnahmen haben werden", sagte HTZ-Chef Niko Bulic, "Die ersten sechs Monate geben uns Anlass zum Optimismus." Die HTZ zählte 3,2 Millionen Touristen im Adriastaat und 13,7 Millionen Nächtigungen. Zum Vergleich wurden in Österreich laut den jüngsten Zahlen zwischen Jänner und Mai 2011 rund 54,4 Millionen Übernachtungen (minus 2 Prozent) verzeichnet. "Ich denke, man wird einen Rekord erreichen", erklärte auch Vladimir Preveden, Kroatien-Experte bei Roland Berger. Die Vorsaison, aber auch die Berechnungen der Welttourismusorganisation (WTO), die vor allem den Tourismus in Europa wachsen sehe (6 Prozent), sprechen dafür. Doch die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen sage wenig aus: Vergangenes Jahr stiegen laut Preveden zwar die Übernachtungen und Ankünfte um 3 Prozent, der Umsatz aber sank um 3,1 Prozent. 2008, das gemeinhin als das Rekordjahr im kroatischen Tourismus gilt, hatte man 7,5 Mrd. Euro bzw. 15,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) umgesetzt. Die Gründe für das seither schlechtere Abschneiden sieht Preveden darin, dass es nach wie vor keine nationale Strategie für den Fremdenverkehr gebe. In der Krise habe man auch falsche Signale gesetzt  - und "um die Kapazitäten zu füllen, die falschen Gäste angelockt". Die Branche werde zusätzlich bedroht, weil Investitionen zum Erliegen gekommenen seien: "Der Tourismus lebt davon, dass investiert wird, um die Qualität und somit das Preisniveau zu halten", so Preveden. Der Tourismus stehe vor einer strategischen Krise, meint er. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein und auch, ob die Regierung Impulse setze, etwa eine Strategie entwerfe und Kroatien zu einer ganzjährigen Destination werde. "Jetzt gibt es nicht einmal Ansätze, die Saison zu verlängern", kritisierte Preveden. HTZ-Chef Niko Bulic konterte diesen Vorwürfen: So unterstütze die Regierung Reiseveranstalter, die Touristen in der Vor- und Nachsaison nach Kroatien bringen. Der Tourismus-Chef ist auch überzeugt, dass in Kroatien ein gutes Preis-Leistungsverhältnis herrsche und man kulturelle Angebote, Radwege und ein reiches kulinarisches Angebot biete. Dadurch habe man etwa Vorteile gegenüber der Türkei, wo man sich vor allem in Tourismuszonen aufhalte. Die Qualität der Hotellerie sei auch gehoben worden, die Infrastruktur entspreche westlichen Standards und auch die privaten Unterkünfte, die 40 Prozent der Einnahmen machen, haben eine höhere Qualität, zählte er die Vorzüge auf. "Wir sind nicht mehr 'Zimmer frei' mit fragwürdiger Qualität, sondern das sind Appartements mit allen Standards". 22 Prozent der Saison seien in den ersten sechs Monaten abgearbeitet worden, sagte Bulic. "Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen." Juli und August würden ausschlaggebend sein. Touristen aus fünf Ländern, Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien und Tschechien, machen fast 50 Prozent aller Touristen in Kroatien aus, beinahe alle kommen mit dem Auto. Der EU-Beitritt wird ihnen nur erlauben, schneller am Ziel zu sein, meint Preveden. Doch ein anderer Punkt dürfte dem kroatischen Tourismus durch den EU-Beitritt mehr bringen: Durch die dann gewährleistete Rechtssicherheit würden auch Investitionen möglich, betonte der Roland-Berger-Experte: "Kroatien wird dann ein Land, in dem man normal investieren kann und mit einem Return on Investment rechnen kann." Vielleicht komme mittelfristig auch die eine oder andere internationale Hotelkette, die in Kroatien nur spärlich vertreten seien, so Preveden. Auch Dubrovnik, die im Sommer überrannte Küstenstadt, müsse dem Experten zufolge mehr für die Monate nach der Saison machen. Die erfolgreichste Stadt in dieser Hinsicht ist wegen des Kongresstourismus Opatija in Istrien. Laut eines Rankings, das die Zeitung "Poslovni dnevnik" veröffentlichte, führen bei den Umsatzzahlen die Hotels in Istrien mit 2 Mrd. Kuna (271 Mio. Euro). Weit abgeschlagen kommt erst Dubrovnik.
(KURIER.at) Erstellt am
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