Reise
16.05.2018

Friauls köstliche Küste

Die besten kulinarischen Adressen am Meer für noch mehr Urlaubsflair auf dem Teller.

Pasta, Muscheln, frischer Fisch. Das serviert uns die norditalienische Region Friaul-Julisch Venetien. Noch ein Eizerl besser schmeckt das Ganze natürlich direkt am Meer. Weil sie an der Küste immer da ist, wenn sie uns anderswo fehlt – die vergnügte, unbeschwerte Sommerlaune. Sie bleibt vor allem dann im Gemüt haften, wenn das Wetter in Österreich unbeständig und trotzig ist.

Im Hafen von Grignano bei Triest blitzt gerade die Sonne hinter dem Märchenschloss Miramare hervor. Im Blickpunkt: die kleine Marina, das grün-blaue Wasser, schaukelnde Boote, zahlreiche Spaziergänger auf der Mole und die leinengedeckten Tische vor der „Tavernetta Al Molo“. „Signore Matteo, was gibt es heute?“ Der weißhaarige Gastgeber des kleinen Fischlokals faltet akkurat das Zeitungspapier seiner „il piccolo“ zusammen und zeigt auf seine handgeschriebene Speisekarte: „Tatar di Scampi, Capesante, Rombo.“ Also Scampi-Tatar, Jakobsmuscheln und ein Steinbutt. Klingt ja fantastisch! „Ottimo!“ Nehmen wir. Dazu genießen wir sämtliche Pluspunkte der Vorsaison. Das heißt: Die Fische und Meeresfrüchte kommen tatsächlich aus Italien, Slowenien oder Kroatien. Die Urlauber stapeln sich noch nicht übereinander wie in der heißen Jahreszeit. Statt der flirrenden Luft im Sommer weht eine angenehme Brise. Keine Angst: Die „Bora“ hat bereits für schönes Wetter gesorgt – der bekannte Fallwind wirbelt nämlich die Obere Adria oft tüchtig durcheinander. Aber jetzt zeigen in Triest, „der Stadt der Winde“, alle Zeichen auf Slow-Motion.

Noch näher am Wasser

Um Wellenlängen voraus präsentiert sich der Yacht-Club der „ Marina San Giusto“. Der heißt jetzt „Pier“. Der supermoderne Retro-Look des schicken Hafenlokals überzeugt mit gemütlichen Plätzen und viel weißem Holz. Man sitzt direkt am bzw. über dem Meer und genießt Scampi crudo, Fisch und Co. „Noch näher am Wasser wäre bereits im Wasser“, scherzt Gastronom Walter Gustin, der die Triestiner Kulinarik-Szene seit Jahren revolutioniert.

Am Abend geht es zum Feiern oder Chillen auf das begrünte Dach dieses In-Treffs: Zwischen Zitronenbäumchen, DJ-Sound, Loungemöbeln und extralangen Thekentischen werden Drinks serviert. „Und die schönsten Sonnenuntergänge“, schließt Gustin an.

Roberta hat indes in dem hübschen Hafenstädtchen Muggia, ein paar Kilometer südlich von Triest, Kräutertöpfe auf die Holztische ihres Gastgartens gestellt. Sie nickt dem Matrosen im Fischkutter an der Mole gegenüber ihres Hafenlokals „Sal de mar“ zu und da haben wir den kulinarischen Frischebeweis: Der kugelrunde Mann, in oranger Öl-Latzhose, Gummistiefeln und Strickpullover, stemmt mühelos zwei Kisten mit Fisch sowie vier Netze mit Muscheln in die Trattoria. Haben wir da richtig gesehen? Sind das „Musoli“? „Si, si“, lacht Roberta. Das sind „Arche Noah Muscheln“ – eine Triestiner Spezialität. Diese köstlich-fleischigen Muscheln gibt es nur noch ganz selten: im Golf von Triest bis zum istrischen Limski Kanal.

„Buon Appetito!“

Robertas Mann, der sympathische Riese Marco, hat unsere Begeisterung gesehen und kommt mit einem Silbertablett und den frisch zubereiteten „Musoli“ an den Tisch. Mit Zitrone, Knoblauch, Petersilie, Tomate und Lauch. „Buon Appetito!“ Das Glas füllt er mit einem Malvasia der Familie Sancin, die oben im Karst in San Dorligo feine Weine und Olivenöle produziert. Dolce Vita vom Feinsten.

