Inselhüpfen in der Jetset-Karibik
Dort, wo die Kleinen Antillen sich wie eine Perlenschnur Richtung Südamerika auffädeln, finden viele Reiche und Stars ihre Refugien. Versteckte kleine Inseln mit nichts als Palmen, Sand und Luxus. Beim Inselhüpfen von Grenada bis St. Vincent schnuppert man auch als „kleiner“ Pauschaltourist ein wenig am Jetset-Flair mit.
Als „schönste Stadt der Karibik“ gilt Grenadas Hauptstadt St. George’s, und zwar zu Recht. Auf anderen Inseln sind gerade mal die Straßen beim Hafen herausgeputzt, um kauffreudigen Kreuzfahrtouristen ein nettes Umfeld zu bieten. In St. George’s aber wurden die im englisch-georgianischen Stil erbauten Kirchen und Häuser mit ihren leuchtenden Farben rund um eine putzige Bucht an einem steilen Berghang fast perfekt erhalten und nach jedem Hurrikan wieder saniert.
6 Kilometer weißer Sand
Das Fort St. George’s bietet nicht nur den besten Blick über Stadt und Bucht sowie die wolkenverhangenen Vulkane und Berge im Landesinneren, sondern auch auf den größten und schönsten Strand der Insel: Grand Anse. Mit sechs Kilometern weißem Sand ein perfekter Einstieg in Karibikträume. Dahinter liegen niedrig gebaute Hotels, chillige Restaurants und Bars. KURIER-Tipp: Für den Sunset-Drink bis zum Ende der Straße an der Grand Anse und über den Hügel zur Morne Rouge Bay spazieren. Ein Augenschmaus.
Ein Fest für alle Sinne ist eine Rundfahrt oder – besser – eine Wandertour durch Grenada, deren Spitzname Spicy Island, also Gewürzinsel, ist. Es blüht und duftet im Regenwald, Vögel und Amphibien spielen ein vielstimmiges Konzert dazu. Dass das Ziel des schönsten Trekkingweges Mt. Qua Qua heißt, soll nichts damit zu tun haben. Erfrischung bekommt man dann weniger in den nebligen Vulkanseen, als vielmehr in den Dutzenden Wasserfällen entlang der Küstenhänge.
Ein ganz anderes Bild zeigt die nördlichste Insel Grenadas, Carriacou. Schroffe Berghänge, winzige Dörfer, kleine Strände. Auf denen feiern nachmittags fast nur Einheimische ab, weil die Touristen irgendwo draußen auf dem Meer auf ihren Katamaranen unter sich bleiben. Womit sie herrliche Ausblicke auf umliegende Inseln wie Petite Martinique oder das Palmenidyll Sandy Island versäumen.
Und auch eines der wenigen, aber ganz besonderen Hotels: Das Bogles Round House – drei abgelegene, stilvoll eingerichtete Bungalows auf einem Hügel im Norden. Wer absolute Ruhe will, findet sie hier, und den passenden Strand gleich dazu: das kleine Hotelboot fährt den Gast exklusiv zum Traumstrand Anse la Roche Bay. Wo er in der Regel allein ist. Nicht ganz allein ist man dann abends im Round House. Schuld daran ist Roxanne, irische Managerin und Wirtin. Sie gilt als eine der besten Köchinnen in der Karibik, hat mehrere Auszeichnungen abgeräumt. Die Luxusmenüs sind dennoch preiswert.
Sleeping Sharks
Nur sechs (!) Flugminuten weiter nördlich ist man schon auf der südlichsten Insel von St. Vincent und den Grenadinen, Union Island. Im Yachtclub von Clifton Harbour, wo vor allem Segeltouristen ihre Vorräte auffüllen, geht es so gemächlich zu, dass sogar die dort im seichten Wasser dümpelnden, harmlosen Haie „Sleeping Sharks“ heißen. Die Highlights der Insel: Der einsame Richmond Beach im Norden ist zu Fuß erreichbar. Eine Bar mit deutscher Besitzerin hält Erfrischungen bereit. Die braucht man auch, denn der schweißtreibende Rückweg über den Fort Hill ist Pflicht – inklusive Traumpanorama blick auf andere Inseln.