Auch an den westlichen Küstenabschnitten Friaul-Julisch Venetiens, lässt es sich direkt am Wasser speisen. In Sistiana, in der kleinen Bucht von Duino bis hin zu den kilometerlangen Sandstränden von Grado und Lignano Sabbiadoro (siehe Infokasten). Dort überall kann man bereits die Zehen ins Meer strecken. Die Licht- und Windspiele auf dem Wasser beobachten. Sich dem Rauschen des Meeres hingeben und dabei essen, trinken, schlemmen, lachen, plaudern, feiern und genießen. So lange es einem guttut.

Anreise Wien  -– Triest mit dem Auto:   etwa sechs Stunden, mit dem Flixbus  um etwa 26 Euro.

Tische mit Meerblick
–Zero Miglia/Grado Bekannte Fischosteria  direkt am Kai in Grado. Riva Enrico Dandolo 22, 34073 Grado. Tel (+39 0431) 802 87, www.zeromiglia.it
– Al Ciodi/Grado/Isola di Anfora Ausflugs-Trattoria auf der Isola di Anfora in der Lagune von Grado. Fisch- und Meeresfrüchte-Küche. Ai Ciodi, Isola di Anfora, 34073 Grado. Tel.  (+39 335) 75 22 209, www.portobusoaiciodi.it
– Al Pescaturismo/ Villaggio del pescatore Zwischen Duino und Monfalcone. Spezialität: Miesmuscheln. Villaggio del Pescatore 83, Zona Cava, 34013 Duino Aurisina Tel. (+39 040) 20 98 46, www.alpescaturismo.it
– Al Cavallucio/Duino Klassiker im  Hafen von Duino. Terrassenplätze mit Blick auf  Meer und bizarre Felsen. Duino Porto 61d, 34013 Duino-Aurisina. Tel.  (+39 040) 20 81 33, www.alcavalluccio.net
Alla Dama Bianca/Duino Ristorante im Hafen von Duino.  Wahnsinns-Sonnenuntergänge. Duino Porto 61c, 34013 Duino-Aurisina. Tel. (+39 040) 20 81 37, www.alladamabianca.com –Acquapazza/Sistiana Unkomplizierte Adria-Küche, einfach, leger.    Baia di Sistiana, 34011 Sistiana/Duino Aurisina.  Tel.  (+39 339) 40 53 733, www.canterasistiana.it  
– Le Terrazze/ Grignano . Terrasse des Restaurants im Hotel „Riviera“. Fabelhafte Sicht auf den Golf von Triest und Schloss Miramare. Elegante Adria-Küche. Strada Costiera 22, 34151 Triest.
  Tel. (+39 040) 22 45 51, www.hotelrivieraemaximilian.com
Al Molo/Grignano Im Hafen.  Meeresspinne, Crudo,  Branzino usw. Riva Massimiliano e Carlotta 11, 34100 Triest. Tel. (+39 040) 22 42 75, www.tavernettaalmolo.it
– Pier/Triest  Waterfront-Location im ehemaligen Yacht-Club. Molo Venezia 1, Trieste. Tel,  (039 040) 32 29 296, www.marinasangiusto.itSal de Mar/Muggia Gemütliches Hafenlokal. Fischsuppe, Branzino in Salzkruste usw. Largo Nazario Sauro 10, 34015 Muggia. Tel. (+39 040) 92 78 908, www.saldemar.it

Buchtipp Die  Autorin Silvia Trippolt-Maderbacher hat sich erneut aufgemacht, um die besten kulinarischen Adressen  in  Friaul-Julisch Venetien zu entdecken. So erscheint der Genuss-Guide komplett überarbeitet und neu recherchiert. „Genießen in Friaul. Das Beste zwischen Bergen und Meer.“ Silvia Trippolt-Maderbacher, Styria, 192 Seiten, 24,90 Euro. www.styriabooks.at

Auskunft  turismofvg.it, enit.at