Für deren Erkundung ist Union Island der beste Ausgangspunkt. Wir machen einen Tagesausflug zu den Tobago Cays – Traumziel aller Segler dieser Welt. Mit einem prominenten urigen Transportmittel: dem Zweimaster „Scaramouche“, auf dem sich bereits die Piraten aus dem „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp recht wohlfühlten.
Erster Überfall: Ein Nobelresort auf der Insel Mayreau, dessen wohlhabende Gäste sich beim Baden unter Palmen von den kurzzeitigen Eindringlingen nicht stören lassen. Dann im kühlenden Schatten des Segels weiter zum Unterwassernationalpark Tobago Cays, einer Ansammlung kleiner Inseln. Hier haben sich die früheren Piraten wohl mit Proviant eingedeckt, denn die Schildkröten schwimmen uns beim Schnorcheln zwischen den Korallenriffen fast in die Arme. Wir lassen sie leben und freuen uns an ihrer Gelassenheit.
Der krönende Abschluss: das Luxusressort von Palm Island mit einer Kulisse wie im Film und dem schlicht perfekten Badestrand. Und auch hier dürfen wir ein wenig hineinschnuppern, uns unter Palmen aalen, wie die wenigen Gäste, die dafür im Gegensatz zu uns mindestens 400 Euro pro Person und Tag hinblättern müssen.
Stützpunkt für Segler
Dass die herrlich reifen Mangos zu Tausenden neben den Straßen verfaulen und im Supermarkt teure Importware angeboten wird, ist leider typisch für die Region, wo Urlauber viel Geld ausgeben, die Einheimischen aber arm bleiben.
Und nichts wie weiter zur Friendship Bay am südlichen Ende, wo sich der schönste Strand der Insel unter die bewaldeten Hügel schmiegt. Am besten zu betrachten aus einem der vielen Bungalows des Bequia Beach Hotels, wo es sich bei luxuriösem Komfort zu leistbaren Preisen auch eine Woche lang gut entspannen lässt. Auf der Insel der Superstars, Mustique, die man von der Liege aus am Horizont sieht, kann es kaum exklusiver sein. So wie die Leckereien, die man gleich neben den donnernden Wellen der abendlichen Flut im resorteigenen, offenen Restaurant serviert bekommt. Dessen bescheidener Name „Bagatelle“ ist Understatement pur.
Nur etwas mehr als eine Fährstunde weiter nördlich liegt die Hauptinsel des Staates St. Vincent & Grenadinen. Eine der typischen Vulkaninseln der kleinen Antillen, wobei der aktive Soufrière und dessen Kratersee in einer Tagestour bestiegen werden kann. Wenn man nicht schon auf der Anreise hängen bleibt, denn dort locken kühlende Wasserfälle im Urwald, wie etwa die Dark View Falls und Traumstrände mit Luxusresorts oder einfachen Lodges, wie etwa an der Richmond Beach.
Tatsächlich hängen geblieben sind dort schon die Film-Piraten der Karibik, denn viele Szenen dieses opulenten Mehrteilers wurden in der Wallilabou Bay gedreht. Teile der Kulissen von „Port Royal“ stehen heute noch, im Inneren sind Original-Drehbücher und Requisiten ausgestellt.
Haarnadelkurven
Besonders viel Spaß macht die Inselrundfahrt mit einem der bekanntesten Originale St. Vincent’s, dem Reiseführer mit Spitznamen „Sailor“. Wenn er seinen Autobus durch die Haarnadelkurven der Küstenstraßen lenkt, tönt ihm im Minutenabstand ein freundlicher „Hey, Sailor!“-Gruß von einem der hastig zur Seite springenden Passanten entgegen. Wie unübersichtlich die Stelle auch ist, er bleibt punktgenau an den besten Fotospots stehen, ein Glück für alle Fotografen. Wenn wir bei Lokalen anhalten, ist kurz Party angesagt.
Nur einmal wusste auch Sailor keine Lösung: Als eine – wie in der Karibik üblich, durchaus fröhlich tanzende – Begräbnisprozession von einem Bergdorf an die Küste unterwegs war, musste unser Bus im Schritttempo dahinter bleiben. Zwei Stunden lang, bis die feiernde Gesellschaft den Friedhof erreicht hatte. Zum Trauern und anschließender Rum-Party.
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